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Die Stubengespräche

Die Stiftung Landschaft Südtirol organisierte die Stubengespräche 2019 auf ihremdenkmalgeschützten Crozzol– Hof in Buchholz bei Salurn.

Diese Gesprächsrunde, die jedes Jahr zu Martini stattfindet, soll Menschen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen Südtirols für einen Abend zusammenbringen.

Ziel dieser Zusammenkunft in der historischen Stube von Crozzol ist es, sich zum Thema Landschaft Gedanken zu machen, zu diskutieren und sich auszutauschen.

Diesjähriger Gastredner war der aus dem Vinschgau stammende und in Berlin lebende freischaffende Künstler Erich Kofler Fuchsberg.

In seinem Impulsreferat zum Thema „Kunst und Landschaft“ legte Fuchsberg dar, dass sich in unserer Wahrnehmung von Landschaft ein fundamentaler Wandel, eine Werteverschiebung vollzogen hat. Empfanden die Menschen einst die Tallagen als „liebliche“, vertraute Kulturlandschaften und diehergelegenen Gebirgsregionen als abweisend, unwirtlich und bedrohlich, so hat hier im Laufe von wenigen Generationen eine Werteverschiebung stattgefunden.

Die von den Gewerbegebieten und der intensiven Landwirtschaft besetzten Talböden sind mittlerweile zum Locus horribilis, die Berge zum Sehnsuchtsort, zur neuen Spielwiese, eben zum Locus amoenus geworden.

Vielfalt versus Einfalt

Im Landschaftsbild spiegelt sich auch das Bild der Gesellschaft wider. Formen und Muster die eine Kulturlandschaft aufweist, finden sich auch in der entsprechenden Gesellschaft,und umgekehrt. Die vom Menschen gestaltete Kulturlandschaft ist heute übersichtlich,strukturiert und gradlinig, maschinell form- und bearbeitbar, folglich monoton. So bleibt diese ohne Spielraum für abwechslungsreiche Unregelmäßigkeiten, es herrscht Einfalt. Im Gegensatz dazu steht die Vielfalt in der nicht vom Menschen überformten naturnahen Landschaft. Dort herrscht Vielfalt in den Lebensräumen, den Pflanzen und Tieren.

Wertelandschaft Südtirol

Der Wert einer Landschaft wird mittlerweile oft nur danach bemessen, in welchem Maß diese als Produktions-, Sport- bzw. Erholungsstätte dienen kann. Entsprechend wird sie eingestuft, ökonomisch bewertet und genutzt. Im Gegensatz dazu könnte die Landschaftnach nicht-monetären Gesichtspunkten gesehen werden: Orte haben eine Geschichte, sind spirituell besetzt, wurden von unseren Ahnen gestaltet, dienen der Identifikation.Wenn diese Wertelandschaften, diese Orte verschwinden, so verschwindet mit ihnen auch die Identifikation der Menschen mit dieser Landschaft. Es wäre also wichtig diese Wertelandschaften zu erhalten. Und die Orte mit besonderem landschaftlichem Reiz oder solche mit besonderer Ausstrahlung zu erfassen, zu inventarisieren und zu schützen. Auch wenn es sich nicht um Biotope oder archäologisch bedeutsame Stätten handelt.

Am Ende der anregenden Gesprächsrunde gab es eine traditionelle Marende mit hofeigenen Produkten der biologisch-dynamischen Landwirtschaft des Crozzol-Hofes. Der Vorstand der Stiftung bedankt sich bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für diesen anregenden Abend, der neue Allianzen für unsere Südtiroler Landschaft schaffen soll.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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