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Arbeitsverbot für Carabinieri

Gerichtsgebäude in Bozen

Das Freiheitsgericht bestätigt die zehnmonatige Suspendierung der beiden Partschinser Carabinieri. Die inzwischen auch von einem Kollegen belastet werden.

Von Thomas Vikoler

Ein Carabinieri, der Brigadier, der einen Mann mit großem Krafteinsatz umstößt, dass dieser einen regelrechten Flug hinlegen muss. Zwei Carabinieri, der Brigadier und der Maresciallo, die ihn daraufhin zu Boden drücken.

Das ist die Schlüsselszene des Falles, der sich im Juni vor dem Carabinieri-Landeskommando in der Bozner Dantestraße abspielte. Eine Szene, die von gleich drei Überwachungskameras in guter Qualität festgehalten wurde und nun das wichtigste Beweismittel in einer Ermittlung der Staatsanwaltschaft gegen die beiden Carabinieri der Station Partschins bildet. Aber nicht das einzige.

Wie berichtet, wurden Gianmario Pinna, der Maresciallo und Stationskommandant, und der Brigadier im August aufgrund einer Verfügung von Voruntersuchungsrichter Emilio Schönsberg vom Dienst suspendiert. Gegen einen dritten Carabinieri laufen Ermittlungen – ebenfalls zum Tatverdacht des Amtsmissbrauchs, der Vortäuschung einer Straftat und der Falschbeurkundung.

Die Carabinieri hatten an jenem Abend nämlich einen Mann wegen Widerstandes gegen Amtspersonen verhaftet, der offensichtlich unschuldig war. Das betont auch Richter Schönsberg in seiner Suspendierungsverfügung: Dass sich der Mann – ein Albaner, der vor der Kaserne auf seinen zuvor wegen Drogensitzes verhafteten Bruder warten wollte – am Schluss der Szene gegen die beiden Carabinieri wehrte und handgreiflich wurde, enthebe ihn von einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit. Denn vorangegangen sei ein rechtswidriges Verhalten der beiden Ordnungshüter.

Ähnlich dürfte auch die Begründung des Bozner Freiheitsgerichts ausfallen, das nun eine Beschwerde von Pinna und seinem Kollegen gegen die zehnmonatige Suspendierung abgewiesen hat.

Das Arbeitsverbot für sie bleibt also aufrecht. Sie haben nun die Möglichkeit, gegen die Entscheidung vor die Kassation zu ziehen.

Wie nun bekannt wurde, sichern nicht nur die Aufnahmen der drei Überwachungskameras vor dem Carabinieri-Landeskommando die eindeutige Beweislage ab. Der dritte Carabiniere, ebenfalls in Partschins stationiert, belastete Pinna und den Brigadier in seiner Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft. Gegen ihn wird wegen Beihilfe ermittelt, er könnte weitgehend straffrei davon kommen.

Zuvor hatten der Maresciallo und der Brigadier bei einer Einvernahme durch Richter Schönsberg jegliche Vorwürfe abgestritten. Bei einem zweiten Verhör wurde sie dann mit dem Inhalt der Überwachungsvideos und den Aussagen des Kollegen konfrontiert.

Bei der zweiten Verhandlung vor dem Freiheitsgericht am Montag am Bozner Landesgericht forderte Verteidiger Mattia Gottardi erneut die Aufhebung der Suspendierung der beiden Carabinieri, die mit der Aussetzung der Gehaltszahlung und des Rechts auf eine Dienstwohnung verbunden ist.

Vergeblich. Das Freiheitsgericht wird in einigen Tagen die Begründung für die Abweisung nachliefern.

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Kommentare (10)

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  • goggile

    dass in der aktuellen Menschheit vieles nicht stimmt wissen wir. so wäre in einem solchen fall ein lebenslanges Berufsverbot mit sofortiger Wirkung das mindeste, denn Steuerzahler müssten eigentlich von gesetzlichen Vertretern geschützt und nicht missbraucht werden. einmal lügen immer lügen. wollen wir dies bei essentiellen berufen die zur gesetzeseinhaltung beitragen zulassen?
    so wie bei Mordversuch oder mord eine lebenslange haft ohne wenn und aber stattzufinden hat. beschämend dass man bei den täglich medial vorhandenen Gräueltaten überhaupt über die Verweilzeit eines Täters herumpaktelt und die armen opfer kläglich vergisst und die Täter zu medienstars durch deren Präsenz avvancieren lässt.

    die aktuelle Menschheit glaubt gebildet zu sein und in allzuvielen belangen sind wir mehr rückwerts als vorwärts.. selbst steinzeitnivo wäre manchmal fortschrittlicher!

    • watschi

      goggile, was die beiden.sonst sicher ehrenhafte beamte, sich da geleistet haben ist nicht richtig, aber ich kann mir vorstellen dass man nach làngerer zeit unsensibel wird, wenn man tagtàglich mit drogendealer, vergewaltiger, mòrder, ràuber und anderen gewalttàtigen menschen zu tun hat. aber wie gesagt. es soll keine entschuldigung sein. trotzdem wùnsche ich den beiden eine 2. chance, die ja sonst jeder andere wirkliche straftàter auch bekommt.

      • thefirestarter

        .. in deiner Aufzählung fehlen die bombenlegenden Freiheitskämpfer(-terroristen) weswegen wir überhaupt so viele „Kollegen“ im Land haben die hier auch mehr bezahlt bekommen als ihre Kameraden in den anderen Provinzen.

        Nein, es gibt keine Entschuldigung für das Verhalten dieser Männer, genau so wenig wie die brutalen Vorkommnisse während des G8 in Genua.

      • susi

        Nein. Diese Herren haben keine zweite Chance verdient. Die sind psychisch nicht stabil genug um diesen Job so auszuführen wie man es sich erwartet.

        Sie sollen sich umschulen lassen, aber auf jeden Fall sollen die nicht mehr als Staatsdiener gegen unschuldige Bürger vorgehen können und sie einschüchtern, bzw. sogar Gewalt anwenden.

        Absolut 0 Toleranz in solchen Fällen. Das sollte jedem bewußt sein, wenn die Beweislage wie in diesem Fall so eindeutig ist.

  • franz1

    Diese armen „Ordnungshüter“ ……. das war bereits Mitte der siebziger Jahre wo vor Gericht 2 Karpf als Zeugen angehört wurden – als Beteiligte – den Sachinhalt zwar verdreht hatten (lügten). Doch mit ihrem „Giuro“ vor dem damaligen Richter auch noch Recht bekamen.
    Daran wird sich bis heute nicht geändert haben?

  • watschi

    thefirestarter, ach die armen, haben sie sich aua gemacht? muss zugeben, dass mir der film gefallen hat. so sehr, dass ich ihn sogar öfters angeschaut habe. bei cips und einer guten flasche wein. sehr guter regiesseur.

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