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Zu wenig Lehrer

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Mehr als 800 Stellen mussten von Südtirols Schuldirektoren nach der Stellenwahl nachbesetzt werden. Das große Problem: In vielen Fächern fehlen qualifizierte Lehrer.

von Lisi Lang

Der Lehrermangel ist in Südtirol seit Jahren ein großes Thema – und die Situation will einfach nicht besser werden: Mehr als 800 Stellen mussten Südtirols Schuldirektoren und Direktorinnen auch heuer wieder direkt vergeben – weil diese Stellen über die Online-Stellenwahl nicht besetzt werden konnten.

Erstmals wurde die Stellenwahl heuer online abgewickelt. Das hat gar einige Neuerungen mit sich gebracht, denn die 2.500 Positionen wurden in drei Schritten und deutlich früher als in den letzten Jahren vergeben. Man wollte dadurch vermeiden, dass Lehrer erst kurz vor Schulbeginn erfahren, wo ihre künftige Arbeitsstelle sein wird. „Der neue Modus ist recht gut angekommen, Lehrer und Direktoren waren jedenfalls zufrieden“, erklärt Wolfgang Oberparleiter, Direktor im Amt für Kindergarten- und Schulverwaltung.

Von den 2.500 Posten konnten über diesen Modus allerdings mehr als 800 Stellen nicht besetzt werden. Bis Schulbeginn konnten die Direktoren aber beinahe alle freien Stellen nachbesetzen. Die Direktoren hatten dafür im Vergleich zu den letzten Schuljahren auch fast zwei Wochen länger Zeit.

Nur rund 30-40 Stellen scheinen derzeit offen auf. „Einige wenige Stellen sind noch nicht mit einem Arbeitsvertrag verknüpft, das kann aber auch technische Gründe haben“, erläutert Oberparleiter.

Die Situation ist aktuell also nicht unbedingt problematisch, dennoch stehen die Direktoren jährlich vor der Herausforderung, qualifizierte Personen für die offenen Stellen zu finden. „Vor allem in gewissen Fächern und auch in einigen Bezirken haben die Direktoren jährlich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen“, weiß Wolfgang Oberparleiter. Dazu kommen ungeplante Situationen während des Schuljahres wie beispielsweise Ausfälle aufgrund von Krankheiten.

Angebot und Nachfrage variiert in einigen Fächern sehr stark. „In Musik, BWL oder angewandte Mathematik gibt es beispielsweise sehr lange Ranglisten, aber nicht so viele Stellen“, erklärt der Amtsdirektor. Allein im Fach Musiktheorie gibt es mehr als 100 Lehrpersonen in der Rangliste, in der Oberstufe wurde aber keine einzige Stelle vergeben und in der Mittelschule waren es nur rund 30 Stellen.

Umgekehrt finden die Schulen vor allem in den technischen Fächern sehr schwer Personal. „Die Technischen Fachoberschulen haben genau wie der Arbeitsmarkt Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu finden“, weiß Oberparleiter. Aber auch im Fach Integration, wo vor kurzem eine neue Ausbildung gestartet wurde, fehlen beispielsweise noch rund 80 qualifizierte Lehrpersonen.

Aber nicht nur bei den Fächern gibt es große Unterschiede, auch die Lage der Schule hat einen Einfluss auf diese Problematik. Schulen in der Stadt finden nämlich nach wie vor leichter Lehrpersonen, als Schulen auf dem Land.

Wird sich dieser Lehrermangel in den nächsten Jahren noch weiter verschlimmern? „In den letzten Jahren sind mehr Lehrpersonen in Pension gegangen, als junge nachgekommen sind – in den Grundschulen können daher aktuell 300 Stellen nicht durch lehrbefähigtes Personal besetzt werden“, erläutert der Amtsdirektor. Man habe zwar versucht, so Oberparleiter, die Ausbildungsplätze aufzustocken, allerdings bleiben einige Studienplätze unbesetzt.

Hinzu kommt, dass bei den Kursen für die Spezialisierungen für Mittel- und Oberschulen immer wieder die Ausbildungskriterien in Rom abgeändert werden. „Aktuell weiß man wieder einmal nicht, wie es weitergeht. Südtirol hat zwar autonome Kompetenzen, aber es braucht einfach Vorlaufzeit und wenn ständig die Rahmenbedingungen abgeändert werden, kann man keine sichere Ausbildung anbieten“, unterstreicht der Direktor im Amt für Kindergarten- und Schulverwaltung.

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Kommentare (6)

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  • meinemeinung

    die Jammerer ,aber Frühpensionierungen und Pensions Nachzahlungen das die Lehrer mit 50 Jahre und ein wenig in Pension gehen können wird verschwiegen, Auszeiten und Leerjahre usw. alles Forderungen der Gewerkschaften der Lehrer und Lehr – und Kindergartenpersonal.
    Jammern aber alles selbst herbeigeführt mit sämtliche Privilegien.

  • sougeatsnet

    @meinemeinung Frühr war das wirklich so, wie das jetzt gehen soll ist mir schleierhaft. Wenn jemand ein Studium macht ist er/sie 24/25 Jahre, kann dann 4 oder 5 Jahre zurückkaufen (nur Pension 5000€/Jahr, keine Abfertigung) und gehtdann mit 43 Dienstjahren dh. mit 63 Jahren in Pension (frühestens). Ursache der frühen Pensionierungen war die Mehrbewertung, welche es nur in der Grundschule gab.

  • meinemeinung

    wenn Lehrer mit 52 -55 Jahre in Pension gehen dann ist das System faul , es wird irgend welche Schlupflöcher geben ,dass Lehrer/innen so früh gehen, ich kenne einige Persönlich und muss sagen wenn ich die Möglichkeit hätten würde ich auch gehen ,aber das gejammere dieser Lehrer/innen – Direktoren/innen ist zum kotzen.

  • george

    @meinemeinung
    Sie habe keine Ahnung von der heutigen Sitaution. Früher mag es wohl in manchen Unterrrichtsstufen wie dem Kindergarten und der Volksschule so gewesen sein, wie Sie es darlegen, niemals aber in der Oberstufe. Dazu ist diese Situation längst schon Vergangenheit und Sie verbreiten immer noch die alten Geschichten. Lehrer und Direktoren müssen heutzutage gleich viel Dienstjahre machen wie die meisten anderen Arbeits- und Angestelltenkategorien.

  • cicero

    Aber dass viele Unterrichtsstunden in den Ausspeisungen bei der Aufsicht verplempert werden, das wird wohl stimmen. Und dafüt braucht es die Uni? Lachhaft.

  • george

    Aufsicht der Schüler ist nun einmal auch eine Aufgabe der Lehrer, wenn auch eine lästige.

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