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 „Das hat Konsequenzen“

Erneutes Kräftemessen zwischen dem Land und den Arbeitern von Solland Silicon: Letztere befinden sich offiziell im Streik und fordern eine Aussprache mit dem Landeshauptmann. Der droht mit rechtlichen Schritten.

von Karin Gamper

Zwischen 60 und 70 Tonnen Trichlorsilan lagern noch im Siliziumwerk in Sinich. Sie warten auf den Abtransport Richtung Deutschland und Frankreich. Dort befinden sich die einzigen zwei Abnahmestellen in Europa, die für solch hochgefährliche Materialien in Frage kommen. 200 Tonnen wurden seit Jahresbeginn bereits weggebracht.

Doch derzeit verlässt keine Lkw-Fracht mehr Solland Silicon. Die 58 Mitarbeiter, die laut Verfügung des Landeshauptmanns für die Sicherheit des insolventen Chemiewerks sorgen müssen,  dessen Entleerung vorantreiben sollen und dafür vom Land bezahlt werden, streiken. Sie sorgen nur noch für die Sicherheit der Anlage. Der Streik wurde am Montag von den Gewerkschaften formalisiert – trotz einer bereits erlassenen Zwangsverpflichtung zur Fortführung der Entleerung seitens des Landes (wir berichteten). Gleichzeitig fordern die Mitarbeiter – genauso wie das Ministerium für industrielle Entwicklung und Mitbieter MB Solar aus Singapur – einen Runden Tisch zur Wiedereröffnung des Werks. Die Richtung scheint klar: „Wir favorisieren die Übernahme der Anlage durch MB Solar, da diese den Betrieb in Sinich weiterführen will“, sagt Sprecher Raffaele Falasca. Das zweite Kaufangebot – jenes der Unternehmerfamilie Gostner – wird von den Arbeitern dagegen als „unrealistisch“ abgelehnt. Gostner, der gestern Rekurs gegen seinen Ausschluss eingereicht hat (siehe dazu auch Info-Kasten), wollte die Anlage abmontieren und im asiatischen Raum wieder aufbauen. 

Der neuerliche Arbeiter-Streik bei Solland ließ in der Landesregierung gestern die Wogen hochgehen. „Die Sicherheit und Entleerung des Werks kostet uns täglich eine Stange Geld, dass die Arbeiter jetzt noch Forderungen stellen, ist ungeheuerlich“, sagt Zivilschutzlandesrat Arnold Schuler aufgebracht. Es gebe eine schriftliche Vereinbarung. 

Auch Landeshauptmann Arno Kompatscher fand am Dienstag überaus deutliche Worte: „Wir haben keinen Ermessensspielraum mehr, das Gericht hat entschieden und damit Punkt“, sagte er bei seiner wöchentlichen Pressekonferenz.

Für die Landesregierung gebe es nichts mehr zu entscheiden und der Abbruch des Werks sei verordnet. Kompatscher: „Wer sich widersetzt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. Es ist nicht die Aufgabe der Mitarbeiter darüber zu entscheiden, welche Funktionen das Areal zu erfüllen hat“. Italien sei ein Land mit Gewaltenteilung. Entscheidungen von Gerichten seien daher auch von staatlichen Behörden zu respektieren. 

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