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„Die Bodenhaftung verloren“

Der ehemalige freiheitliche Abgeordnete Roland Tinkhauser über den Abschied von HC Strache, den tiefen Fall so vieler blauer Lichtgestalten – und seine eigenen Pläne, auf der SVP-Liste für das Bürgermeister-Amt in Pfalzen zu kandidieren.

TAGESZEITUNG Online: Sprechen wir mit dem künftigen Bürgermeister von Pfalzen?

Roland Tinkhauser (lacht): Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Sache ist noch nicht spruchreif.

Aber die Möglichkeit, dass Sie für das Bürgermeisteramt in Ihrer Heimatgemeinde kandidieren, besteht?

Ja, es ist eine Möglichkeit, aber bis es soweit kommt, müssen noch viele Gespräche geführt werden. Pfalzen ist eines der schönsten Dörfer nicht nur in Südtirol, sondern weit darüber hinaus. Wenn es mir gegenüber eine positive Grundstimmung gibt und wenn wir eine tolle, junge Gruppe zusammenbekommen, die sagt, wir wollen das Dorf im positiven Sinne weiterbringen, bin ich gerne dabei. Nur alte Rechnungen zu begleichen, das interessiert mich nicht, dafür bin ich nicht zu haben.

Sie könnten sich also vorstellen, für die SVP zu kandidieren?

Wenn, dann geht es nie gegen, sondern mit der SVP. Wie eine Kandidatur aussehen könnte, darüber wurde im Detail noch nicht diskutiert. Man hat mit mir geredet, man hat mich gefragt, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen kann. Diese Idee gefällt mir, ich glaube aufgrund meiner Erfahrung, ich täte es auch können. Meine Devise ist immer, Leute zusammenzubringen. Ich würde nie eine Kandidatur gegen jemanden machen.

Themawechsel. Heinz-Christian Strache hat sich aus der Politik verabschiedet. Was denken Sie als ehemaliger freiheitlicher Mitstreiter über diesen Schritt?

Ich habe seine Abschieds-Pressekonferenz mitverfolgt und muss sagen: Großer Respekt! Strache war nie so recht mein Fall, aber ich muss sagen, seine Abschiedsrede war gut. Er sagt, er wolle weder spalten noch nachtreten. Er gab sich versöhnlich seiner Partei gegenüber. Menschlich war das sicher ein schwieriger Auftritt, aber Strache hat Größe gezeigt.

Sie haben es gesagt: Strache war nie Ihr Fall. Was hat Ihnen an Strache nicht gepasst?

Es ist grundsätzlich so, dass Südtirol anders tickt als Österreich. Wenn jemand sich in Österreich rechts außen bewegt, wird er immer ein bestimmtes Wählerpotential haben. Aber bei uns – und auch in Tirol – haben die Freiheitlichen nie einen leichten Stand gehabt ...

Warum?

Südtirol ist auch ein bisschen ein Weinland, in dem die Devise gilt: Leben und leben lassen. Ganz die harten Töne kommen weder bei uns noch in Nordtirol an. Die Extreme kann man vergessen, damit bedient man nur einen ganz kleinen Teil der Bevölkerung.

HC Strache war sicherlich eines der großen politischen Talente in Österreich. War Ihnen sein Art zuwider?

Mir war Strache nicht zuwider. Als Vizekanzler hat er – so wie die übrigen Regierungsmitglieder – eine gute Figur abgegeben. Und zum Ibiza-Video möchte ich sagen: Wer trinkt nicht einmal einen über den Durst? Ich selbst möchte nicht dabei aufgenommen werden. Ich denke auch, dass die freiheitlichen Mitglieder ihm die Ibiza-Sache verziehen haben. Was man Strache nicht verziehen hat, dasist der noch nicht bewiesene Umstand, dass sich jemand in der sozialen Heimatpartei selbst bereichert haben könnte.

Die Spesen-Geschichte ist für Strache schlimmer als das Ibiza-Video?

Ja, die Spesen-Geschichte tut ihm und der Parte mehr weh! Das Ibiza-Video wird als besoffene Geschichte angesehen, bei der Strache gelinkt worden ist. Die Ibiza-Geschichte war extrem peinlich, sie hat der FPÖ einige Prozent gekostet, aber sie hat der Partei in ihrer Substanz nichts getan. Viel schlimmer sind die Spesenabrechnungen. Wenn ein Hanspeter Haselsteiner den Neos Millionen spendet, dann sagt niemand nix, weil die Neos eine ganz andere Klientel haben als die Blauen. Wenn sich bei den Blauen, die ja für den kleinen Mann stehen, jemand selbst bedient, dann wird dies ein Problem.

Wie kommt es, dass freiheitliche Lichtgestalten immer wieder stolpern, ob dies nun ein Penisring oder eine Renten-Million, oder ob es Geschäfte à la Karl Heinz Grasser, Peter Westenthaler usw. sind.

Helmuth Renzler und Roland Tinkhauser

Über die Südtiroler Freiheitlichen will ich mich nicht äußern, weil es so aussehen würde, als wollte ich nachtreten. Die FPÖ hat eine Klientel, die – wenn man sie enttäuscht – ganz anders zurückschlägt. Als ÖVP- oder SPÖ-Wähler ist man es gewohnt, dass immer wieder ein Funktionär oder ein Politiker in eine Affäre verwickelt ist. Bei den Freiheitlichen – ich war ja selbst dabei – kommt hinzu, dass sie die moralische Latte sehr hoch legen und hoch und heilig versprechen, eine andere Politik zu machen. Außerdem zeigen die Freiheitlichen gerne mit dem Finger auf die anderen. Wenn sie dann selbst mit den Fingern in der Marmelade erwischt werden, dann bekommen sie das gnadenlos zu spüren, weil die Mitglieder enttäuscht sind und sich verraten fühlen.

