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„Die Unsicherheit ist groß“

Luca Verdi

Ist 5G gut oder schlecht? Diese Frage wurde auch im Gemeinderat von Bruneck kontrovers diskutiert. Luca Verdi, Direktor im Labor für Luftanalysen und Strahlenschutz, über die nächste Generation der Mobilfunktechnologie und die Ängste, die damit einhergehen. 

TAGESZEITUNG Online: Herr Verdi, können Sie sich erklären, warum in den Südtiroler Gemeinden derzeit so heftig über die neue Mobilfunktechnologie 5G diskutiert wird?

Luca Verdi: Die Gemeinde Bruneck zum Beispiel hat bei mir angefragt, ob ich zum Thema im Gemeinderat sprechen kann. Grundsätzlich ist zu sagen, dass es zu 5G sehr unterschiedliche Meinungen gibt. Ich kann eigentlich nur hinzufügen, dass dies der nächste Schritt in der Geschichte der Mobilfunktechnologie ist. Nicht mehr und nicht weniger. 

Wie meinen Sie das?

Vor 20, 25 Jahren hat alles mit 2G begonnen. Das war damals mit einer echten Revolution verbunden, schließlich gab es vorher keine Handys, rasend schnell aber hatte plötzlich so ziemlich jeder ein Handy. Heute sprechen wir von 5G, das ist die kontinuierliche Weiterentwicklung dieser Technologie, die wir ständig bei uns tragen. Ich möchte, dass die Leute sich dessen stärker bewusst sind.

Was ist 5G – Kann man das genauer erklären?

Mit 2G hatten wir die ersten Handys, damals noch mit Tastatur. Um 2006 gab es den zweiten großen Entwicklungsschritt, als viele Menschen auf Smartphones umgesattelt sind. Vor fünf, sechs Jahren schließlich wurde auf den Standard der vierten Generation gewechselt, schließlich sollte alles schneller gehen. Mit 5G werden noch größere Mengen an Daten in noch größerer Geschwindigkeit übertragen. 5G kann auch noch anderes, etwa über das Internet der Dinge (IoT) Gegenstände miteinander kommunizieren zu lassen. Dabei geht es nicht mehr ausschließlich um die Mobilfunktechnologie. 

Können Sie nachvollziehen, dass viele Menschen mittlerweile besorgt sind, sobald von 5G die Rede ist?

Die Fragen zur Mobilfunktechnologie sind sicherlich berechtigt, schließlich geht es dabei um Strahlung, der wir immer und überall ausgesetzt sind. Ich würde diese Diskussion allerdings nicht allein auf 5G beschränken, schließlich ist dies nur ein weiterer Schritt in dieser Entwicklung. 

Aber mit 5G braucht man mehr Umsetzer, das könnte doch auch mehr Strahlung bedeuten…

Gesetzlich fällt 5G in eine Thematik, die gesetzlich streng geregelt ist, dabei sind die Grenzwerte bei 3G oder bei 5G immer dieselben geblieben. 

Warum macht 5G den Menschen offensichtlich Angst?

Die Meinungen über 5G gehen sicher auseinander. Es gibt vielerorts heftige Debatten. Im Parlament etwa hat es vor rund zwei Monaten eine interessante Diskussion gegeben: Damals wurde praktisch gleichzeitig über eine Blockade von 5G und über eine bessere Vernetzung diskutiert. Alle Anträge wurden abgelehnt, aber daran zeigt sich, dass die jeweiligen Lobbys ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Das Thema ist kompliziert.

Wie bewerten Sie die Diskussionen rund um 5G?

Es ist klar, dass diese Geräte unser Leben beschleunigen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob wir diese Entwicklung auch wirklich gewollt haben und ob wir es schaffen, bewusst damit umzugehen. Zu 5G gibt es sehr viele Studien, die sich teilweise widersprechen und damit Platz für Interpretationen schaffen. Das sorgt natürlich für große Unsicherheit. Die Wissenschaft hat bisher keine klaren Aussagen zur Strahlenbelastung machen können. Und das ist auch das einzige, was man mit Sicherheit behaupten kann. 

Was kann eine Gemeinde in Bezug auf Strahlung oder Grenzwerte überhaupt ausrichten?

Dazu gibt es wieder unterschiedliche Auffassungen. Grundsätzlich geht es bei Grenzwerten um staatliche Regelungen, die zum Schutz der Bevölkerung überall einzuhalten sind. Genauer gesagt: Dieses Gesetz zum Gesundheitsschutz gilt seit 2001 überall in Italien. Jede Initiative, die eine andere Anwendung dieser Grenzwerte vorsieht, ist nicht umsetzbar. 

Interview: Silke Hinterwaldner 

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