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Moris Bombe

Wurde bei der (großzügigen) Festlegung der Sicherheitszonen für die Bozner Bombenentschärfung Fuß mit Meter verwechselt? Der frühere Richter und Waffen-Experte Edoardo Mori geht davon aus.  

von Thomas Vikoler

Er ist ein ausgewiesener Waffen-Experte und betreibt dazu eine eigene Homepage. Früher, als Richter am Bozner Tribunal, machte er mit richtungsweisenden Urteilen – etwa zum Schnaps-Brennen auf Bauernhöfen – von sich reden. Und nun wartet Edoardo Mori, inzwischen pensioniert, mit einer steilen These auf.

Nämlich: Bei der (von Vielen als übertrieben erachteten) Festlegung der Sicherheitszonen für die Bombenentschärfung am Sonntag in Bozen wurde etwas verwechselt. Nämlich zwei Distanz-Maße, Fuß und Meter. Das habe dazu geführt, dass die beiden Sicherheitszonen um den Bomben-Fund im Bereich des Verdiplatzes äußerst großzügig bemessen wurden. Innerhalb eines Radius von 500 Metern mussten alle Bürger ihre Wohnungen und Hotelzimmer während der vierstündigen Entschärfung verlassen, innerhalb der zweiten Zone mit einem Radius von 1.830 Metern niemand auf die Straße gehen.

Zwei Drittel der Bozner waren von dieser Sicherheitsmaßnahme betroffen, zwei Bürger (ein Afghane und ein Südtiroler) wurden wegen Missachtung der Vorschrift mit einer Verwaltungsstrafe von 208 Euro belegt.

Für Ex-Richter Mori war die Eingrenzung der Sicherheitszone viel zu restriktiv. „In Italien gibt es keine rechtlichen Richtlinien, nach welchen Kriterien diese festgelegt werden müssen. Es wäre gut zu wissen, nach welchen wissenschaftlichen Grundlagen das Heer in Bozen vorgegangen ist“.

In Deutschland, wo jährlich 5.000 Kriegsbomben entschärft werden müssten, sei gesetzlich ein Schutz-Radius von höchstens tausend Metern festgelegt worden. „Auch für Bomben, die wesentlich stärker sind als jene in Bozen, die 200 Kilo schwer war“, sagt Mori.

Und zählt auf: In Kiel ist am 12. Oktober eine Bombe von 250 Kilogramm entschärft worden. Mit Schutzzonen von 250 und 250 Metern, also ein maximaler Radius von 500 Metern vom Fundort. In Köln reichte die Schutzzone für die Entschärfung einer 500-Kilo-Bombe am 14. Oktober bis maximal einen Kilometer.

Dort waren, so erinnert Mori, nicht Sprengmeister des Heeres im Einsatz, sondern private Firmen per Fernsteuerung. „Eine Bombe von brutto 250 Kilogramm verursacht auf einer Distanz von 250 Metern einen Luftdruck von 0,2 Atmosphären, dem sogar eine Pauken-Bespannung standhält“, betont Mori in einer Stellungnahme zur Bozner Bomben-Entschärfung.

Er verweist auf den italienischen Einheitstext zur öffentlichen Sicherheit, wonach die Lagerung von 200 Kilogramm Tritol einen Sicherheitsabstand von 215 Metern erfordere, für eine Bombe mit 300 Kilogramm 260 Metern. Mit einem Sicherheitsabstand von zwei Kilometern könne man sogar 30 Tonnen Sprengstoff lagern.

Dies alles lässt den pensionierten Richter Edoardo Mori die Vermutung aufstellen, dass eine Verwechslung vorliegt: Die Sprengmeister des Heeres könnten demnach in ihren Sicherheitstabellen das englische Distanzmaß Fuß (30,48 Zentimeter, zwölf Zoll) in Meter gerechnet haben. Und so wurden demnach aus 500 Fuß (gut 150 Meter) 500 Meter und aus 1800 Fuß 1.830 Meter.

Sollte das stimmen – was wohl niemand zugeben wird -, wäre das mehr als bizarr.

Boznes Vizebürgermeister Luis Walcher hatte am Montag auf Anfrage der TAGESZEITUNG die bei der Entschärfung aufgezogene Sicherheitszone verteidigt: „Die Feuerwerker des Heeres haben nochmal betont, dass eine Explosion der Fliegerbombe auch am Grieser Platz tödliche Folgen für Menschen hätte haben können“.

Da die Stadtverwaltung weitere Bombenfunde im Zuge der Bauarbeiten für René Benkos WaltherPark befürchtet (insbesondere in der Südtirolerstraße), wäre eine Berücksichtigung von Moris Hinweisen wohl nicht ganz verfehlt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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