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Der Aufstand der Senioren

Das Seniorenheim in St. Johann im Ahrntal platzt aus allen Nähten. Trotzdem soll es nur umgebaut werden. Wie sehr sich die Bürger einen Neubau wünschen, zeigt sich daran, dass 1.800 Unterschriften gesammelt wurden.

von Silke Hinterwaldner

In einer Frage gibt es wenig Diskussionsbedarf. Allen im Ahnrtal ist klar, dass das Seniorenheim Georgianum in St. Johann nicht mehr den Anforderungen der Zeit entspricht: Das Gebäude ist in die Jahre gekommen, es platzt aus allen Nähten und kann den Bedürfnissen der Bewohner nur mehr schlecht als recht entsprechen.

Das ist auch den Entscheidungsträgern längst bewusst. Die Frage ist jedoch: was tun? Ist es besser und einfacher, das bestehende Altenheim zu sanieren oder sollte man einen Neubau an anderem Standort wagen? Die Gemeindeverwalter im Ahrntal haben bisher vor allem  an einem Sanierungskonzept gearbeitet, dafür hat man eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Der Umbau würde neun bis zehn Millionen Euro kosten. Aber mit dieser Idee sind viele im Ahrntal und in Prettau nicht glücklich. Wie sehr man Bauchweh hat, äußert sich nun in einer Unterschriftensammlung. Eine Initiativgruppe, die parteipolitisch unabhängig ist, hat sich auf den Weg gemacht und insgesamt tatsächlich 1.800 Unterschriften gesammelt. Diese Unterschriften sollen morgen den Bürgermeistern von Ahrntal und Prettau übergeben werden. Die Forderung dahinter lautet: Auch ein Neubau des Seniorenheimes soll mittels einer Studie geprüft und gegebenenfalls umgesetzt werden. Genauso wie für den Umbau sollte auch für den Neubau eine Kostenschätzung vorgenommen werden.

Ein Neubau des Seniorenheimes scheint in den Augen vieler Angehöriger, Bewohner und Mitarbeiter einige Vorteile im Vergleich zu einem Umbau zu bieten: Derzeit befindet sich das Heim eingeklemmt zwischen den Häusern und dem Friedhof, was bedeutet, dass die Struktur nicht erweitert werden kann, weder um ein Angebot  für betreutes Wohnen, noch um einen Garten, den sich die Bewohner freilich wünschen würden. Außerdem müssten die Bewohner in der Zeit des Umbaus ausquartiert werden, was für viele eine große Belastung darstellt. Unbestritten ist auch, dass der Bedarf an Angeboten für die Betreuung und das Wohnen im Alter in den kommenden Jahren weiter steigen wird.

In den vergangenen Jahren war das Thema immer wieder im Gemeinderat aufgeworfen worden. Die  Teldra Bürgerliste hatte versucht, mit Anfragen und Beschlussanträgen zu einem schnellen Handeln aufzufordern. Jetzt wurde die Thematik auf eine andere Ebene gehoben: Mit der Unterschriftenaktion hat eine Bürgerinitiative gezeigt, dass die Zukunft des Georgianums vielen Menschen im Tal tatsächlich ein großes Anliegen ist.

Anita Strauß und Margit Moser, Gemeinderätinnen der Bürgerliste, nehmen jetzt vor allem die Gemeindeverwaltungen von Ahrntal und Prettau in die Pflicht: „Wir brauchen nicht nur Studien, sondern auch rasche Entscheidungen darüber, wie wir gemeinsam mit der Bevölkerung diese Herausforderung angehen. Die Errichtung einer angemessenen Seniorenstätte für unsere ältere Generation darf nicht auf die lange Bank geschoben werden. Der Vorlauf bei der Umsetzung für eine solche Struktur, wird so oder so eine lange Anlaufzeit haben.“

In ihren Augen ist die Initiative aus der Bevölkerung ein wichtiges Signal für die Politik. Sie zeige, wie wichtig das Gespräch darüber ist, in welche Richtung sich die Seniorenbetreuung entwickeln soll und welche neuen Formen der Betreuung angedacht werden können. Strauß und Moser sagen: „In diesen Findungsprozess müssen wir die Bevölkerung einbinden und mitnehmen. Dass dies funktionieren kann, dafür gibt es auch in Südtirol schon mehrere Beispiele und neue Ansätze.“

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