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„Eine Revolution“

Foto: 123RF.com

Jeder zehnte Südtiroler leidet an einer Birkenpollenallergie. Wie Äpfel diese Krankheit heilen können – und welche Äpfel am wirksamsten sind.

von Eva Maria Gapp

Tränende Augen, triefende Nase, Kopfschmerzen: Bir- kenpollenallergiker kennen diese alljährlichen Beschwerden, die sehr belastend sein können. Je- der zehnte Südtiroler leidet daran – und es werden immer mehr. Doch nun können diese Allergiker aufat- men: „Wir können nun sagen, dass mit dem Genuss frischer Äpfel eine Birkenpollenallergie therapiert werden kann und in weiterer Folge wahrscheinlich sogar geheilt. Und dies ohne auf synthetische Präparate oder langwierige Behandlungen angewiesen zu sein“, sagt Klaus Eisendle, Primar der Lehrabteilung Dermatologie, Venereologie und Allergologie in Bozen sichtlich erfreut.

Er spricht sogar von einer Revolution: „Man kann hier schon von ei- ner Revolution sprechen, wenn man mit Nahrung Krankheiten heilen kann. Der Apfel wird somit zum „Medikament“, das verträglicher als die herkömmliche Therapie und in jedem Supermarkt rezeptfrei erhältlich ist. Das ist einzigartig“, sagt er. Zumal die Birkenpollenallergie derzeit oft nur durch den Einsatz von Spritzen und Tabletten therapiert werden kann. „Das ist aber sehr unangenehm, kostspielig und nicht natürlich“, betont Eisendle.

Die letzten zwei Jahre intensiver Forschungsarbeit hätten sich also ausgezahlt: „Heute können wir sagen, dass wir mit unserer Studie das Leben von Birkenpollenallergikern deutlich verbessern können“, betont Eisendle. Zumal sie mit ihrer neuen Studie nicht nur belegen können, dass Äpfel gegen eine Birkenpollenallergie hilft: „Wir wissen jetzt auch, welche Menge an Äpfeln gegessen werden muss und welche Sorten sich am besten eignen, um die Birkenpollenallergie zu bekämpfen“, fügt er hinzu.

Das Projekt „Apple Care“ ist somit abgeschlossen. Eisendle geht auf die wichtigsten Ergebnisse ein: „Wenn ein Birkenpollenallergiker pro Tag mindes
tens einen halben Apfel
isst, und das für mindes
tens acht Monate, dann
 werden die typischen Beschwerden, nämlich tränende, geschwollene Au-gen, Niesreiz und Fließschnupfen, deutlich gelindert. Wer dann in weiterer Folge jahrelang einen ganzen Apfel pro Tag isst, wird wahrscheinlich nach drei Jahren gar nicht mehr auf Birkenpollen allergisch reagieren“, sagt Eisendle. Das habe die Studie, bei der 16 Probanden abgeschlossen haben, ergeben.

Für die Studie durften sie jeden Tag, für einen Zeitraum von mindestens acht Monaten einen Apfel essen. „ Am Anfang nur ein Stück eines niederallergenen Apfels, weil es auch im Mund brennt, und mit der Zeit dann immer mehr. Bis sie dann am Ende einen ganzen hochallergenen Apfel essen konnten“, erzählt er. Dabei haben sie auch he- rausfinden können, welche Äpfel sich für Pollenallergiker gut zur Therapie eignen: „ Am geeignetsten zum Therapiebeginn für Pollenallergiker sind allergenarme Äpfel, darunter fallen die ersten Wochen rotfleischige Apfelsorten, wie Red Love oder auch die Sorte Santana“, sagt Eisendle.

Es sei aber auch möglich mit einer kleineren Menge geschälten mittelallergenen Sorte wie Tiroler Spitzlederer, Kanada Renette, Golster, Pink Lady, Topaz, Bonita oder Modi zu starten. „Auch alte Apfelsorten, sowie Äpfel, die frisch geerntet sind, sind für Birkenpollenallergiker zum Starten besser geeignet, als jene, die schon lange gelagert sind“, sagt er. Jede Woche wird die Dosis verdoppelt, bis ein ganzer ungeschälter Apfel vertragen wird, dann wird auf ein kleineres geschältes Stück höherallergenen Apfel umgestiegen, und wieder gesteigert bis ein halber oder ganzer Apfel vertragen wird.

Zugleich konnten die Forscher auch feststellen, dass nicht nur die Beschwerden der Birkenpollenallergie gelindert werden, sondern auch die Beschwerden, die durch den Genuss eines Apfels auftreten: „Die Probanden konnten nach den acht Monaten fast alle beschwerdefrei einen hochallergenen Apfel essen. Das wäre davor nicht möglich gewesen“, sagt Eisendle.
 Das liegt daran, dass über 80 Prozent aller Birkenpollenallergiker auch gegen Äpfel allergisch reagie ren. Sie spüren beim Verzehren eines Apfels häufig ein Brennen im Mund. „Das kommt daher, dass sich das Hauptallergen der Birkenpollen und das Protein des Apfels äußerst ähnlich sind. Hat der Körper eines Allergikers also bereits Antikörper gegen die Eiweißstoffe der Birkenpollen gebildet, reagiert er auch allergisch auf die Eiweiße im Apfel. Treffen die Eiweiße auf die Abwehrzellen, schütten diese unter anderem Histamin aus – und die sorgen für die quälenden Körperreaktionen“, erklärt er. Genau diese strukturelle Ähnlichkeit zwischen dem Birkenpollen- protein und dem Eiweiß im Apfel machten sich die Forscher zunutze. Zugleich konnten sie im Rahmen dieser Studie diesen Umstand auch „erstmals eindeutig“ belegen: „Wir wussten aus eigenen Erfahrungen, dass es für Birkenpollenallergiker unangenehm ist, in einen Apfel zu beißen. Nun haben wir aber den medizinischen Beweis“, sagt der Primar.

Ein weiterer skurriler Nebeneffekt der Studie war, so Eisendle, dass drei Probandinnen im Rahmen der Studie schwanger wurden: „Drei Probandinnen sind in der Tat während unserer Studie schwanger geworden. Zwei wollten schon jahrelang ein Kind bekommen, konnten es aber nicht. Nachdem sie aber über ein paar Monate täglich einen Apfel gegessen haben, wurden sie schwanger. Ein glücklicher Zufall oder waren es doch die Äpfel?“, fragt Eisendle abschließend.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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