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„Wohin gehen wir?“

Melanie Mair (STF)

Zum Tag der Autonomie am 5. September fragt sich Melanie Mair von der Jungen Süd-Tiroler Freiheit: Assimilation statt Konfrontation – Wo führt uns dieser Weg hin?

Der 5. September werde von vielen Seiten in Südtirol als „Tag der Autonomie“ gefeiert wird. Oft werde von der „weltbesten“ Autonomie gesprochen. „Aber mit wachsamem Auge betrachtet ist eines glasklar: Unsere Autonomie wird immer weiter versucht aufzuweichen, sowohl vom italienischen Staat als auch von unseren eigenen politischen Vertretern“, ist die Vize-Landesjugendsprecherin der Süd-Tiroler Freiheit, Melanie Mair, überzeugt.

Vor genau 73 Jahren haben der österreichische Außenminister Gruber und der italienische Ministerpräsident Degasperi das Pariser Abkommen unterzeichnet, das Gruber-Degasperi-Abkommen.

Dazu schreibt Melanie Mair:

Durch dieses Abkommen hat man versucht, eine friedliche Konfliktlösung in der Südtirol-Problematik zwischen Italien und Österreich durch eine Autonomie herbeizuführen. Allerdings gab es einiges zu bemängeln.

Zum einen waren einige Formulierungen zu vage gewählt wie etwa ,frame‘ in Bezug auf den territorialen Rahmen des Autonomiegebietes und ,consultation‘, das Südtirol nur ein Recht auf Beratung in der Ausarbeitung des Autonomiestatutes zusprach und somit keine Möglichkeit zur Durchsetzung der eigenen Rechtsstandpunkte gab. Zum anderen wurde die Ausarbeitung des Autonomiestatuts in die Hände der Italienischen Verfassungsgebenden Versammlung gegeben, in der kein Südtiroler vertreten war.

Das Gravierendste an diesem Abkommen ist jedoch die Tatsache, dass somit die Grenzziehung am Brenner akzeptiert wurde und die Chance, das Recht auf Selbstbestimmung geltend zu machen, in weite Ferne rückte.“

Heute werde immer wieder von der „weltbesten“ Autonomie gesprochen und dass der Grundstein dafür genau dieses Abkommen war.

Melanie Mair von der Jungen STF bezweifelt dies.

Sie schreibt weiter:

Ist das wirklich der Fall?

In einem Land, wo viele Bestimmungen einfach nicht eingehalten werden und unser Autonomiestatut folglich ausgehöhlt wird? Wo der Zweisprachigkeitspflicht häufig nicht nachgekommen wird, wie etwa in den Krankenhäusern, wo sich Patient und Arzt in der Folge oftmals nicht verstehen. Wo immer öfter verlangt wird, das Proporzsystem in den öffentlichen Ämtern abzuschaffen. Wo mit verschiedensten Mitteln versucht wird, Sprachexperimente bis hin zu mehrsprachigen Schulen einzuführen. Vieles geht vom italienischen Staat aus, vieles auch von unseren eigenen politischen Vertretern.

In Bezug auf unsere eigenen Vertreter muss man sich infolgedessen fragen: Wo führt uns dieser Weg hin? Wenn wir selbst immer mehr von dem aufgeben, was zu unserem Schutz erlassen wurde? Zum Erhalt der eigenen Sprache, Kultur und Identität. Zum Schutz der deutsch- und ladinischsprachigen Minderheit in einem fremden Staat.

Durch unsere Nachgiebigkeit, oft aus dem Grund einem vermeintlich friedlichen Zusammenleben der Sprachgruppen Genüge zu tun, beginnen wir selbst, unsere hart erkämpfte Autonomie aufzugeben. Die Bestimmungen aufzuweichen, die aus gerechtfertigter Intention ihren Platz in unserem Autonomiestatut finden − damit unsere Zukunft im deutschen Süden Tirols gesichert ist.

Es ist leichter, sich der Masse anzupassen, anstatt dagegenzuhalten: Assimilation statt Konfrontation. Aber wie bereits ein anerkannter Schriftsteller und Historiker aus dem 18. Jahrhundert pflegte zu sagen, verliert man sich schleichend selbst, wenn man sich einem fremden Geist beginnt zu fügen.

Für die eigenen Rechte einzustehen, erfordert Einsatz, Engagement und Mut. Aber eines ist gewiss: Es zahlt sich aus − unserer schönen Heimat Südtirol, ihrer Kultur, Sprache und ihren Menschen zuliebe.“

 

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (14)

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  • goeggler

    Oje, immer wieder diese alten Parolen. Kultur, Sprache, blablabla… fremder Staat….

