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Über 850.000 Besucher

Ötzi im Archäologiemuseum (Foto: Archäologiemuseum/Luca Guadagnini)

Zehn Museen, über zwanzig Dauer- und Wechselausstellungen, Vorträge, Workshops, Veranstaltungen im Freien, Konzerte und Forschung: Damit schafften die Südtiroler Landesmuseen im vergangenen Jahr 850.867 Besuche.

Die Museen in Besitz der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, die vom Land über den Betrieb Landesmuseen geführt werden, bestätigen zahlenmäßig ungefähr das Ergebnis der vergangenen Jahre, die Zahl liegt seit Jahren fast immer zwischen 800.000 und 900.000. “Ich freue mich über den Publikumserfolg unserer Landesmuseen im Jahr 2019“, meint dazu Landeshauptmann und Museumslandesrat Arno Kompatscher, „da sie dadurch in ihrer Rolle als beliebte und erfolgreiche Kulturorte bestätigt werden; dieser Erfolg bezeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Museen werden sich weiterhin um eine zeitgemäße und innovative Vermittlung und attraktive Angebote für alle Ziel- und Altersgruppen bemühen, um die Sicherung von Kulturgut und um eine stärkere Professionalisierung in allen musealen Aufgabenbereichen. Die kürzlich beschlossene Neuordnung der Organisationsstruktur der Südtiroler Museumswelt kann dazu beitragen, diese Ziele umzusetzen.“

Hier eine Übersicht der Besuchszahlen der einzelnen Museen und der von ihnen behandelten Themen:

Mit 294.748 Besuchen liegt das Südtiroler Archäologiemuseumin Bozen mit Publikumsmagnet Ötzi nur knapp unter seinem besuchsmäßig besten Ergebnis im Jahr 2018. Dazu beigetragen haben Lesungen, Familiennachmittage, die Veranstaltungen „Kulturkontakt“ und „Ötzi & Hugo – Aperitif im Museum“, die „Science week“, die Sommerferienwoche „Archeoweek“ und die Wechselausstellung “LOST & FOUND – Archäologie in Südtirol vor 1919“ mit archäologischen Funden, die in den Jahrhunderten vor 1919 in Südtirol entdeckt worden waren, das Land verlassen hatten und in Archiven in aller Welt gelagert waren. Die Forschungsarbeit betraf hingegen unter anderem die Herkunft des Metalls von Kupferbeilen, das Schnalstal, wo kürzlich eine Herdstelle, eine Mauer und Pfostenlöcher gefunden wurden und das gesamte Tal nun deshalb auf die menschliche Nutzung und Bewirtschaftung von der Steinzeit bis zur Bronzezeit untersucht wird, sowie die Schnur in Ötzis Köcher, bei der es sich höchstwahrscheinlich um seine Bogensehne handelt; diese kann deshalb als die älteste, weltweit bekannte erhaltene Bogensehne definiert werden.

Das Touriseum auf Schloss Trauttmansdorff bei Meran kommt auf 193.690 Eintritte. Zu den Höhepunkten des Landesmuseum für Tourismus zählten Buchvorstellungen zur Entwicklung von Alpendörfern in Orte des internationalen Skitourismus sowie über die schönsten Touren und Fotospots in Südtirol, ein Praktikum des Gandhi-Sprachenlyzeums in Meran, bei dem Jugendliche mit Theaterszenen, Ratespielen und Interviews etwas andere Führungen durchs Museum erprobten, eine neue Publikation zum Hotelpersonal und die dritte Ausgabe des Vintage Markets im November.

Das Landesmuseum Bergbaumit seinen vier Standorten in Ridnaun, am Schneeberg und im Ahrntal zählte insgesamt 92.628 Besuche von Menschen, die wissen wollten, wie das Leben und der Arbeitsalltag der Knappen in den Bergwerken Südtirols vor sich ging. Die Haupattraktionen waren die Ausstellung „Menschenbilder. Bergleute im Porträt“ mit Fotos von Männern und Frauen, die in den Bergwerken von Prettau und Ridnaun/Schneeberg tätig waren, die neue Dauerausstellung am Schneeberg zur Geschichte der Knappen, die hier vom Mittelalter bis 1985 Erz abbauten, und die Knappenspiele, bei denen sich Teams aus Südtirol und dem Trentino in den Aufgaben maßen, welche die Bergleute einst zu bewältigen hatten. Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit befasste sich das Museum hingegen mit dem Bergbau im Ahrntal, mit der Frage, was wo und wann abgebaut wurde, mit historischen Quellen, Flurnamen und noch unbekannten Abbaugebieten und Stollen.

