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Unschöne Bescherung

Michael Wachtler muss nach dem Rechtsstreit mit dem Land über 300.000 Euro zahlen – und sämtliche Fundstücke abgeben. Jetzt könnte sein Museum Dolomythos in Innichen tatsächlich geschlossen werden.

von Silke Hinterwaldner

Michael Wachtler hat in seinem Museum in der Fußgängerzone von Innichen einen unterirdischen Weihnachtsmarkt eingerichtet. Ohne Eintritt bezahlen zu müssen, kann nun noch jeder, der gern möchte, das Dolomythos besuchen. In gut zwei Wochen aber wird der Weihnachtsmarkt schließen – und wie es mit dem Museum weitergeht, ist noch offen.

„Langsam“, sagt Besitzer Wachtler, „muss ich mich wohl darauf einstellen, das Museum zu schließen.“ Der Grund für die melancholische Stimmung ist wieder einmal der Rechtsstreit zwischen den Landesämtern und dem Fossilienforscher aus Innichen. Vor wenigen Tagen hat Michael Wachtler einen Brief der Anwaltschaft des Landes zugestellt bekommen, dessen Inhalt alles andere als erfreulich ist.

Darin heißt es: „Wie bereits im Rahmen des Strafverfahrens geltend gemacht, beläuft sich der Gesamtschaden, der der Landesverwaltung durch Ihre Übergriffe entstanden ist, auf Euro 302.154,46.“ Der Gesamtbetrag soll innerhalb von 40 Tagen bezahlt werden. Außerdem, heißt es im Brief, sollte Wachtler die noch in seinem Besitz verbliebenen Fundstücke unverzüglich übergeben. Ansonsten würden wiederum rechtliche Schritte gegen ihn eingeleitet.

Zur Erinnerung: Seit bald zehn Jahren befindet sich Wachtler mit den Landesämtern, vor allem mit dem Naturmuseum, im Rechtsstreit. Kern des Problems ist dabei der Forscherdrang des Museumsbesitzers. Immer wieder hat Wachtler in den Dolomiten interessante Fossilien gefunden, immer wieder hat er dazu auf eigene Faust Publikationen verfasst und seine Fundstücke im Museum in Innichen ausgestellt. Beim Land aber geht man davon aus, dass diese wertvollen Fundstücke nicht dem Finder Wachtler, sondern der Allgemeinheit gehören. Deshalb dürfe er sie auch nicht ausstellen.

In einem kräftezehrenden Gerichtsverfahren ist schließlich festgestellt worden, dass der Schaden an den paläontologischen Kulturgütern mit über 200.000 Euro beziffert werden könne. Dazu kommen Lagerkosten und Zinsen, insgesamt soll Wachtler nun über 300.000 Euro bezahlen. Was aber, wenn all diese wertvollen Kulturgüter nie gefunden worden wären? Oder was, wenn jemand unwissend einen Stein mit nach Hause nimmt, der vielleicht wertvoll ist? Wird er dann auch zur Rechenschaft gezogen?

Mit all diesen Fragen hat sich Michael Wachtler in den vergangenen Jahren immer wieder beschäftigt. Das Museum Dolomythos ist der Ausstellungsort seiner Sammlerleidenschaft, aber wie lange noch? Auf rund 2.000 Quadratmetern Fläche in bester Lage, sagt er, könne man auch eine Supermarktkette unterbringen. Ob das den Herren beim Land lieber wäre? „Die Schlinge, die sich um das Museum Dolomythos zuzieht“, sagt Wachtler, „wird immer enger.“

Dabei droht ihm schon wieder neues Ungemach. Nach dem Fund des Sauriers der seinen Namen trägt, nämlich Wachtlerosaurus, wurde das Stück bereits im Hebst vergangenen Jahres beschlagnahmt. In dieser Sache droht nun ein weiteres Strafverfahren.

