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Ciao Südtirol


Um ins Europagesetz nicht „Alto Adige“ schreiben zu müssen, will die Süd-Tiroler Freiheit den Begriff „Südtirol“ im deutschen Text mit „Provinz Bozen“ austauschen. Ulli Mair ist entsetzt.

von Matthias Kofler

Ich sitze schon lange im Landtag“, sagt Ulli Mair, „doch in all den Jahren habe ich nie erlebt, dass ein italienischsprachiger Abgeordneter den Begriff ,Südtirol‘ streichen wollte. Jetzt fordert das ausgerechnet eine deutschsprachige Abgeordnete.“

Was ist passiert?

Der 1. Gesetzgebungsausschuss musste sich gestern notgedrungen noch einmal mit dem Europagesetz befassen, das der Landtag erst zu Monatsbeginn genehmigt hatte. Der Grund: Bei der Debatte zu Artikel 1, der das Europa-Büro in Brüssel beinhaltet, unterlief der SVP eine peinliche Abstimmungspanne. Sie genehmigte einen Abänderungsantrag der Süd-Tiroler Freiheit, mit dem im italienischen Text der Begriff ,Alto Adige‘ mit ,provincia di Bolzano‘ ersetzt wurde. Weil im deutschen Text weiterhin von ,Südtirol‘ die Rede war, stimmten die beiden Fassungen nicht mehr überein. Alessandro Urzì stieg wegen der Streichung des Begriffs ,Alto Adige‘ auf die Palme. Auch die nationalen Medien und Regionenminister Federico Boccia protestierten lautstark gegen den Beschluss des Hohen Hauses, sodass LH Arno Kompatscher einlenken musste.

Mit dem neuen Gesetz soll die Übereinstimmung der Texte in den beiden Sprachen gewährleistet werden, indem der italienische Text angepasst wird: „Präsenz Südtirols in Brüssel“ wird in Italienisch – so wie ursprünglich geplant – wieder mit „presenza dell‘Alto Adige a Bruxelles“ übersetzt.

Brisant: Um im italienischen Text nicht den „faschistischen“ Begriff ,Alto Adige‘ verwenden zu müssen, forderte Myriam Atz-Tammerle mittels zweier Abänderungsanträgen, im deutschen Text den Begriff ,Südtirol‘ mit ,Provinz Bozen‘ zu ersetzen. Damit wären beide Fassungen wieder deckungsgleich. Die STF-Politikerin bezeichnete ihren Vorschlag als „Kompromiss zur friedlichen Lösung der Auseinandersetzung“.

Ulli Mair zeigte sich entsetzt über den Vorstoß der Süd-Tiroler Freiheit: „Damit befriedest du mich nicht“, echauffierte sich die Freiheitliche. Für sie gelte einzig und allein der deutsche Text. Auch auf rechtlicher Ebene würde nur im interpretativen Zweifelsfall der italienische Text herangezogen. „Kein Südtiroler verwendet den Begriff ,Provinz Bozen‘, sondern wir sprechen immer nur von Südtirol. Mit ,Provinz Bozen‘ würden wir uns erst recht dem italienischen Staat anpassen, der nur die Provinzen, aber nicht die Länder kennt. Es ist mir absolut schleierhaft, wie eine deutschsprachige Abgeordnete die Streichung des Begriffs ,Südtirol‘ fordern kann“, ärgerte sich Mair.

Die Freiheitlichen machen sich dafür stark, die Ortsnamenfrage sachlich in den dafür vorgesehenen Gremien anzugehen, nicht aber bei einer Artikeldebatte zum Europagesetz. Ihr Credo: Die Italiener sollten ruhig ,Alto Adige‘ verwenden, solange im deutschen Text der Begriff ,Südtirol‘ bleibt. Die Verantwortung für die unnötige und der Sache nicht dienliche Polemik trage der LH, der auf die Warnungen der Freiheitlichen nicht gehört habe, sagte Mair. Und in Richtung der STF giftete sie: „Wenn ihr konsequent seid, dann müsst ihr eure Bewegung in ,Freiheit für die Provinz Bozen‘ umbenennen. Und im Sinne einer friedlichen Lösung sprecht ihr nicht mehr von ,Marling-Marlengo‘, sondern von ,Gemeinde neben Meran‘.“

Die STF-Anträge wurden letztlich abgelehnt, während der von der Landesregierung vorgeschlagene Text von Magdalena Amhof, Jasmin Ladurner, Gert Lanz, Alex Ploner, Alessandro Urzì und Carlo Vettori gutgeheißen wurde. Einzig Atz-Tammerle stimmte dagegen. Ulli Mair enthielt sich der Stimme, weil sie rechtlich prüfen wollte, ob auch eine Doppelbezeichnung ,Alto Adige – Sudtirolo‘ möglich sei, was das Rechtsamt des Landtags verneinte.