    Besser setzt Ihr euch ein dass jeder Englisch lernt – dann kann man sich mit Jedem unterhalten.
    Für mehr oder bessere Bildung wird sich die STF wohl nicht gern einsetzen dann verlieren sie Ihre eigenen Wähler.

    Der Erhalt der Sprache, Kultur usw. soll euch wichtig sein aber der Erhalt der Umwelt und der Natur scheint bei euch kein Thema zu sein…

  • silverdarkline

    Frau Mair, ich möchte hier nur etwas zur mehrsprachigen Schule loswerden. Heutzutage ist es sehr wichtig, dass mehrere Sprachen beherrscht werden, eine mehrsprachige Schule würde ich mir wünschen. Das gab es zu meiner Zeit nicht, ich habe mir die Zweitsprache anderweitig beibringen müssen, da man sie nun mal beherrschen muss, wenn man im Berufsleben weiterkommen will, dasselbe gilt für Englisch. Wir leben nun mal nicht mehr abgeschottet zwischen den Bergen und müssen uns an die Gegebenheiten anpassen, so ist das nun mal. Sie sind noch so jung, möchten Sie Ihren Kindern später mal die Zukunft verbauen durch das sture Festhalten an alten Denkweisen? Ich nicht.

    • cif

      Man verbaut niemandem die Zukunft, weil es keinen mehrsprachigen Unterricht gibt. Wenn ihnen daran liegt, dass ihre Kinder mehrsprachig werden, dann sind sie verantwortlich dafür ,nicht die Politik.

      • silverdarkline

        Man sollte sich aber auch nicht mit Händen und Füssen dagegen wehren, wie es mit den Italienischkenntnissen, vor allem bei der ländlichen Bevölkerung ausschaut, das ist ja zum Schämen. Mich würde mal interessieren wie gewisse Landtagsabgeordnete die italienische Sprache beherrschen, da würden einem wohl die Haare zu Berge stehen. Kein „Alto Adige“ aber fleißig „walsches“ Geld einstecken, ohne mit der Wimper zu zucken. Sind solche Leute etwa glaubwürdig?

      • kurt

        @cif
        Wohl Politiker oder ????,denn die haben nie die Schuld .

  • mannik

    Slogans, nichts als Slogans.

  • latemarbz

    Es ist nur zu staunen, wie das junge Mädl bei einem Schriftsteller und Historiker aus dem 18. Jahrhundert hängen geblieben ist! Voller Nationalismus!
    Sicher ist die Südtiroler Autonomie nicht die beste. Bessere gibt es sicher in Grönland und Färöer-Inseln bzgl Dänemark und Aland-Inseln von Finnland, oder die Jersey-Inseln von der Britischen Krone. Haben aber alle weniger Einwohner und sind vom Fest-(Mutter-)-Land distanziert.
    Dafür, dass wir an der Haupt-Alpen-Transit-Achse liegen und schon vorher mit dem Trentino zusammen waren, ist unsere schon sehr gut. Sie ist auch noch ausbaufähig – aber nicht nur, wie es die SVP will. Aber es braucht keine Assimilation, sondern nur eine Integration; aber schon gar nicht eine Konfrontation! Mädel möchtest du den dritten Weltkrieg um zum Vaterland zurückkehren zu können?

  • marionw.

    Ich fühle mich nicht assimiliert! In Südtirol kann heute jeder die Sprache verwenden, die er möchte und jene Traditionen pflegen, die ihm wichtig sind! Was soll die ewige Forderung nach Wiederherstellung eines Zustandes, der mittlerweile schon mehr als 100 Geschichte ist???

  • andi182

    Willkommen im braunen Alltag

  • oldladin

    Frau Mair will in Namen der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler die mehrsprachige Schule abwehren.

    Frau Mair soll sich infomieren:
    die Ladiner haben seit 1948 eine mehrsprachige Schule, und sie hat sich bewährt.

    • suedtirolermadl

      Wenn man es genau nimmt, steht im Text der Vertreterin der Jungen Süd-Tiroler Freiheit eigentlich nicht, dass in den ladinisch-sprachigen Ortschaften mehrsprachige Schulen abgeschafft bzw. verwehrt werden sollen. Es wird meiner Ansicht nach kurz auf die Einhaltung der Bestimmung im Autonomiestatut Bezug genommen, die sich auf das deutsche und italienische Schulsystem bezieht, wo das Recht auf den Unterricht in der Muttersprache geregelt ist. Das ladinische Schulsystem ist ja ein anderes paar Schuhe, auf das hier aber nicht explizit Bezug genommen wird. Das möchte ich korrekterweise nur anmerken 😉
      Ob jetzt mehrsprachige Schulen, generell gesehen, positiv oder negativ sind, darauf will ich hier gar nicht eingehen.

  • andi182

    Wenn das die Zukunft Südtirols ist.
    Braun? Statt Weltoffen . Dann gute Nacht

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