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Kein Appetit

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15 Prozent der Personen, die in einem Südtiroler Krankenhaus betreut werden, weisen eine Mangelernährung auf – und diese kann zu einer Verschlechterung des Krankheitszustandes führen.

von Lisi Lang

Mangelernährung stellt auch in Zeiten der Überernährung, wo Lebensmittelüberproduktion und Industrialisierung den Ton anzugeben scheinen, ein immer größer werdendes klinisches und ökonomisches Problem dar. „Überangebot bedeutet leider nicht automatisch, dass wir uns gut oder besser ernähren“, erklärt Barbara Mairhofer, Koordinatorin des Dienstes für Diät und Ernährung am Krankenhaus Bruneck.

Anlässlich des internationalen „nutritionDay“ will der Dienst für Diät und Ernährung am Krankenhaus Bruneck vor allem auf das klinische Problem der Mangelernährung aufmerksam machen. „Eine Mangelernährung kann die Krankenhausaufenthaltsdauer verlängern, die Wundheilung beeinträchtigen und das Immunsystem schwächen – daher ist es wichtig, eine Mangelernährung rechtzeitig zu erkennen, vor allem wenn Patienten stationär betreut werden“, erklärt Barbara Mairhofer. Aktuell werde dieses Problem leider oft verkannt.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer quantitativen und einer qualitativen Mangelernährung. „Es gibt sicher auch in Südtirol beide Varianten“, erklärt die Koordinatorin des Dienstes für Diät und Ernährung.

Vor einigen Jahren wurde an Südtirols Krankenhäusern eine Erhebung durchgeführt, um das Thema Mangelernährung im stationären Bereich besser erfassen zu können. „Wir sprechen von einer Prävalenz von 15 Prozent in Südtirol“, erklärt Barbara Mairhofer.

Neben älteren Menschen, die keinen Appetit haben, mit Schluckschmerzen kämpfen oder an Krankheiten leiden, welche die Essgewohnheiten beeinflussen, hat die Erhebung auch gezeigt, dass vielfach Patienten, die in chirurgischen oder medizinischen Abteilungen betreut werden, betroffen sind.

Und genau hier möchte man mit dem Informationstag ansetzen. „Es ist sehr wichtig, dass eine Mangelernährung rechtzeitig erfasst wird – auch wenn ältere Menschen in einem Altersheim oder zuhause betreut werden“, erklärt die Expertin.

Die Ursachen für eine Mangelernährung können nämlich vielseitig sein. „Andere Krankheiten oder auch psychische Probleme können eine Mangelernährung hervorrufen“, erläutert Barbara Maierhofer. „Oft haben ältere Menschen aber auch keinen Appetit mehr, weil eine Prothese schlecht sitzt, weil sie Schmerzen haben oder weil die Konsistenz des Essens nicht passt – diesen Faktoren sollte man auf den Grund gehen, um so eine Mangelernährung zu vermeiden.“

Mangelernährung ist aber nicht nur ein Problem, welches uns im klinischen Bereich zu Denken geben sollte. Weltweit leidet laut einer Unicef-Studie mindestens jedes dritte Kind unter fünf Jahren unter den Folgen von unzureichender oder schlechter Ernährung. „Einerseits haben wir das Problem, dass viele Menschen nicht ausreichend Nahrung haben und sich dadurch oft auch sehr einseitig ernähren, andererseits führt das Überangebot oft auch zu einer falschen Ernährung“, weiß die Expertin. Die Werbung, soziale Medien und verschiedene Diätmodelle tragen ihres zur Veränderung der Essgewohnheiten bei. „Dem ausgewogenen Essen wird zum Teil keine Zeit mehr geschenkt“, beobachtet Barbara Mairhofer.

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Kommentare (2)

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  • schumi

    Von wegen keinen Appetit.
    Statt richtig zu kochen, wird die Mensa zum schleuderpreis an den billigsten vergeben. Kannst dir vorstellen welche Lebensmittel die kaufen. Unterste Qualität . Nur Konserven. Nichts Einheimisches.
    Die Verhältnismäßigkeit fehlt. Statt Millionen für Medikamente auszugeben wäre es doch besser gesundes Essen den Patienten u bringen.

  • nochasupergscheiter

    Meine Frau begab sich mit nach einer odysee an Untersuchungen ins Krankenhaus. Besser gesagt sie bat mich sie in die erste Hilfe zu bringen und einweisen zu lassen obwohl sie ein kleines Kind zuhause hatte. Nach der Einweisung stand es für die ärztin schnell fest. Meine Frau war wohlgemerkt ihr ganzes Leben sehr schlank, hatte aber aufgrund des monatelangen Unwohlsein mit verbundener Schlaflosigkeit stark abgenommen. Magersucht!! Zum Glück und aufgrund resoluter intervention wurde endlich der Magen gespiegelt, eine Entzündung der magenschleimhaut und helicobacter end deckt.
    Wie gesagt nach Monaten. Als sie das Spital verließ, verabschiedete sich die ärztin mit den Worten dass sie wegen der Magersucht auf sie warten würde! Jetzt geht es ihr wieder spitze… Ähnlich war ihre Erfahrung bei der Entbindung auch dort wurde ihr erst gehör geschenkt als es schon sehr spät war. Nichts gegen die arzte einige sind super
    , aber oftmals wundert man sich schon wenn man sich nicht mit Händen und Füssen wehrt geht man mit seiner Krankheit zehnmal wieder nach Hause bis… Ja bis…?

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