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Airbnb & Kurtaxe

Laut der jüngsten Tourismusstudie stellt die Vermietung von Wohnungen in Bozen über Portale wie Airbnb ein großes Problem dar. Die Stadtverwaltung will Airbnb nun zur Einhebung der Kurtaxe verpflichten.

Von Thomas Vikoler

Ein Blick auf die Website Airdna bzw. dem Vermittlungsportal Airbnb genügt: In der Landeshauptstadt wurden zuletzt 214 Wohnungen und Appartements angeboten, die offensichtlich nicht-gewerbliche Betten anbieten. Dazu kommen weitere Anzeigen auf Buchungsportalen wie Booking.com oder Bookingbolzano.com.

„Aus den Daten der Website Airdna kann man schließen, dass über Airbnb ca. 830 Betten in Bozen angeboten werden“, schreiben Alois Kronblicher und Linda Osti in einer von der Stadtverwaltung in Auftrag gegeben Studie über den Tourismus in der Landeshauptstadt.

Der „exponentielle Wachstum“ der nicht-gewerblichen Betten ist offensichtlich: Gab es in Bozen im Jahre 1991 genau 525 Betten dieses Typs, waren es im Jahre 2018 1.222. Die Zahl der nicht-gewerblichen Betriebe ist von 40 auf 124 angestiegen, während jene der gewerblichen (Hotels, Pensionen) von 72 auf 40 gesunken ist.

Laut Studie werden 80 Prozent der Betten in nicht-gewerblichen Betrieben über Airbnbvermarktet. Wie hoch die Dunkelziffer jener Appartements bzw. Betten ist, die vorbei an jeglicher Versteuerung vermietet werden, können die Autoren der Studie freilich nicht sagen.

Pro Einheit (Wohnung) gehen Kronbichler und Osti jedenfalls von jährlichen Einnahmen von 20.000 Euro (monatlich zwischen 1.600 und 1.700 Euro) aus. Unter der Prämisse, dass die durchschnittliche Jahresauslastung der über Airbnb vermieteten Betriebe bei 120 bis 180 Tagen liegt.

Diese Zahlen deuten die drastischen Auswirkungen das Phänomen für Bozen hat. Die Autoren der Studie sprechen von einem „starken Druck auf die Verfügbarkeit von Mietwohnungen“: „Der Mangel an freien Wohnungen und die hohen Mietkosten sind auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, darunter auf Airbnb“.

Auch eingesessene Hotels klagen darüber, dass ihre Stammgäste inzwischen auf die Anmietung einer Wohnung für wenige Tage umgestiegen sind. Airbnb steht also auch in Konkurrenz zu gewerblichen Betrieben, die von einem unlauteren Wettbewerb sprechen.

„Das Phänomen stellt auch für uns ein ernsthaftes Problem dar“, sagt Paolo Pavan, Präsident des Bozner Verkehrsamtes. Zuallererst weil die nicht-gewerblichen Betrieb die für die Vermietung vorgesehene Kurtaxe  nicht entrichten. Für die Gemeinde bzw. das Verkehrsamt existieren zahlreiche Wohnungsvermieter nicht. Ob für das Steueramt (seit einigen Jahren gilt ein 20-Prozent-Steuer), ist eine andere Frage.

Der neue Wirtschafts- und Tourismusstadtrat Stephan Konder will nun in Sachen Airbnb aktiv werden. Sein Vorgänger Christoph Baur war von den Hoteliers kritisiert worden, nichts gegen das Schwarz-Vermieten zu unternehmen. Konder möchte – etwa nach dem Vorbild von Rimini – das Vermittlungsportal Airbnb dazu verpflichten, als Steuersubstitut aufzutreten. Wie in anderen Städten soll das 2008 im Silicon Valley gegründete Unternehmen verpflichtet werden, die Kurtaxe für die nicht-gewerblichen Betriebe in Bozen einzuheben. Ein möglicherweise wirksames Mittel gegen Schwarz-Vermieten.

„Dafür müsste aber das betreffende Landesgesetz abgeändert werden“, sagt Konder, „es wäre gut, wenn das möglichst bald geschehen würde“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (10)

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  • andreas

    Die Kurtaxe ist wohl das kleinste Problem.
    Wohl eher, dass die Wohnungen dem Mietmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen und dementsprechend die Mieten steigen und dass Steuern hinterzogen werden.
    3 Leute, welche die Belegungen online kontrollieren, würden reichen, um den Markt auszutrocknen, ist aber nicht gewollt, warum auch immer.

    Ich werde wohl nie verstehen, warum wir so blöd sind, uns scheinbar „innovative Geschäftsmodelle“ aus den USA aufdrücken zu lassen.
    Großkonzerne wie Ebay oder Amazon nutzen Steuerschlupflöcher, andere wie UBER oder Airbnb unterwandern unsere sinnvollen Systeme und haben als Geschäftsmodell Schwarzarbeit und wir lassen sie teilweise gewähren.

    Die Interessenkonflikte der 27/28 Staaten scheinen die EU handlungsunfähig gemacht zu haben und dann sind wir noch so dämlich eine von der Leyen und nicht die Vestanger als Präsidentin einzusetzen.

  • kira2000

    Bravo Andreas! Ich bin zwar nicht immer Ihrer Meinung, aber heute schon – guter Kommentar!

  • meinemeinung

    @Andreas – du gehörst wahrscheinlich nicht zu den Nutznießern , sonst würdest du es verstehen .
    Merke: Geld regiert die Welt, war so ,ist so und wird immer so sein
    zb. Italien mit ihrem Steuersystem bis 60.000 Euro ,was da wohl daneben geht,.. schweigen von allen Seiten …..

    • ganzwasneues

      „Italien mit ihrem Steuersystem bis 60.000 Euro ,was da wohl daneben geht,.. schweigen von allen Seiten …..“

      ???

    • andreas

      @meinemeinung
      Ich halte Steuerhinterziehung in Italien eigentlich für Selbstverteidigung, ändert aber nichts daran, dass manches falsch läuft, in Italien und auch in der EU.
      Ich wäre für Abschaffung des Bargeldes, damit jede Bewegung nachvollziehbar wird und ein großer Teil der Hinterziehung wegfällt.

      Es ist nun mal Hobby in Italien, genau so wie Versicherungsbetrug.
      Beides bekannt und wenigstens Steuerhinterziehung bis zu einem gewissen Maß geduldet.

  • @alice.it

    Gebt den „Airbnb-Vermietern“ die Steuervorteile und die Zuschüsse des Landes gleich jenen der Urlaub auf dem Bauernhof-Betreiber, dann melden die sich bestimmt freiwillig um auch am großen Kuchen mit zu naschen.

  • holzmichl

    Werde nun meine Luxuswohnung ( 80m) an Airbnb vermieten, Vielleicht finde ich eine Mietwohnung in der selbern Grösse ( auch kleiner ist ok) für 700 Euro monatlich, so werde ich in Zukunft auch zu den reichen Südtiroler zählen. ?????? Airbnb zahlt mir 20.000 die Jahresmiete kostet mich 8400 Euro, soviel Geld hatte ich noch niemals in meiner Tasche.

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