81.118 Eintritte meldet das Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte – Schloss Tirolmit Schloss Velthurns und der Stephanus-Kapelle in Obermontani/Morter, die von Schloss Tirol verwaltet werden. Drei Wechselausstellungen liefen auf Schloss Tirol voriges Jahr und zwar „Mythen der Diktaturen“ über die Frage, wie die Kunst in Süd-, Nord-, Osttirol und im Trentino Faschismus und Nationalsozialismus bediente, die Ausstellung „Optionskoffer“ über die Geschichte einer Optantenfamilie und die Ausstellung „Maximilianus. Die Kunst des Kaisers“ über die Fähigkeit von Kaiser Maximilian I., sich in Szene zu setzen, und somit als Vater der neuzeitlichen Bildpropaganda in die Geschichte einzugehen. Auch der virtuelle Rundgang durch den Bergfried ist ein Kind des vorigen Jahres: Interessierte können die Ausstellung zur Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert damit bequem von zuhause aus oder etwa im Klassenzimmer erleben.

Im Herbst wurde schließlich ein neuer Ausstellungsbereich über die Geschichte des 300 Jahre alten Ansitzes Mair am Hof eröffnet, der seit den 1980er-Jahren Teil des Volkskundemuseums ist.

Das Team des Weinmuseums hingegen arbeitete unter anderem am Forschungsprojekt des Saltners, einer der interessantesten und ungewöhnlichsten Figuren der lokalen Weinbaugeschichte: Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hütete er die reifen Trauben in den Weinbergen, viele Menschen in Südtirol kennen ihn als imposante, federngeschmückte und mit Fuchsschwänzen behangene Gestalt. Parallel dazu fanden wieder Führungen, Veranstaltungen zum Kalterer Weintag und Kalterer Weinwandertag, der Internationale Museumstag sowie Fassbinder- und Töpferworkshops statt.

Das Angebot des Landesmuseums für Jagd und Fischerei – Schloss Wolfsthurn konzentriert sich vor allem auf die Sommermonate: Es umfasste einen Workshop für Kinder, Schlossführungen und gut besuchte Konzerte im Ballsaal. Auf Aufmerksamkeit stieß unter anderem ein im Juni geborenes Jungtier im Damhirschgehege: Den ganzen Sommer lang wurde sein Wachsen und Gedeihen von den Vorbeikommenden mit Interesse verfolgt.

Die Festung Franzensfeste freut sich in ihrem dritten Jahr als Landesmuseum über 35.291 Eintritte. Über das Standartprogramm hinaus gab es hier etwa eine Lesung mit dem österreichischen Autor Raoul Schrott, die Kunstbiennale „50X50X50 Art Südtirol“, die einen Überblick über die zeitgenössische Südtiroler Kunstszene bietet, und die Ausstellung „In Innsbruck studiert. Südtiroler Studierende erinnern sich“, die den 350. Geburtstag der Universität Innsbruck hommagiert und noch bis kommenden 3. Mai zu sehen ist. Zum Jahresabschluss gab es wieder die Aktion „Kunst im Advent“ mit Installationen, bei denen sich Künstlerinnen und Künstler kritisch mit Weihnachten, Advent und der Festung auseinandersetzten. Zu den wichtigsten Forschungsprojekten im Jahr 2019 zählt hingegen jenes zu den italienischen Alpenbefestigungen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs (der sogenannte Vallo Alpino Littorio), das einen Überblick über die derzeit auf mehrere Archive im Ausland befindlichen Unterlagen verschaffen möchte.