Kommissionspräsidentin Amhof sagte zur Polemik: „Die Streichung des Begriffs ,Alto Adige‘ war ein Fehler, der uns auch gezeigt hat, wie sensibel die Öffentlichkeit bei diesen Themen reagiert. Heute hat sich aber auch gezeigt, dass es eine breite Mehrheit gibt, die den Fokus auf das friedliche Zusammenleben legt.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (22)

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  • marting.

    was der Fall vor allem zeigt ist, daß wir eine Südtirol Verräter Partei haben, die komplett Rom hörig ist und null Rückgrat hat

  • andreas

    Wichtiger wäre es, im Sinne der STF, dass wir Ausländern beibringen, wie man anständige Speckknödel kocht und interveniert, dass Knoll weiter mit seinem österreichischen Kennzeichen rumgurken kann, damit er nicht die Verbindung zu seiner Familie verliert.
    Und natürlich auch den Bauern, so wie dem STFler „einereiner“, seine Privilegien erhält und ihr Geplärre nicht als solches abtut, sondern als angebrachte Forderung dieser wichtigen Kaste betrachtet…

  • besserwisser

    hob de olle nix zu tean?

    • malwasneues

      Nur mit Geld zählen sind sie leider nicht ausgelastet…
      Deswegen sollte es eine Bestimmung geben, die besagt, dass Politikergehälter nur mit Kupfer-Cent-Münzen ausbezahlt werden dürfen. Dann wären sie länger mit Zählen beschäftigt und hätten weniger Zeit, die redlich arbeitende Bevölkerung an den Testikeln zu nehmen!

  • watschi

    Salvini, wo bist du?
    oder ihr lokal politiker!!!!!!! lernt von ihm was das volk wirklich bedrùckt und macht es ihm nach. bekàmpfung illegaler einwanderung, sicherheitsdekrete, steuersenkungen, gerechte pension usw.

    • george

      ‚watschi‘, du bist der gleiche Schwindler. Eine Menge vorgaukeln und nichts einhalten, das hat Salvini getan. In seiner Regierungszeit hat er nur Steuern umgelagert und die Staatsschulden erhöht, sonst nichts und viele Italiener, aber auch Südtiroler glauben ihm, was er ihnen vorgaukelt. Ein Populist eben, der nicht wirklich die Probleme der einfachen Leute löst, sondern nur seine Lobby bedient. Schöne Worthülsen und nochmals Worthülsen, darin zeigen diese Populisten ihre Stärke, ein Spiel dieser liberalen Kapitalisten, welche die Schere zwischen Reichtum und Armut immer weiter auseinander treiben. Auch manche Südtiroler Machtinhaber sind hierin nichts besser und lassen sich dafür einspannen.

      • watschi

        george, warum will dein PD und konsorten alles wieder abschaffen was salvini eingeführt hat? wenn er von dir ausgesehen nichts getan hat? wer da wohl betrügt und lügt.

        • george

          Vergiss das Wort „dein PD“. Ich bin kein Parteianhänger, weder vom PD, noch von der Lega oder sonst einer solch verschrobenen Partei. Und was hat „salvini“ schon eingeführt, was nachhaltig für das Volk und nicht nur für bestimmte bereits Bevorteilte gut wäre?

  • artimar

    Einfach nur absurd. Es gilt amtlich sowieso nur das Italienische.
    Wieso im Sinne der it. Verfassung dann nicht: „rappresentanza dell’Alto Adige-Südtirol“?

  • hansi

    Schon verblüffend und zum Fremdschämen: Kompetenz schaut leuider anders aus, leider sieht man wozu es das beamtentum im Lande bringt, bzw unsere Politiker vollends überfordert sind und sich ein fettnäpfchen nach dem andern konstruieren – werde den Anschein nicht los, dass das Rechtsamt zu Paragfen gesteuert und jede Sensibilität vermisst und die Politiker, die dann in Schranken weissen sollten längst nicht mehr in der lage sind dies zu tun – und daher nur mehr um den Brei geweibert wird und alles den bach runtergeht bzw Stillstand pur außer wenn es um das eigene Eingemachte geht

  • george

    Korrigierter Text: Bei Ihnen läuft auch alles „den Bach hinunter“, jedenfalls ihre Sprache. Da hätten Sie eigentlich keinen Grund anderen etwas vorzuwerfen.

  • hansi

    Georg hinsichtlich meinses geposteten Text hast Recht, verzeih die Schlamperei, aber anscheinend fühlt sich doch jemand auf den „Slip“ getretten

    • george

      @hansi
      Korrekterweise müsste der Text so lauten: George, hinsichtlich meines geposteten Textes hast du Recht. Verzeih die Schlamperei, aber anscheinend fühlt sich doch jemand auf den „Slip“ getreten.

  • robert

    Ulii Mairs Argumentation ist nachvollziehbar und sie hat recht. STF ist nur etwas für Frustrierte … und Dumme!

  • george

    FH inzwischen genauso! Nur interessant wie sich die beiden „Rechten“ mit solchen Nationalismen in die Haare geraten!

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