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Besondere Wünsche

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Wie sieben Südtiroler Mütter zu Weihnachten Menschen in Not helfen. Und: welche berührenden Momente sie jedes Jahr erleben.

Tageszeitung: Frau Goller, was steckt hinter der Aktion „Ein Karton voller Freude“?

Petra Spitaler Goller: Wir Mamis haben diese Aktion ins Leben gerufen, um Familien, aber auch Einzelpersonen in Südtirol, denen es nicht so gut geht, zu helfen. Leider ist Armut auch in Südtirol ein Thema. Und wir wollen diesen Menschen zu Weihnachten einfach eine Freude machen. Dabei geht es wirklich um Sachspenden, wie etwa Kleidung, Schuhe, Essensgutscheine. Dinge, welche diese Menschen am Nötigsten brauchen, aber auch Wünsche.

Was sind das für Menschen?

Das sind Menschen, die es nicht schaffen ans Monatsende zu kommen, die jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Oder die auch mit schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen haben. Damit meine ich zum Beispiel: Die Ehefrau stirbt und der Mann steht von einem Tag auf den anderen mit den Kindern alleine da, oder eine Frau ist auf einmal alleinerziehend, weil sie sich vom Mann trennt und dadurch vor finanziellen Problemen steht. Aber auch schwere Erkrankungen, wie etwa Krebs oder eine unerwartete Kündigung sind oft die Ursache. All das hatten wir bereits.

Wie nehmt ihr dann Kontakt mit diesen Menschen auf?

Wir haben keinen Kontakt zu den Familien, weil eben Armut mit sehr viel Scham behaftet ist und nach wie vor ein Tabuthema darstellt. Das machen Organisationen für uns, mit denen wir zusammenarbeiten. Das heißt, wir bekommen innerhalb Oktober die Wunschlisten von den Organisationen. Dieses Jahr sind das die Plattform für Alleinerziehende, das Haus Margaret für obdachlose Frauen, die Bergbauernhilfe, das Haus der geschützten Wohnungen und der VinziMarkt. Dann wird in unserer Facebook-Gruppe, die mittlerweile rund 3.000 Mitglieder zählt, ein Aufruf gestartet. Wer möchte dieses oder jenes Paket übernehmen? Dabei sind das alles ganz normale Leute von nebenan, die aber etwas Gutes tun wollen. Innerhalb November bringt diese Person dann das Paket als Geschenk verpackt zur Annahmestelle.

Was steht dann jedes Jahr auf diesen Wunschlisten? Gibt es auch ganz besondere Wünsche?

Jedes Mal wenn ich die Listen durchschaue, bekomme ich Gänsehaut. Weil einfach Sachen dabei sind, wie etwa Waschpulver oder Socken, bei denen man wirklich sieht, dass es diesen Familien nicht gut geht. Das sind Dinge, die ich eigentlich ohne groß zu überlegen einkaufe, weil man sie einfach braucht. Da muss man dann schon erstmal schlucken. Man rechnet nicht damit, dass es Familien hierzulande so geht. Ganz besonders war auch der Wunsch eines Geschwisterpärchens. Auf ihrem Zettel stand geschrieben: Eine Einladung in eine ganz normale Familie. Und ein anderes Mal haben wir einem Ehepaar, dessen Ehering gerade vor der Pfändung stand, helfen können. Wir haben den Ring ausgelöst. Das alles sind dann schon sehr berührende Momente. Ansonsten stehen auf den Listen jedes Jahr vor allem Winterkleidung, Schuhe, Hygieneartikel und Spielsachen. Auffallend ist auch, dass viele Eltern sich etwas für die Kinder wünschen, selbst aber auf ein Paket verzichten würden.

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Wann werden die Pakete dann verteilt?

Das ist unterschiedlich. Am 7. Dezember werden die Pakete nach Bozen gebracht, kontrolliert und dann von den Verantwortlichen der Organisationen abgeholt. Um die 200 Kartone sind es dieses Jahr. Die Pakete werden dann entweder persönlich zu Weihnachten übergeben, oder im Rahmen einer Weihnachtsfeier verteilt. Bekommt ihr dann auch eine Rückmeldung von den Beschenkten? Nicht direkt, sondern über die Organisationen. Wir bekommen dann oft zu hören, dass die Menschen anfangen zu weinen, wenn sie das Paket öffnen, weil sie es nicht glauben können. Andere sind ganz sprachlos. Einige nehmen auch Kontakt zu den Spendern auf.

In Südtirol leben rund 3.000 Familien in Armut. Was kann man dagegen tun? Was kann jeder Einzelne tun?

Ich glaube am meisten ist diesen Menschen geholfen, wenn die Gesellschaft nicht mit dem Finger auf sie zeigt und nicht unter vorgehaltener Hand getuschelt wird, oder gesagt wird, selber schuld. Denn ich denke, dass jeder in eine solche Situation geraten kann, wo es einem einfach finanziell nicht gut geht. Das geht oft schneller, als man denkt. Deshalb wäre es wichtig, dass man zusammenhält und sich gegenseitig unterstützt. Das muss ja nicht mit Geld verbunden sein. Wenn man einem das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein, dann kann das dem Menschen schon sehr viel Kraft geben, aus der Situation herauszukommen.

Interview: Eva Maria Gapp

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