Dieser Überblick endet mit dem ladinischen Landesmuseum, sprich dem Museum Ladin Ciastel de Torin Sankt Martin in Thurn und dem Museum Ladin Ursus ladinicusin Sankt Kassian, und dessen insgesamt 27.531 Eintritten. Auf dem Programm stand zum Beispiel die Wechselausstellung zur Schule in den ladinischen Tälern und der dort angewandten, erfolgreichen Mehrsprachendidaktik, die Ausstellung Trienala ladina zur Kunst im ladinischen Kulturraum, eine Fotoausstellung in Wolkenstein und eine Ausstellung zur Höhlenwelt der Dolomiten in Predazzo, sowie wieder viele Wanderungen, Führungen für Schulen, Konzerte und Veranstaltungen zu den Dolomiten, ihrer Geologie, der ladinischen Kultur und zum Höhlenbären Ursus ladinicus, der vor rund 40.000 Jahren in den Gadertaler Bergen lebte.

 

Das Naturmuseum Südtirolin Bozen erreichte 74.506 Besuche. Einer der Höhepunkt war wohl die Leihgabe eines Mondgesteins von der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA, das seit vergangenem Sommer und noch bis 22. Februar in der Ausstellung „Mondwärts“ zu sehen ist; letztere ist der ersten bemannten Mondlandung, den Apollo-Expeditionen und dem Mond selbst gewidmet und läuft noch bis Anfang Juni. Hinzu kommen rund 30 Vorträge zu wissenschaftlichen Themen, 20 Workshops für Kinder und Jugendliche, Themenwanderungen und Wechselausstellungen; die Ausstellung „Das Amtshaus des Kaisers“ etwa erzählte die Geschichte des Gebäudes, in dem heute das Naturmuseum untergebracht ist und dessen Bau von Kaiser Maximilian I. beauftragt wurde. In der Forschung arbeitete das Naturmuseum unter anderem an dialektalen Pflanzennamen in Südtirol, die sich bei jeder Pflanzenart zum wissenschaftlichen, lateinischen Artnamen und der Bezeichnung in der jeweiligen Landessprache gesellt – ein Beispiel: Das „Gewöhnliche Leberblümchen“ heißt in der Wissenschaft „Hepatica nobilis“ und in der Südtiroler Mundart „Pfrouslstaud“. Das Projekt „Akte Small Mammals – die ungelösten Fälle der kleinen Säugetiere Südtirols“ soll hingegen noch offene Fragen in der Verbreitung,in Verwandtschaftsbeziehungen und in der korrekten Artzugehörigkeit von Tieren klären, wie etwa der Walliser Spitzmaus, der Etruskerspitzmaus und des Blindmaulwurfs. Die daran beteiligten Fachleute erheben diese Daten unter anderem in Zusammenarbeit mit interessierten Personen und Schulklassen.

Weiter geht es mit dem Südtiroler Landesmuseum für Volkskundein Dietenheim bei Bruneck, dem Südtiroler Landesmuseum für Jagd und Fischerei – Schloss Wolfsthurnbei Mareit (Ratschings) und dem Südtiroler Weinmuseumin Kaltern. Diese drei in einer Direktion vereinten Museen registrierten insgesamt 51.355 Besuche. Im Volkskundemuseum erlebten die Gäste neben den traditionellen Großveranstaltungen zur Saisoneröffnung am Ostermontag und beim Internationalen Museumstag im Mai den Thementag „Flachs und Leinen“ mit Informationsständen und Vorführungen sowie das Sommerprogramm mit Handwerksvorführungen, dem Brot- und Niggilanbacken und dem Haare flechten.

Im Frühjahr beginnt für acht der zehn Landesmuseen wieder eine neue Saison, das Südtiroler Archäologiemuseum und das Naturmuseum Südtirol sind hingegen ganzjährig geöffnet.

Sämtliche Informationen zu den Landesmuseen gibt es auf dem Museumsportal www.museen-suedtirol.it.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (1)

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  • george

    Dafür werden wohl auch immer wieder Schulklassen in die verschiedenen Museen hingepfercht um die Statistik aufzubessern. Und das nennt man dann kulturelle Bildung, wenn bei sie dann zwangsweise dort sind und bei der Führung viele heimlich im Smartphone chatten, weil sie für das andere kein Interesse haben.

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