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Ein auratischer Mensch

Der Gründer und Leiter des Meraner Theaters in der Altstadt Rudi Ladurner ist tot. Mit ihm verliert Südtirol einen Pionier und einen leidenschaftlichen Kämpfer für das Theater. Ein Nachruf.

von Heinrich Schwazer

Der Gründer und Leiter des Meraner Theaters in der Altstadt Rudi Ladurner ist am vergangenen Mittwoch im Alter von 68 Jahren im Krankenhaus Bozen einem Krebsleiden erlegen.

In einer Mittelung schreiben die Mitarbeiter des Theaters: „Wir nehmen Abschied von einem unerbittlichen Vorkämpfer, einem solidarischen Mitstreiter, einem herzensverbundenen Freund. Sein Leben war unermüdliches Schaffen im Zeichen der Kunst und Kultur dieser Stadt. Ohne ihn wären wir um viele Wunder, Träume und Schätze ärmer!“

Sein Tod kommt tragisch früh, viel zu früh. Die Südtiroler Theaterwelt trauert um eine große Künstlerpersönlichkeit, einen Motivator, einen Entdecker, einen Ermöglicher, einen konfliktstarken Themensetzer, einen, der im Dienste des Theaters stets sein Äußerstes gab. Zuletzt wirkte er verletzlich, fragil, knochig und dünn, doch in Erinnerung bleiben wird er allen als der Rudi, der im Theater in der Altstadt, häufig in roten Hosenträgern, hinter der Theaterkasse stand und jedem einzelnen Besucher die Theaterkarte in die Hand drückte. Für jeden, der die Stiege zum Altstadttheater hinunterging, war das ein lieb gewonnenes Ritual. Wenn er einem gute Unterhaltung wünschte, wusste man, dieser Mann kann nicht anders, als Theater und Theatermachen bis zur Selbstaufgabe zu lieben. Das Publikum dankte es ihm mit dem größten Kompliment, dass man einem Theaterdirektor machen kann: „Gehen wir zum Rudi“ hieß es in Meran statt „Gehen wir ins Theater“. Das Tida wurde mit seiner Person gleichgestellt, wozu auch die berühmten Thunfischtramezzini nach der Premiere gehörten.

In seinem Theater war er alles in Personalunion: Künstlerischer Leiter, Geschäftsführer, Regisseur und Hausmeister. „Wenn einer nicht selbst eine Glühbirne austauschen kann, hat er als Intendant nichts verloren“ lautete einer seiner ehernen Grundsätze.

Sein Leben war eine einzige Liebeserklärung an das Theater. 1951 in Tscherms geboren, studierte er Theaterwissenschaft in Wien, von 1981 bis 1986 war er Regieassistent am Wiener Burgtheater. Die Schauspieleranekdoten, die er von der Kantine der Burg zu erzählen wusste, waren nicht immer jugendfrei, aber zum Brüllen komisch. Nach seiner Zeit an der Burg arbeitete er als freier Regisseur in Wien, Klagenfurt, Salzburg und Bern.

1990 gründete er mit Franco Marini vom Theater in der Klemme und Herbert Kaserer vom „ZeitTheater“ das Theater in der Altstadt und von der ersten Stunde an dessen künstlerischer Leiter. Von Beginn an war ihm wichtig, dass das Theater einen fixen Ort hat, damit die Besucher sich damit identifizieren können. Wechselnde Spielorte in Mehrzweckhallen, in denen vom Jägerball bis zur Schützenversammlung alles Platz finden muss, kamen für ihn nicht in Frage. Er wollte ein selbstverwaltetes Theater, was für die Kulturpolitik, die einer Professionalisierung des Theaters überaus misstrauisch gegenüberstand, schwierig zu schlucken war. Für den Traum vom selbstverwalteten Theater überredete er Politiker, ließ nie locker, und seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Wenn Argumente auf taube Ohren stießen, dann waren da noch sein Charme und seine Selbstironie.

Als Regisseur war ihm alles vertraut: Krieg und Frieden, Liebe und Tod, das Lachen und das Weinen, doch Pathetik lag ihm fern. Lachen war für ihn politisch, eine Komödie konnte für ihn mehr Aufbegehren enthalten als ein Politstück. Um das Theater zu füllen, setzte er auch sehr leichten Komödienstoff auf das Programm.

Zahllos sind die Schauspieler, die bei ihm begonnen haben und durch seine Schule gegangen sind. Das gleiche gilt für die Regisseure. Er gab ihnen die Freiheit, sich selbst und alles auszuprobieren, was das Theater zu bieten hat.

Auch für mich war er ein Ermöglicher. Als ich das Buch über den Frauenmörder Zingerle verfasste, machte er mir spontan den Vorschlag, den Stoff auf die Bühne zu bringen.  Ich hatte das Glück, ihm als Theatermenschen und Mensch nahe sein zu dürfen, und ich werde diese Nähe stets weiter spüren!

In seiner legendären „Brixner Rede“ vom 27. August 1969 keilte N. C. Kaser: „Südtirol wird eine Literatur haben, wie gut, daß es niemand weiß. Amen.“ Mit Rudi Ladurner hat es auch eine Theaterwelt bekommen.

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