Noch einmal: Haider, Waldner, Grasser, Maischberger usw., ist es nur ein Zufall, dass so viele blaue Lichtgestalten abstürzen?

Die von Ihnen Angesprochenen – auch HC Strache – sind Leute mit einem starken Ego. Es sind alles Leute, die sich in der FPÖ emporgearbeitet haben. Ich habe Strache einmal bei einer Wahlveranstaltung erlebt: Da hat er nach seiner Rede nicht etwa gefeiert, sondern vier Stunden lang Autogramme geschrieben. Ich will damit sagen: Vielleicht hat so mancher, der sich bis ganznach oben gekämpft hat, die Bodenhaftung verloren, sobald er oben angekommen ist.

Strache ist irgendwann übermütig geworden?

Wenn die Vorhaltungen über die Spesenabrechnungen stimmen sollten, dann sicher maßlos. Auch wenn er als Vizekanzler nach außen sehr ruhig und besonnen agiert hat. Aber wenn man sich das Ibiza-Video vom Inhalt her anschaut, dann hat man schon den Eindruck, dass Strache die Bodenhaftung verloren und vergessen hat, woher er kommt. Und das ist nie gut.

Zu welcher Koalition wird es in Österreich kommen?

Ich denke, dass die Freiheitlichen der künftigen Regierung nicht angehören werden. Die müssen sich jetzt erst einmal fangen und sammeln. Ich glaube, dass Sebastian Kurz eine Koalition mit den Grünen macht und sich – als liberalen Ausgleich zu den Grünen – noch die Neos mit ins Boot holt. Sollte es Kurz mit den Blauen probieren und würde die Sache erneut schiefgehen, dann hätte auch er ein Problem. So ein Risiko geht Kurz meiner Meinung nach nicht ein.

Und die Blauen sind kaputt?

Nein, das glaube ich nicht. Es gibt auf Länder-Ebene ein paar gute Köpfe, Manfred Haimbucher, der Oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter, zum Beispiel. Norbert Hofer ist nicht mein Fall, der ist mir zu schmalzig.

Und in Südtirol?

Zu den Südtiroler Blauen sage ich nichts, weil mir alles als Revanche ausgelegt würde.

Glauben Sie, dass Arno Kompatscher 2023 noch einmal für das Amt des LH kandidieren wird?

Ich denke schon.

Interview: Artur Oberhofer

 

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Kommentare (15)

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  • fbxy

    Das nächste BLAUE WUNDER

  • besserwisser

    der tinkhauser war eh immer einer von den normalos bei den fh.

  • leser

    Thinkhauser
    Wie gut dass diese partei eine hure ist und es jedem reuemütigen soldaten ermöglichtreinzukpmmen
    Dass du es mit deinem gewissen ins rei e bringst ist wohl das kalkül dass der wähler alles vergisst und jeden nach einiger zeit wieder mit weisser weste dastehen lässt
    Deine werte und worte als du noch mit der ulli und dem pius hand in hand durchs land gezogen bist haben alle schon vergessen
    Deine hauotmorivation zum bürgermeustersessel wird wohl das stolze salär sein oder würdest du dueses amt auch entgeltlos machen?
    Dein auftreten beim rentenskandal war auch nicht grandios und macht braucht kontrollewürdig aber gottseidank hat der wähler nur ein hasenhirn und du findest nun in der SVP die neue treppenstufe
    Schliesslich kostet dich die fronten zu wechseln ja nichts du musst lediglich einmal nicht in den spiegel schauen und der wähler weiss es eh nicht mehr

  • silverdarkline

    Es sagt schon viel über die Gesinnung eines Menschen aus, wenn er einem Strache noch Respekt zollt. Jedweder andere Kommentar zwecklos.

  • leser

    Silverdarkline
    Ein wenig rechter untergrund zieht halt immer beim barthekengespräch

  • morgenstern

    Und ewig lockt der öffentliche Futtertrog.

  • josef.t

    # Großer Respekt! Seine Abschiedsrede war gut. Strache hat
    Größe gezeigt# ?
    Kann man auch anderer „Auffassung“ sein; ob da nicht der Druck
    der Partei, Ihn endlich zur „Einsicht“ brachte ?

  • noando

    „… zum ibiza-video möchte ich sagen: wer trinkt nicht einmal einen über den durst? ich selbst möchte nicht dabei aufgenommen werden …“ – „… das ibiza-video wird als besoffene geschichte angesehen, bei der strache gelinkt worden ist …“

    😀 köstlich! einfach oft genug wiederholen, dann wird strache noch zum opfer!? besoffen, und weiß gott was noch, soll also alles entschuldigen. wie gesagt, köstlich die blauen! das wäre so, als ob man die aussage trumps (ich greife frauen in den schritt) verurteilt, es aber toleriert, wenn trump besoffen ist.

  • franz1

    Der Strache besoffen?
    Das Scheint im Ibiza Video eher nicht der Fall zu sein.
    Doch hier ziegt sich welche Person im Politiker Strache steckt!
    Salvini und der können sich die Hand geben.
    Doch so eine Ausuferung wie im Video darf einem Politiker nicht unterkommen, das wußte der Strache, deshalb „besoffen“ um den POITISCHEN TOD zu entkommen.
    Naja, blau isch halt mal blau, auch im Alltag.

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