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„Selbstbestimmung bleibt Ziel“

Am Sonntag wurde in St. Pauls traditionsgemäß der verstorbenen und lebenden Tiroler Freiheitskämpfer der 1950er und 1960er Jahre gedacht.

An die 2.000 Marketenderinnen, Schützen und Tiroler Landsleute waren der gemeinsamen Einladung des Südtiroler Heimatbundes und des Südtiroler Schützenbundes gefolgt. Die Teilnehmer drückten bei dieser Gedenkfeier ihren Respekt, ihre Achtung und ihren Dank an jene Männer und Frauen aus, die für die Freiheit der Heimat einen Teil ihres Lebens opferten.

Die Gedenkansprache hielt Schütze Meinrad Berger aus Andrian, der selbst in den 60er Jahren Flugzettel verteilte, bei denen er auf die menschenrechtswidrige Behandlung der Inhaftierten hinwies. Dafür wurde er zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt. Meinrad Berger war einer der jüngsten politischen Häftlinge Südtirols.

Die Feier begann mit der Meldung der angetretenen Formationen und der anschließenden Frontabschreitung durch den Bürgermeister von Eppan, Wilfried Trettl, den Landeskommandanten des Südtiroler Schützenbundes, Mjr. Jürgen Wirth Anderlan, den Obmann des Südtiroler Heimatbundes, Roland Lang und den Gedenkredner Meinrad Berger. Die Bürgerkapelle St. Michael begleitete anschließend die Marketenderinnen und Schützen durch die Gassen von St. Pauls zum Kirchgang in die Pfarrkirche. Dort zelebrierte Pater Reinald Romaner mit Konzelebrant Pater Christoph Waldner OT die Heilige Messe.

Nach dem Kirchgang marschierten die Teilnehmer zum Friedhof, wo Roland Lang die Anwesenden begrüßte. Anschließend ergriff Gedenkredner Meinrad Berger das Wort. „Ohne die Taten des BAS hätte es keine Neunzehner-Kommission gegeben. Das konnte man erst kürzlich wieder in einem ORF-Bericht aus dem Munde von Silvius Magnago hören.“, betonte Meinrad Berger und weiter: „das entbindet uns aber nicht der Verpflichtung, die großen Gefahren einer zunehmenden politischen Gleichgültigkeit gegenüber den Machenschaften italienischer Kreise und einer moralischen Verfettung wahrzunehmen.“. Berger rief die Südtiroler-Politik dazu auf, aus der Lethargie, aus der Unbeweglichkeit heraus zu kommen, in der sie steckt, und beendete die Gedenkrede mit: „Wer sich im Irrglauben aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!“.

Als kleines Zeichen des Dankes an die im Exil lebenden Freiheitskämpfer, wurden die Freiheitskämpfer Sepp Forer und Siegfried Steger zur Gedenkfeier zugeschaltet. Sie überbrachten ihre Grußworte an die über 2.000 Teilnehmer im Paulsner Friedhof.

Im Anschluss der Gedenkrede spielte die Bürgerkapelle St. Michael das Lied vom „Guten Kameraden“ und am ehemaligen Grab von Sepp Kerschbaumer (heute liegt Sepp Kerschbaumer in seiner Heimatgemeinde Frangart begraben) wurden Kränze niedergelegt. Mit eingebunden wurden dabei auch die Mitstreiter Sepp Kerschbaumers: Franz Höfler, Anton Gostner, Luis Amplatz, Jörg Klotz, Kurt Welser und all jene Kameraden, die eine Strecke des Weges mit ihnen gegangen sind. Die Ehrensalve feuerte die Schützenkompanie Sepp Kerschbaumer Eppan ab. Abgeschlossen wurde die sehr würdige Gedenkfeier mit der Tiroler Landeshymne und der österreichischen Bundeshymne.

„Vor zwei Wochen hat man auf Schloss Tirol die Autonomie gefeiert. Wir erinnern heute und hier an all jene Frauen und Männer, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass wir überhaupt diese Autonomie haben. Diese Autonomie die zurzeit in der Intensivstation im Bozner Krankenhaus im Wachkoma liegt. Diese Autonomie, die immer nur als Übergangslösung gedacht war. Das Ziel war, ist und bleibt die Selbstbestimmung!“, mahnte Landeskommandant Mjr. Wirth Anderlan in seinen abschließenden Dankesworten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (9)

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  • tiroler

    Wir Tiroler sind stolz auf die Schützen!

    • erich

      Stolz können wir erst sein wenn die Schützen einmal das Hirn einschalten und die Geschichte lesen lernen. Bis heute waren sie von der Kirche gesteuerte Handlanger. Bestes Beispiel Andreas Hofer, das war der dunkelste Zeitabschnitt der Innsbrucker Geschichte.

  • mannik

    Die Grundsatzfrage ist: Gibt es die Autonomie dank oder trotz der Sprengstoffattentate? Hier sollten die Kommentatoren, die offensichtlich von sich behaupten die Obermacker in Geschichte zu sein, mal ansetzen.

    • yannis

      …dank der Sprengstoffattentate !
      weil das Südtirolproblem sich international seitens Italiens nicht mehr unter dem Teppich halten ließ.

      • mannik

        Totaler Quatsch. Ist Ihnen Viktoria Stadlmayer ein Begriff? Sie spricht von der Feuernacht als „Sieg Italiens“, eine „verheerende Angelegenheit für uns“, eine „Niederlage“.
        Rudolf Steininger, Ordinarius für Zeitgeschichte an der Uni Innsbruck kommt nach Sichtung einer imposanten Flut von Dokumenten zum Schluss, dass durch die Sprengung der Strommasten das Ziel der Selbstbestimmung, das eigentliche Ziel der Aktivisten, das sollte schon klar sein, verfehlt worden sei. Sogar der Aktivist Siegfried Carli meinte später: „Wir haben es verhackt.“
        Die 19-er Kommission, die im Artikel zitiert wurde, hat nach den Anschlägen Südtirols Anliegen auf Eis gelegt. Erst die linke Regierung, die 63 an die Macht kam, hat dann ein anderes Verständnis für die Minderheit bewiesen. Die bösen Linken aber auch gell Yannis?

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