Derweil will Wachtler weiterkämpfen. Er wird dem Land jetzt nicht einfach 300.000 Euro überweisen. Vielmehr will er klären lassen, wie dem Land durch sein Tun ein so hoher Schaden entstanden sein kann.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (20)

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  • ich1979

    Ich kann den Wachtler gut verstehen.
    Immerhin hat er Jahrzehnte Herzblut in diese Arbeit gesteckt und auf einmal wird ihm alles genommen.

  • andreas

    Die Argumentation, „Was aber, wenn all diese wertvollen Kulturgüter nie gefunden worden wären?“ ist wohl knapp daneben, denn mit dieser Argumentation könnte man auch eine Brieftasche behalten, welche man gefunden hat.

    Es gibt nun mal einen rechtmäßigen Eigentümer bei Fundsachen, unabhängig davon, wie es manche zu ihrem Gunsten interpretieren möchten.

    • markp.

      @andreas
      Ist der Vergleich Brieftasche vs. Fossilien nicht ein wenig wie Birne vs. Apfel?

      Die Brieftasche hat doch vor dem Fund irgendjemandem persönlich gehört. Wer aber ist der Eigentümer eines Fossiles? Wenn ein Fossil von Südtirol nach Österreich, Schweiz oder Slowenien rutscht, ist dann immer noch Südtirol der Eigentümer oder das Land, wo es gefunden wird? Und müßte dann der Herr Wachtler – wenn es dann stichhaltig bewiesen ist, daß das Land der Eigentümer ist – nicht einen Finderlohn anstatt einer Strafe bekommen? Und mich würde wie Herrn Wachtler auch interessieren, auf welcher Grundlage man einen Schaden von über 300.000,00 Euros kalkuliert? Sind das entgangene Museumseinnahmen?

      P.S.: vielleicht rechtlich mag das alles so in Ordnung sein, was das Land macht, aber moralisch ist es ganz schön verwerflich (auch wenn das vor Gericht nichts zählt) jemanden soviele Steine in den Weg zu legen, der mit Herzblut nach etwas forscht, wofür das Land – weil vielleicht das Personal oder Budget oder doch das Interesse dazu fehlt – keinen Finger krumm macht. Und unabhängig von dem: gäbe es nicht den Herrn Wachtler (oder andere die mit Herzblut dabei sind), dann nehme ich mal an, würden die Allgemeinheit wohl solche Sachen nicht zu Gesicht bekommen.

      • mannik

        Archäologische Funde – dazu gehören Fossilien unzweifelhaft – gehören dem Staat auf dessen Staatsgebiet sie gefunden werden. Erinnern Sie sich an den Streitfall Ötzi?

        • yannis

          @mannik,
          Was glaubst Du wohl wieviele von solcherlei Steinen schon in den Rucksäcken von Touristen aus der halben Welt abtransportiert wurden, und die Allgemeinheit diese weder zu Gesicht bekommt geschweige denn was davon hat ?
          Im übrigen hat @markp absolut recht.

          • mannik

            Das ändert nichts an der Tatsache, dass die Fundstücke dem Staat gehören und das Entwenden strafbar ist. Ist ja nicht nur in Italien so und wird bei Kontrollen bspw. an Flughäfen immer wieder entdeckt.

        • markp.

          @mannik
          Wenn ich mich recht entsinne, hat es wegen dem Ötzi einen jahrelangen Rechtsstreit gegeben. Wenn es denn so sicher war, daß der Ötzi dem Südtiroler Land gehört, warum mußte dann jahrelang so massiv darum gestritten werden und wurde dann alles erst mit einem finanziellen Vergleich geregelt?
          Und wenn die Zahlen stimmen, hat die Familie Simon zuerst 50.000 als Vergleich bekommen und Jahre später nach dem Tod von Herrn Simon nochmals 175.000 als sogenannte „Wiedergutmachung“ bzw.offizielle Anerkennung als Finder.

