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Es soll Ihnen gut gehen!

TAGESZEITUNG-Herausgeber Arnold Tribus über das abgelaufene Jahr, besorgniserregende Hinweise, kleinkarierte Politiker und den Ausbruch der allgemeinen Unzufriedenheit.

Am Jahresende ist es fast schon eine Pflicht, dass man zurückblickt und das alte Jahr Revue passieren lässt. Was war gut, was war schlecht, wer ist gestorben, welche Highlights haben das Interesse der Bürgerinnen geweckt, welche Katastrophen haben uns geheimgesucht, Unwetter, die uns ja auch bewegt haben.

Bei uns kommen dann auch die vielen Freizeittoten dazu, begeisterte Leute, die auf den Berg gehen und dann abstürzen, oder Skifahrer, die unter eine Lawine kommen und das Leben lassen. Freilich, die drei Toten vor einigen Tagen im Schnalstal haben die Silvesterstimmung im Lande getrübt.

Das Jahr, das wir hinter uns gelassen haben, war ganz allgemein betrachtet ein ruhiges Jahr. Von kleineren Naturkatastrophen sind wir heuer nicht verschont geblieben, aber da hat Südtirol einmal mehr gezeigt, was es kann, wenn es in Not ist. Ein großer Zusammenhalt, eine grandiose Hilfsbereitschaft, ein unermüdlicher Einsatz der Feuerwehren, der freiwilligen, die ja alle um Gotteslohn arbeiten, und der Zivilschützer haben unser Land von seiner besten Seite gezeigt, und darauf sollen wir stolz sein, ganz Italien neidet uns das. Da wird nicht auf Hilfe gewartet, da krempelt man sich die Ärmel hoch und geht an die Arbeit.

Es geht unserem Volke nach wie vor gut, auch wenn man nichts beschönigen soll, auch bei uns gibt es immer mehr Leute, die mit ihrem Gehalt nicht mehr ans Monatsende kommen, und das ist tragisch, denn wenn der Arbeiter mit seinem Lohn nicht mehr überleben kann, könnte das a la long auch den sozialen Frieden im Lande gefährden, eines unserer kostbarsten Güter, der auch dank des Segens der Autonomie bisher immer gewährleistet werden konnte.

Es gibt bereits einige besorgniserregende Hinweise. Wer das Interview mit dem Vorsitzenden der Vinzenzgemeinschaft gelesen hat, der hat erfahren, dass es auch Not gibt in diesem Lande, dass es Menschen gibt, die nicht mehr zurechtkommen mit dem Druck dieser Gesellschaft, Menschen, die auf der Straße leben, weil sie ohne Obdach sind.

Im Sommer ließ ja die Nachricht aufhorchen, dass in diesem reichen Land immerhin mehr als 3.000 Familien in Armut leben, in rund 1.000 Fällen handelt es sich um Familien mit Kindern, dazu kommen 400 Alleinerzieher, die als arm gelten, das ließ Frau Landesrat Deeg wissen.

In Zeiten der Not, auch wenn sie relativ wenige Menschen betrifft, muss sich das Land beweisen und zeigen, dass es eine Solidargemeinschaft ist, die für seine Bürger da ist.

Wie peinlich und mickrig sind da die unsäglichen Polemiken kleinkarierter Politiker, die mit Wadlbeißereien und Zurschaustellung von individuellen Befindlichkeiten auf sich aufmerksam machen wollen, anstatt mit voller Kraft und Engagement dazu beizutragen, dass dieses Gemeinwesen Südtirol gedeihe.

Erinnern Sie sich noch an das Geplärre um die vielen Ausländer im Lande? Täglich strandeten am Bozner Bahnhof Verzweifelte, die weiterfahren wollten ins gelobte Land Deutschland, sich aber vor geschlossenen Grenzen fanden. Viele sind im Lande untergebracht worden, die tüchtige, damalige Frau Landesrat Stocker hat alle Gemeinden in die Pflicht genommen und ihnen Migranten zugewiesen. Auch da haben die Leute vor Ort Solidarität und Nächstenliebe gezeigt und alles unternommen, damit die jungen Schwarzen integriert werden. Nun werden die Zentren wieder geschlossen, weil es keine Einwanderer mehr gibt im Lande, geplärrt und gehetzt wird weiter.

Die Wirtschaftslage ist weiterhin gut, dem schönen Land ist es also gut gegangen, wir stehen im In- und Ausland gut da, beste Lebensqualität Italiens. Trotzdem ist die allgemeine Unzufriedenheit ausgebrochen. Das Volk ist derart vollgefressen, dass es sich gefällt, alles schlecht zu machen, nichts ist mehr gut genug, es wird protestiert.

In der neuen Dekade müssen wir mit Landeshauptmann Kompatscher in die Dekade der Nachhaltigkeit eintreten.

Ein gutes neues Jahr!

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • andreas

    Ich sehe den Segen der Autonomie ebenfalls, denn so können wir wenigstens unseren selbstlosen Altpolitikern eine standesgemäße Rente zahlen und sie mit einem zusätzlichen Vorschuss vor der Altersarmut bewahren.

    Die Vinzenzgemeinschaft soll sich doch bitteschön selbst um ihr Klientel kümmern und nicht die Allgemeinheit damit belasten.

    Wäre ja noch schöner, wenn Leute wie Peterlini auf die monatlichen 9.000 Euro verzichten müssten bzw. die Summe nicht irgendwie kompensiert werden würde, er hat ja eine junge Frau und ein Kind und da gibt es immer noch welche, die im sein Lebensminimum nicht gönnen.

  • leser

    Ja tribus
    Du hast recht südtirol geht es gut es wäre nur zu wûnschen dass es mehr politiker gibt die die ärmel hochkrempeln und ihre eigenintetessen zurücklegen aber das ist ein nationales europäisches problem hoffentlich lassen sie davon ab den karren an due wand zu fahren

  • tiroler

    „Wie peinlich und mickrig sind da die unsäglichen Polemiken kleinkarierter Politiker, die mit Wadlbeißereien und Zurschaustellung von individuellen Befindlichkeiten auf sich aufmerksam machen wollen, anstatt mit voller Kraft und Engagement dazu beizutragen, dass dieses Gemeinwesen Südtirol gedeihe“
    Damit meint der Autor wohl das blonde Küken, welches sich bei jeder Party im land ablichten lässt und dazu noch die Frechheit hat, sich Fahrtspesen im 5stelligen Bereich von den Südtiroler Steuerzahlern abzuknöpfen.

  • prof

    @tiroler
    Wenn Abgeordnete die Fahrtspesen abrechnen können warum sollten sie es dann nicht tun. Mir als Steuerzahler bleibt gleich viel,auch ohne Abrechnung.
    Gescheiter wäre es wenn alle Abgeordnete die ganzen Fahrtspesen abrechnen u nd das ganze Geld an Gemeinnützige Vereine weitergeben.

    • tiroler

      Da liegen sie falsch! Je mehr Steuergeld verschwendet wird umso mehr steigt die Steuerlast, auch ihre.
      Würden sie das Geld an gemeinnützige Vereine abgeben, dann wäre die lobenswert.
      Wird aber ein Wunschdenken bleiben. Die Geldgier dieser Gattung ist zu groß

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