Du befindest dich hier: Home » Chronik » Der Hanfbauer

Der Hanfbauer

Ägidius Wellenzohn baut seit vier Jahren Nutzhanf an. Der Vinschger Biobauer über die vielen positiven Eigenschaften der Pflanze und die aktuelle Gesetzeslage.

von Karin Gamper

Der Fall sorgte im September 2017 für Aufsehen: mehrere Baumreihen einer Kortscher Apfelanlage waren von Unbekannten durch eine Überdosis Glyphosat traktiert worden. Die Obstwiese mit den bis dahin vollkommen naturbelassenen Apfelbäumen gehörte dem Vinschger Biobauern Ägidius Wellenzohn.  

Auf der Kortscher Wiese baut Wellenzohn heute Nutzhanf an. „Neben vielen anderen positiven Eigenschaften hat diese Pflanze nämlich auch die Fähigkeit den Boden zu reinigen. So wird Nutzhanf in Süditalien neben Industrieanlagen eingesetzt, um die Schwermetalle aus dem Boden zu ziehen. Oder in Tschernobyl, um die Radioaktivität zu neutralisieren“, weiß der Biobauer, der vor vier Jahren damit begonnen hat, erste Erfahrungen im Anbau von Nutzhanf zu sammeln. Zuerst nur in Glurns, nun auch in Kortsch. „Auf einer Fläche von insgesamt einem halben Hektar“, wie er erzählt. 

Mittlerweile hat er sich auf die Sorte Finola festgelegt. Sie gehört zu jenen zertifizierten Hanfplanzen, die von der EU für den landwirtschaftlichen Anbau zugelassen sind. „Sie haben einen THC-Anteil von weniger als 0,2 Prozent“, erklärt Wellenzohn. THC ist die psychoaktive Substanz des Hanfs. 

Ägidius Wellenzohn hat sich auf die Verarbeitung der Samen zu Speiseöl spezialisiert. In Kürze wird sein Nutzhanf mit dem Mähdrescher geerntet. Die Samen werden getrocknet und anschließend in Prad in der „Vinschger Ölmühle“ verarbeitet. „Dieses Speiseöl ist reich an Omega 3 und Omega 6 Fettsäuren, die darin in einem optimalen Verhältnis für den menschlichen Organismus vorkommen“, erklärt der Bio-Bauer. Das Öl wird in Naturkostläden vertrieben. Möglich wäre die Verarbeitung der gesamten Nutzhanfplanze: zu Textilien oder zu Dämmstoffen für die Bauwirtschaft. „Dafür fehlen in Südtirol jedoch leider noch die richtigen Geräte, wodurch das Ganze zu arbeitsintensiv ist“, sagt Wellenzohn. Zudem hat Nutzhanf auch medizinische Eingeschaften: „Hierfür wird der CBD-Wirkstoff im Hanf extrahiert“. CBD steht für Cannabidiol. „Auch dieses Verfahren ist  sehr kostenintensiv und zeitaufwändig“, so Wellenzohn, der deshalb davon abgesehen hat.

Nach einem kurzzeitigen Durcheinander infolge einer Gesetzesabänderung der Regierung Conte 1 ist der gesetzliche Rahmen jetzt wieder geklärt. Die von der EU zugelassenen Hanfsorten dürfen weiterhin angebaut werden. „Der Anbau muss nicht einmal mehr wie früher bei den Behörden gemeldet werden“, betont der Bio-Bauer. Allerdings muss der Anbauer bei den Stichproben-Kontrollen belegen können, dass er die Samen bei den zertifizierten Verkaufsstellen erworben hat. „Die Samen müssen außerdem jedes Jahr neu gekauft werden“, weiß Wellenzohn. Sie können nämlich bei Wiederverwertung einen höheren THC-Anteil aufweisen als erlaubt ist. Sämtliche Produkte können über Naturkostläden oder Hanfshops erstanden werden.

Dass die Begeisterung für Nutzhanf auch in Südtirol wächst, zeigen nicht zuletzt die vielen Besucher von Wellenzohns Führungen durch seine Plantagen. „Es kommen immer viele Interessierte“, freut sich der Biobauer.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentar abgeben

Du musst dich EINLOGGEN um einen Kommentar abzugeben.

2020 ® © Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH/Srl - Alle Rechte vorbehalten. Impressum | Datenschutz & AGB | Cookie Hinweis

Nach oben scrollen