          Warum bekommt dann der Wachtler kein Geld, sondern soll auch noch dafür bezahlen?

          • mannik

            Es ging um den Finderlohn und generell, ob den Simons ein Finderlohn zusteht, da sie ja selbst nicht von einem archäologischen Fund ausgegangen sind (wie auch). Es ging nicht um die Frage nach dem Eigentum.

            Wachtler hat die Funde an sich genommen und nicht übergeben und danach einen Finderlohn gefordert. Die Sachlage ist schon ziemlich klar.

  • goggile

    wo genau steht geschrieben dass gefundene fossilien in südtirol dem land gehõren und nicht dem finder? bild.de hat gestern beim vericht vom lawinenabgang die neue südtiroler tageszeitung namentlich genannt! wärs den beamten vom land die milliarden vom be steuergeld für tourismuswebung ausgeben lieber, einen gross titulierten bericht in europas mächtigster zeitung zu lesen? wie wurde mit den ötzi-findern umgegangen? wenn man wachtler die gefundenen fossilien enteignen mõchte mit üblicher landesgewalt, so bitte ich um veröffentlichung des gesetzes das dies bestimmt sollte es so sein würden wachtler millionenfinderlohn zustehen mit megaprämien, da es sich nicht um zufahlsfunde sondern um hart erarbeitete suchexpeditionen handelt. ausserden veröffentlicht nich die pauschale land und amt soundso, sondern genaue namen aller beamten die für ein solch undankbares unmenschliches verhalten gegenüber wachtler zeichnen! es wird der zeitpunkt kommen wo in der justiz die moral miteinkalkuliert wird. wir sind noch nicht so weit. wir sind noch steinzeitmenschen im universeller zeitrechnung. DDDDDDDDDDDDD.goggile

  • holzmichl

    Für Herrn Wachtler tun mir die 300.000 Strafe nicht leid, das ist ein Ellenbogenmensch, für diesen Typen zählt nur das Geld ansonsten Nichts,die PZ wird sicher Alles positiv darstellen ist ja der grösste Aktionär, dieser Mensch hat gar nichts geleistet/ auf die Reihe gebracht ausser ein Millionenerbe kassiert.Neid – NEIN lieber so wie ich, esse auch mal an 7 Tagen Pasta von Vortag oder gekochte Kartoffeln, aber sitze nicht in der ersten Reihe in der Stiftskirche am Sonntag.

  • george

    Hier polemisiert der eine Neidhammel gegen den anderen. Die wenigsten bleiben sachlich und kommentieren nach genauer Recherche und Wissen den reinen Sachverhalt. Ganz Recht hat hier weder das Land noch Wachtler. So wie sich das Ganze im Laufe der Jahre entwickelt hat, müsste wohl ein gerichtlicher Vergleich stattfinden, worin wahrscheinlich keiner der beiden gut aussteigt. Hätte man gleich zu Beginn nicht rein auf sturem Verhalten und reiner Gesetzesinterpretation gehandelt, sondern die Wertigkeit dieser Fossilien richtig eingestuft und den Finder darin exemplarisch vorteilhaft dafür belohnt, so wäre wahrscheinlich für die Allgemeinheit ein Museum mit neuen Fundgegenständen und enormen paläontologischem bzw. mesozoiischem Grundwissen erschlossen worden, wo alle beide, Wachtler wie Land entsprechend hätten profitieren können. Schade für all die vertanen Chancen für die Öffentlichkeit.

  • andreas

    @markp.
    Archeologische Fundstücke oder Brieftaschen sind Gegenstände, welche dem Finder nicht gehören.
    Was anderes habe ich nicht geschrieben.
    Der Finderlohn ist ein anderes Thema, doch auch wenn dieser nicht ausbezahlt wird, berechtigt dies nicht dazu, das Fundstück zu behalten.

  • homoerektus

    Die Fundstücke sind immer dort gefunden worden wo der Wachtler das angegeben hat??

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