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Lange Wartezeiten

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Die Vormerkzeiten für fachärztliche Visiten sind in vielen Bereichen nach wie vor eklatant und haben sich eher verschlechtert als verbessert.

von Heinrich Schwarz

Martha Stocker ist es als Sanitätslandesrätin nicht gelungen, die ausgeuferten Vormerkzeiten für fachärztliche Visiten in den Krankenhäusern wieder zu verringern. Ihrem Nachfolger Thomas Widmann – zusammen mit dem neuen Sanitäts-Generaldirektor Florian Zerzer – bislang ebenfalls nicht.

Im Gegenteil: Die Situation hat sich in vielen Fachbereichen, in denen es ohnehin schon Wartezeiten von 150 Tagen bis zu einem ganzen Jahr gab, sogar verschlimmert. In immer mehr Fällen betragen die Vormerkzeiten mehr als 300 Tage. In einem Fall sind es sogar über 450 Tage.

Das Maximum sollten – bis auf wenige Ausnahmen – 60 Tage sein.

Für welche aufschiebbaren, also nicht-dringenden Leistungen sind die Vormerkzeiten derzeit am längsten?

Sage und schreibe 457 Tage (Stichtag der letzten Vormerkzeiten-Erhebung des Sanitätsbetriebes war der 30. Oktober 2019) muss man auf eine Brust-Echographie in der Radiologie-Abteilung des Krankenhauses von Schlanders warten.

Dahinter folgt eine venöse gefäßchirurgische Visite – ebenfalls in Schlanders – mit 387 Tagen. Rund ein Jahr muss man für bestimmte Leistungen auch in Brixen warten: 356 Tage für eine endokrinologische Visite und 338 Tage für eine physiatrische Visite.

Die Physiatrie ist ein wahres Sorgenkind. Das Krankenhaus Brixen ist kein Einzelfall. Auch in Bruneck, Innichen und Sterzing beträgt die Vormerkzeit mehr als 300 Tage. Für das Krankenhaus Meran, wo es im Sommer noch 364 Tage für eine physiatrische Visite waren, liegen derzeit keine Daten vor.

Auch bei den Augenvisiten und Koloskopie gibt es landesweit große Probleme (siehe auch Grafik mit den 30 längsten Vormerkzeiten).

Der Hauptgrund für die langen Wartezeiten für fachärztliche Leistungen, die teilweise noch länger geworden sind, ist schnell gefunden: In sehr vielen Bereichen fehlen Ärzte und Krankenpfleger. Die massiven Personalanwerbungskampagnen in den letzten Jahren haben also nicht den gewünschten Erfolg gebracht.

Aber auch andere Maßnahmen zeigten keine ausreichende Wirkung. So etwa die wieder mögliche Facharztausbildung nach österreichischem Modell, der verstärkte Zukauf von Leistungen privater Strukturen, die Strafen für unentschuldigtes Fernbleiben von Facharztvisiten und der Ausbau der einheitlichen Landesvormerkstelle.

Erst Anfang November genehmigte die Landesregierung auf Vorschlag von Landesrat Thomas Widmann einen Landesplan zum Abbau der Wartezeiten. Es ist eine Erweiterung der bisherigen Maßnahmen.

Wartezeiten von weniger als 60 Tagen können derzeit übrigens nur in folgenden Bereichen garantiert werden: etwa bei chirurgischen Visiten, Gastroskopie, Schwangerschaftsvisiten, hämatologischen Visiten, Infektionskrankheiten-Visiten, internistischen Visiten, onkologischen Visiten und Computertomographie.

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