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Die Gratis-Öffis

SVP-Bezirkschef Oswald Schiefer macht sich für eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs stark – und sucht den Schulterschluss mit Ex-Mobilitätslandesrat Thomas Widmann.

von Matthias Kofler

Die Idee kommt aus Luxemburg: Vom 1. März 2020 an ist das Großherzogtum das erste Land der Welt, in dem man für Busse und Bahnen keine Fahrkarten mehr braucht. Der öffentliche Personennahverkehr im zweitkleinsten EU-Land mit gut 600.000 Einwohnern und 25.86 Quadratkilometern Fläche wird komplett kostenlos, nur die 1. Klasse der Bahn bleibt kostenpflichtig.

Oswald Schiefer will das Luxemburger Modell nun auch auf Südtirol ummünzen: In der kommenden SVP-Leitungssitzung im Januar wagt der Unterlandler Bezirkschef einen entsprechenden Vorstoß. „Die Gratis-Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs ist eine super Sache. Wir können uns das als Land auch leisten, indem wir an anderen Stellen Geld einsparen“, sagt Schiefer. Allerdings muss zuvor überprüft werden, ob das Land überhaupt die rechtlichen Möglichkeiten hat, um einen solchen Alleingang zu starten. Möglicherweise brauche es ein Arrangement mit dem Staat, glaubt der SVP-Politiker. Luxemburg mache aber vor, dass die kostenlose Nutzung von Bussen und Zügen durchaus mit den EU-Normen in Einklang gebracht werden kann.

Auch Landesrat Thomas Widmann bezeichnet das Luxemburger Modell als „grundsätzlich ok“. In seiner Zeit als Mobilitätslandesrat hatte der Wirtschaftspolitiker durchgesetzt, dass Senioren die Öffis im Lande gratis nutzen dürfen. Sein Nachfolger Florian Mussner ging vom eingeschlagenen Weg ab. Seitdem müssen auch die älteren Damen und Herrn einen Pauschalbeitrag bezahlen: Die Antragsteller vom 65. bis zum vollendeten 69. Lebensjahr zahlen einen Jahrestarif von 150 Euro. Die Antragsteller vom 70. bis zum vollendeten 74. Lebensjahr zahlen einen Jahrestarif von 75 Euro. Die Antragsteller ab dem vollendeten 75. Lebensjahr zahlen einen Jahrestarif von 20 Euro. „Es hat sich herausgestellt, dass die dadurch entstandenen bürokratischen Kosten höher sind als die erzielten Mehreinnahmen“, betont Schiefer.

Die Gratis-Öffis sollen einen wichtig Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten und gleichzeitig die Belastungen des Verkehrs auf die Gesundheit reduzieren. „Schon allein aufgrund unserer geografischen Lage inmitten der Berge sind wir moralisch verpflichtet, die Nutzung des Privatautos so weit wie möglich zu reduzieren“, meint Schiefer. Dafür müsse man erreichen, das es sich finanziell nicht mehr rentiere, aus Bequemlichkeit aufs eigene Auto zurückzugreifen. Mittelfristiges Ziel sei eine Reduzierung des PKW-Gebrauchs um 15 bis 20 Prozent, so Schiefer. Eine kostenlose Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs wäre in diesem Sinne „ein echter Meilenstein“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • zusagen

    Dafür muss das öffentliche Netz aber etwas ausgebaut werden damit auch möglichst alle was von diesem Kuchen abbekommen. Aber ich finde es eine sehr gute Idee.

    • tiroler

      Ich finde den Vorschlag gut. Das Land sollte doch mit dem Versuch starten, 1 Monat lang alle Öffis gratis anzubieten. Dann würde man auch sehen, wieviel auch der Individualverkehr abnimmt.

      • tiroler

        Jedenfalls macht die Idee Sinn, im Gegensatz zu den Reißparolen des Landtagskükens, welches Skipässe für Kinder gratis anbieten will, wenn man doch für Kinder Saisonskarten für lediglich 80 Euro, angeboten von den Liftbetreibern bekommt. Sinnvoller wäre es, die KM Geldvergütung der Landtagsabgeordneten ersatzlos zu streichen.

  • fronz

    …um einen solchen Alleingang zu starten. Möglicherweise brauche es ein Arrangement mit dem Staat, glaubt der SVP-Politiker!
    Glauben oder nichtglauben, Volltrottelautonomie!

  • saustall_kritiker

    Danke Herr Schiefer! Super Idee! Sofort umsetzen, wenn man den Klimaschutz Ernst nimmt. Und ein großer Dank, dass Sie die Lügner vom Mobilitätsressort entlarvt haben. Hatten die anlässlich der letzten Tariferhöhungen doch gesagt, der Bürger müsse laut Eu-Norm 30% der Kosten tragen, deshalb die Erhöhung. Hatten die doch glatt einer offensichtlich nicht existierenden Eu-Norm die Schuld für die Tariferhöhungen in die Schuhe schieben wollen. Dank Luxemburg, einem der ältesten Eu-Mitgliedsstaaten wurden sie entlarft. Jaja, Alfreider und co: Lügen haben kurze Beine 🙂 🙂

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