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Der Abhör-Krimi

Die Süd-Tiroler Freiheit vermutet nach einem Vorfall, am Landtagstelefon abgehört zu werden. Der Landtag schließt die eigene Telefonanlage als Erklärungsgrund aus. Die STF macht jetzt eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

von Heinrich Schwarz

Ende Juni gab es bei der Süd-Tiroler Freiheit einen Vorfall, der die Bewegung gleich vermuten ließ, dass die Telefone der Landtagsfraktionen abgehört werden. Die Süd-Tiroler Freiheit schildert das Vorgefallene so:

Am Mittwoch, den 26. Juni 2019 gegen 12.00 Uhr rief ein Mitarbeiter des Landtagsklubs der Süd-Tiroler Freiheit vom Büro aus den Landtagsabgeordneten Sven Knoll unter seiner Mobilfunknummer an. Nach knapp drei Minuten wurde die Telefonverbindung unterbrochen. Knoll legte daraufhin auf, weil er nichts mehr hörte. Der Mitarbeiter legte jedoch nicht auf, denn er hörte plötzlich die Wiederholung des Telefongesprächs.

Zu hören war allerdings nur jeweils der Passus des Abgeordneten, nicht des Mitarbeiters. Die knapp dreiminütige Wiederholung war zudem nicht nur einmal, sondern ca. 15 Mal – über eine Dreiviertelstunde lang – zu hören.

Während dieser Zeit rief der Mitarbeiter mit seinem Mobiltelefon den Landtagsabgeordneten unter derselben Nummer wie vorhin an, damit sich dieser die schier endlosschleifenmäßige Abspielung des soeben stattgefundenen Telefongesprächs selbst anhören konnte. Den Telefonhörer legte der Mitarbeiter erst auf, als er nichts mehr hörte und auf dem Display die Aufforderung zum Auflegen des Hörers erschien. Der Mitarbeiter hat das Geschehene filmisch festgehalten.

Die Süd-Tiroler Freiheit reichte umgehend eine Landtagsfrage ein. Die zentrale Frage: Werden die Telefone der Landtagsfraktionen abgehört?

Jetzt ist die Antwort von Landtagspräsident Josef Noggler da. Er schreibt: „In Zusammenarbeit mit der Firma BVG Communication Technologies GmbH wurde nach eingehenden Überprüfungen (im Rahmen unserer Möglichkeiten und unter Einhaltung der geltenden Gesetze, z.B. Privacy etc.) festgestellt, dass unsere verwendete Telefonie-Lösung (Telefonanlage mit XPhone Connect Client) das von Ihnen geschilderte Problem nicht ausgelöst hat.“

Die Telefonie-Lösung des Landtages verfüge aktuell nicht über die notwendigen Lizenzen und Software bzw. über die technische Einrichtung, um Sprachaufnahmen überhaupt zu ermöglichen, erklärt Noggler.

„Laut Einschätzung der Firma“, so der Landtagspräsident, „wird der etwaige Fehler auf dem „Carrierweg“ (Netzbetreiber, Anm. d. Red.) – Fastweb und österreichischer Handynetz-Provider (Sven Knoll hat eine österreichische Handynummer, Anm. d. Red.) – extern entstanden sein.“

Noggler fügt hinzu: „Auch beim Provider ist eine Abhörung schwer vorstellbar, denn das Gespräch wäre dann in die Leitung ja wieder eingespielt worden. Und das ist technisch ein komplett anderer Ablauf wie das Abhören und kann nahezu nicht durch einen Fehler passiert sein.“

Sven Knoll leitet jetzt rechtliche Schritte ein: „Wir werden kommende Woche eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einreichen.“

Der Abgeordnete erklärt: „Der Präsident schließt technisch aus, dass der Vorfall durch die Telefonanlage des Landtages zustande kam. Deshalb muss es einen anderen Hintergrund geben. Und nachdem dasselbe auch schon einmal von meiner Festnetznummer in Schenna aus passierte, glauben wir, dass es effektiv daran liegt, dass die Telefone der Landtagsfraktionen abgehört werden. Da das ganze Gespräch mehrmals zu hören war, muss es irgendwo aufgezeichnet worden sein.“

Über den „Täter“ kann Sven Knoll nur spekulieren – und nennt Geheimdienste als Möglichkeit.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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