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Romantik pur

Collegium Vocale Gent (Foto: Michiel Hendrycks)

Das Orchestre des Champs-Élysées aus Paris und das legendäre Collegium Vocale Gent unter der Leitung von Philippe Herreweghe gastieren im Kursaal.

 Bereitet die Kirchenmusik hier auf das sinfonische Schaffen vor? Anton Bruckner hat seine 18zur Einweihung der Votivkapelle des Linzer Domes komponierte e-Moll-Messe, mehrfach bearbeitet: So unterzieht er das Werk, das die archaische Einstimmigkeit des gregorianischen Chorals und die Vokalpolyphonie nach dem Vorbild Palestrinas mit einer romantisch gefärbten Harmonik verbindet, einer „rhythmischen Durchsicht“, bevor er es mit 41 Änderungen zu einer zweiten Fassung „restauriert“. 1873 folgt eine Sinfonie, die mit Zitaten aus der eigenen f-Moll-Messe, atemholenden Generalpausen und lyrischer Schönheit an die sakrale Vorgängerin anzuknüpfen scheint – und mit der sich der Kirchenmusiker im weltlichen Wien vorstellt.

Am 17. September interpretieren das von Philippe Herreweghe geleitete Orchestre des Champs-Élyséesaus Parisund das legendäre Collegium Vocale GentBruckners Messe in e-Moll und dessen 2. Sinfonie im Kursaal und gehen dabei ganz neue Wege. Mit Darmsaiten für die Streicher und Querflöten aus Holz entschlüsselt Philippe Herreweghe – ein Star der historisierenden Aufführungspraxis– Bruckners romantische Tonsprache. Das Konzert des südtirol festival merano . meran beginnt um 20.30 Uhr.

 Philippe Herreweghe wurde in Gent geboren und kombinierte dort sein Universitätsstudium mit einer musikalischen Ausbildung am Konservatorium. Mit seiner Interpretation barocker Musik machte er schnell auf sich aufmerksam. 1977 gründete er in Paris das Ensemble La Chapelle Royale, mit dem er Musik des französischen „Goldenen Zeitalters“ aufführte. Von 1982 bis 2002 war er künstlerischer Leiter der Académies Musicales de Saintes. In dieser Zeit gründete er mehrere Ensembles, mit denen er historisch angemessene Interpretationen des Repertoires von der Renaissance bis zur Gegenwartsmusik vorstellte.

 

Das Orchestre des Champs-Élyséesist die erste auf Originalinstrumenten spielende französische Formation von internationalem Renommee. Seit seiner Gründung im Juni 1991 durch Philippe Herreweghe hat sich das Ensemble der Erarbeitung des sinfonischen Repertoires von Klassik, Romantik und klassischer Moderne verschrieben, das auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse und mit den Mitteln einer um historische Stiltreue bemühten Aufführungspraxis einer Neuwertung unterzogen werden soll. Signifikant ist schon das Programm des ersten Konzerts, das in Poitiers und s im Pariser Théâtre des Champs-Élysées gegeben wurde: „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Mit diesem Debüt legte das Orchestre des Champs-Élysées das Fundament zu einer internationalen Karriere. Neben Herreweghe, der dem Orchester bis heute als künstlerischer Leiter vorsteht und seine nicht selten preisgekrönten CD-Einspielungen betreut, stehen in jüngerer Zeit auch Gastdirigenten am Pult: unter ihnen Daniel Harding, Louis Langrée, Christophe Coin oder René Jacobs.

Das Collegium Vocale Gent wurde 1970 auf Initiative von Philippe Herreweghe von einer Gruppe von Freunden gegründet, die an der Universität von Gent studierten. Sie bildeten eines der ersten Ensembles, das neue Ideen zur barocken Aufführungspraxis in der Vokalmusik einbrachte. Ihr authentischer, textorientierter und phrasierender Ansatz verlieh dem Ensemble den transparenten Sound, mit dem es Weltruhm erlangte und in bedeutenden Konzertsälen sowie auf Musikfestivals in Europa und den USA, in Russland, Südamerika, Japan, Hongkong und Australien auftrat. Seit 2017 betreibt das Ensemble das eigene Sommerfestival „Collegium Vocale Crete Senesi“ in der Toskana. Das Collegium Vocale Gent hat sich zu einem äußerst flexiblen Ensemble entwickelt, dessen breites Repertoire eine Vielzahl unterschiedlicher Stilrichtungen umfasst. Unter der Leitung von Philippe Herreweghe hat der Chor eine beeindruckende Diskographie mit mehr als 100 Aufnahmen – vor allem bei Harmonia Mundi France und Virgin Classics – vorgelegt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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