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„Vergiftetes Klima“

Julia Unterberger mit Giuseppe Conte

Premier Giuseppe Conte empfiehlt Julia Unterberger, den „Alto-Adige“-Fehler zu beheben. Die Senatorin arbeitet an einer Lösung für die Kammer-Eintragung deutschsprachiger Ärzte.

von Matthias Kofler

Julia Unterberger spricht von ei- nem „vergifteten Klima im rö- mischen Parlament“. Die rechtsge- richtete Partei Fratelli d’Ialia hat eine Reihe von Anfragen an die Re- gierung gerichtet, in der sie Klar- heit in der „Alto-Adige-Affäre“ ein- fordert. In der Kammer legte der FDI-Abgeordnete Luca De Carlo eine Wut-Rede hin und bezeichnete den Beschluss des Landtags als „Akt des Rassismus“, den Rom sich nicht gefallen lassen dürfe.

Die Situation spitzt sich also wei- ter zu.

Am Mittwoch gab Ministerpräsi- dent Giuseppe Conte im Senat eine Regierungserklärung ab. Un- terberger, Sprecherin der Autono- miegruppe, nutzte die Gelegenheit für ein kurzes Vier-Augen-Ge- spräch mit dem Premier. Conte wollte wissen, was „da oben“ los sei: „Ma cosa state combinando?“ Die SVP-Politikerin schilderte die Hintergründe des umstrittenen Abänderungsantrags der Süd-Ti- roler Freiheit, den der Landtag am vergangenen Freitag verab- schiedet hatte. Der Premier emp- fahl Unterberger, die Sache rasch in Ordnung zu bringen. Am Nachmittag sprach die Senatorin auch mit Regionenminister Federico Boccia und versicherte ihm, dass die SVP an einer Lösung für das Problem arbeite. Diese dürfte so aussehen, dass der Landtag per Gesetzesänderung zur ursprüngli- chen Version mit dem Begriff „ Alto Adige“ zurückkehrt.

Indes arbeitet die SVP-Politikerin an einer Gesetzesänderung zur Eintragung der Ärzte in die Berufs- kammern. Italien hatte die EU- Richtlinie zur Freizügigkeit der Freiberufler übernommen, die vor- sieht, dass man für die Eintragung
in eine Berufskammer eine der Amtssprachen beherrschen muss, gesetzlich aber festgehalten, dass man der italienischen Sprache mächtig sein muss. Mit ihrer Abän- derung will Unterberger das Staats- gesetz dahingehend ergänzen, dass man „Italienisch oder eine der offi- ziellen Landessprachen“ – im Südti- roler Fall wäre dies Deutsch oder Ladinisch – können muss. Diese Än- derung ist auf die Autonome Provinz Bozen limitiert. Wenn ein Arzt von der Südtiroler Kammer in eine an- dere regionale Kammer wechseln will, muss er auch Italienischkennt- nisse nachweisen.

Einen ähnlichen Vorstoß unter- nahm der Landtag mit dem Europagesetz. Dort ist festgehalten, dass man für die Eintragung in die Berufskammern in Südtirol eine der Landessprachen beherrschen muss. Fratelli d’Italia ruft die Re- gierung dazu auf, den entsprechen- den Artikel anzufechten: „Siamo in Italia. Italienisch ist die Staats- sprache. Die italienischen Patien- ten haben das Recht, mit dem Arzt in ihrer Muttersprache zu spre- chen“, so Luca De Carlo.

In der SVP hofft man, dass die „Alto-Adige“-Polemik die Arbeiten an der fürs Land wichtigen Ärzte- regelung nicht unnötig erschwert hat.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (19)

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  • keinpolitiker

    Nur weil diese „Fratelli“ aufwatzen, muss man noch lange nicht klein beigeben.

    Die da unten wollen alles und wir hier oben sollen die Schnauze halten und fest Geld nach unten schicken.

    „Katalonien lässt grüßen“

  • tiroler

    Immer dasselbe in Rom wenn es um uns geht, egal ob links oder rechts im Sessel sitzen darf. Tolomeihuldigung und Geschichtsfälschung haben sie gemeinsam.

  • anton76

    Die SVP macht „cuccia“… Was für Arschkriechen…

  • goggile

    Südtirol das schleimbeitlerische Volk hat sich selbst verraten und wird und soll untergehen unter den Italienern. niemand spricht wievile Prozent prozentuell durch Zuwanderung jährlich aus dem süden Italiens nicht nur aus Afrika und anderen ländern die bevölkerungsstruktur unaufhaltsam umstrukturiert wird.

  • tff

    So geht es eben wenn man,ohne zu denken, mit der Klotz Partei sinnloserweise gemeinsame Sache macht. Das sich die italienische Voksgruppe nicht bieten lasst von Politikern, die eine
    Sensibilität wie ein Elefant im Porzellanladen haben, drangsaliert zu werden, war zu erwarten.
    Was hat die dumme Aktion für die Bürger gebracht ? Nichts als Schall und Rauch, von dem die Klotzpartei seit jeher lebt.

    • mannik

      Der Antrag von Atz-Tammele war wie meistens ein Blödsinn, aber der ganze fall wurde schon von Urzi umsonst aufgebauscht. Schon allein die Tatsache, dass im weiteren Verlauf des angeprangerten Gesetzestextes der Begriff Alto Adige unangetastet geblieben ist, zeigt, dass da kein Komplott angezettelt wurde. Aber die rechten Idioten bleiben sich natürlich nichts schuldig.

  • ohnehirnlebtmanbesser

    Oh Kleinpolitiker. Trotz Ihres Benutzernamens, darf man nicht jede Ihrer Aussagen im Raum stehen lassen. „fest Geld nach unten schicken“ Sie dùrfen staunen. Die Bilanz der letzten 30 Jahren zwischen Abgaben und Einahmen aus Rom…….sehr schlecht fùr Rom. Aber bitte fragen Sie nicht Frau Klotz. Fragen Sie jemanden der die Daten kennt. Ihr Ohnehirn.

  • unterlandler

    Bilanz seit 2003: sehr schlecht für Südtirol (mit negativem Ausblick)!

  • ohnehirnlebtmanbesser

    Oh Unterlandler. Ich schrieb von einem Durschnitt der letzten 30 Jahren……sehr schlecht fùr Rom.

  • ringo0511

    Ist auch besser, weil sonst müsste die Alto Adige Zeitung auch den Namen wechseln

  • buddha

    „““Siamo in Italia. Italienisch ist die Staats- sprache. Die italienischen Patien- ten haben das Recht, mit dem Arzt in ihrer Muttersprache zu spre- chen“, so Luca De Carlo.“““
    Duemmer als die Polozei erlaubt koennte man sagen.
    1. Deutschsprachige Buerger in Suedtirol haben ebenfalls das Recht mit Arzt in ihrer Muttersprache zu sprechen.
    2. In Suedtirol ist die deutsche Sprache der italienischen gleichgestellt.
    3. Siamo in Italia hat in diesem Falle nix zur Sache.
    Und das Aerzteproblem mit der Zweisprachigkeit koennte man ohneweiteres mit Dollmetscher in den KH loesen.

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