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„Habe das Liebste verloren“

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Der Unfalllenker von Luttach hatte knapp zwei Promille im Blut. Er tötete sieben Menschen. Eine Mutter erzählt, was es bedeutet, sein Kind durch einen betrunkenen Autofahrer zu verlieren.

von Eva Maria Gapp

Es ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann“, sagt eine Mutter, die sich an die Tageszeitung gewandt hat und anonym bleiben möchte, „wenn du dein Kind verlierst, hinterlässt das eine riesige Lücke. Es tut einfach nur unheimlich weh. Nichts wird mehr wie früher.“

Seit dem schweren Unfall von Luttach, bei dem ein betrunkener junger Mann aus Ehrenburg sieben Menschen tot gefahren hat, geht es der Mutter besonders schlecht. Alte Wunden klaffen wieder auf, man werde an die Zeit zurückerinnert. „Es wühlt mich immer noch sehr auf, jeder Tag ist eine Zerreißprobe für mich. Niemand kann sich vorstellen, was das für ein Schmerz ist, wenn einem das Kind, das Liebste auf der Welt, genommen wird. Mit diesem Schmerz muss man jeden Tag leben. Die Wunde heilt nicht.“ Denn die Mutter hat ihren Sohn vor einigen Jahren „auch auf diese schreckliche Art und Weise verloren“. Er kam durch einen Autounfall, bei dem der Lenker alkoholisiert war, ums Leben. Mehr möchte sie dazu nicht sagen. Der Tod des Sohnes reißt der Familie den Boden unter den Füßen weg. „Es ist unfassbar“, sagt sie.

Seitdem versucht die Mutter zu „überleben“: „Nach so einem Unfall hängt dein Leben an einem seidenen Faden. Man fragt sich ständig: Wieso lebe ich eigentlich noch? Wie viel ist mein Leben noch wert? Denn die Hinterbliebenen würden am liebsten auch sterben.“ Für die Mutter ist es ein ständiger Kampf gegen die erdrückende Trauer. „Das Leben fühlt sich nicht mehr unbeschwert an. Man führt im Grunde ein sehr ernsthaftes Leben“, sagt sie.

Vor allem aber für den Vater war der Tod des Sohnes nicht ertragbar. Er kam damit nicht zurecht: „Der Vater hat es psychisch nicht überlebt. Er ist letztes Jahr an diesem Schmerz zu Grunde gegangen. Zuletzt ist er noch an Krebs erkrankt“, erzählt die Mutter. Man müsse sich das so vorstellen: „Ein Kind ist ein Stück von einem selbst. Deshalb ist es auch so schwer zu verkraften. Es bricht die Welt zusammen“, sagt sie. Der Tod des Sohnes habe die Familie auseinandergerissen: „Auch der Großvater ist ein paar Monate nach dem Unfall gestorben, und die Schwester kann kein normales Leben mehr führen“, sagt sie. Die Folgen des Unfalls sind verheerend.

Deshalb möchte die Mutter mit ihrer Geschichte aufrütteln: „Ich möchte die jungen Menschen aufrütteln, das eigene Leben und das Leben anderer Menschen nicht so leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Steigt nicht ins Auto, wenn ihr Alkohol getrunken hat. Denkt an die Menschen, die dann ihr ganzes Leben lang leiden müssen“, betont sie. Auch der Unfall in Luttach soll die jungen Menschen abschrecken und keinesfalls ermutigen. Fahren im betrunkenen Zustand dürfe kein Kavaliersdelikt mehr sein.

Zugleich appelliert sie an die Polizei, mehr Kontrollen durchzuführen: „Warum trauen sich Menschen, betrunken Auto zu fahren? Weil es ihnen zu leicht gemacht wird. Hier versagt das Kontrollsystem in den Diskotheken. Hier muss die Polizei einfach präsent sein“, betont die Mutter. Denn das werde viel zu wenig gemacht: „Überall wird weggeschaut, Hauptsache man hat Spaß und macht ein großes Geschäft. Es wird null Verantwortung übernommen“, bemängelt sie. Abschließend möchte die Mutter den Familien der Opfer der Unglücksnacht in Luttach ihr tief empfundenes Mitgefühl ausdrücken. „Ich weiß, wie es ist, in dieser Situation zu stecken, sich ohnmächtig zu fühlen, nicht weiter zu wissen. Ich bin in tiefer Trauer mit den Angehörigen und wünsche ihnen viel Kraft“, sagt sie.

Am 5. Jänner kurz nach ein Uhr nachts sind bei einem Unfall in Luttach sieben junge Erwachsene aus Deutschland ums Leben gekommen. 10 weitere wurden teils schwer verletzt. Ein Auto, genauer genommen ein Audi TT, ist mit hoher Geschwindigkeit in die Gruppe gerast. Am Steuer saß der 27-jährige Stefan Lechner aus Ehrenburg. Bei einem Alkoholtest nach dem Unfall waren in Lechners Blut fast zwei Promille Alkohol gemessen worden. Das sind fast viermal so viel, wie erlaubt.

Der Unfalllenker befindet sich derzeit im Bozner Gefängnis. Er muss sich wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr und Trunkenheit am Steuer verantworten. Nach Angaben seines Anwalts bereut der 27-Jährige das Unglück. Er sei sich bewusst, dass er vor der Fahrt getrunken habe. Aber als er den Wert von fast zwei Promille erfahren habe, sei er verwundert gewesen: Der Südtiroler habe sich nicht für so stark alkoholisiert gehalten. Die Tragödie in Luttach hat Südtirol in eine Schockstarre versetzt. Auch im Ausland sorgte der Unfall für Aufsehen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (4)

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  • yannis

    ist ja alles schön und gut, wer aber schreibt eine solche Story wenn eine Mutter von mehreren kleinen Kindern von heute auf morgen weg stirbt, sei es durch Unfall oder anderen bösen Dingen ?
    Ach ja war ja nur eine unbedeutende kleine Bergbäurin und nicht eine für den Touirsmus bedeutende Person.

  • alsobi

    Blöder Kommentar yannis…………….! Strafe die Tageszeitung.

  • nelke

    Ein Kind oder einen anderen geliebten Menschen zu verlieren ist immer ganz schlimm,besonders aber durch einen so sinnlosen Tot,er ist so sinnlos und dadurch nicht zu verarbeiten.
    Es ist ein ganz furchtbarer Schicksalsschlag,ausgelöst durch einen Menschen,der in einer Sekunde fuer sich die falsche Entscheidung traf und aus Liebeskummer trank und sich total falsch einschätzte.
    Dieser Unfall ist so furchtbar tragisch, weil der Unfallfahrer das verhindern haette können,wenn er haette realer gedacht und haette sich ein Taxi bestellt,
    Wut ,Enttaeuschung und Alkehol haben aus seinem Auto leider eine Kampfmaschine gemacht und das Leben vieler und auch sein eigenes total verändert.
    Ich klage ihn an,weil er eine falsche Entscheidung getroffen hat,aber als Mensch tut er mir leid!
    Allen Hinterbliebenen ganz viel Kraft❤️

  • ohnehirnlebtmanbesser

    Oh Hirni. Ich kenn das. Eine langsame moralische Gehirnwàsche……und der Tàter wird zum Opfer. Sehr sehr langsam……Bericht nach Bericht. Nein….kein Hirni

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