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„Kein Bedarf“

Das WIFO hat festgestellt, dass das Potenzial für einen Güterverkehrsterminal im Land nicht gegeben ist.

Kürzlich wurde von Seiten des Landeshauptmanns die mögliche Einrichtung eines Güterverkehrsterminals in Branzoll angedacht. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung hat bereits im Jahr 2017 das Güterverkehrsaufkommen in Südtirol untersucht und festgestellt, dass das Potenzial für einen Güterverkehrsterminal im Land nicht gegeben ist.

Der WIFO – Bericht liefert einen Überblick über den Warenverkehr in Südtirol mit dem Fokus auf den Quell- und Zielverkehr zwischen Südtirol und anderen Gebieten Europas. Zudem wurden die Südtiroler Speditionsunternehmen zu ihren Einschätzungen zu einem Güterterminal befragt.

„Das Potenzial für einen eigenen Güterverkehrsterminal ist unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Südtirol nicht gegeben. Angesichts der zunehmenden Einschränkungen für den Warenverkehr auf der Straße ist es allerdings notwendig darüber zu diskutieren, wie der Warenaustausch für die Südtiroler Wirtschaft auch in Zukunft gewährleistet werden kann“, so Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen.

Der Quell- bzw. Zielverkehr von und nach Südtirol beträgt jeweils etwa 2.400 LKW-Fahrten pro Arbeitstag, wobei der Warenverkehr mit den italienischen Regionen etwa 60 Prozent und jener mit Regionen nördlich der Alpen etwa 40 Prozent beträgt. Rund 70 Prozent des Warenaustausches erfolgt mit Gebieten, die innerhalb eines Radius von 300 km Entfernung liegen. Einige der wenigen Ausnahmen für entferntere Gebiete mit einem erhöhten Warenaustausch mit Südtirol sind die Landkreise bzw. Kreisstädte Köln, Arnsberg und Hannover im Norden Deutschlands.

„Generell liegt das Potenzial für einen Güterterminal vor, wenn in Bezug auf den Gütertransport genügend Punkt-zu-Punkt Verbindungen mit einem ausreichenden Warenaufkommen in beide Richtungen vorhanden sind“, informiert Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen: „Der kombinierte Warentransport mit der Bahn gilt dabei ab einer Distanz von 300 km als wirtschaftlich sinnvoll und durchführbar. Zusätzlich benötigt ein solches Projekt die Akzeptanz der im Güterverkehr tätigen Unternehmen.“

Die Ergebnisse der Befragung unter Südtirols Speditionsunternehmen zeigen, dass über ein Viertel der Unternehmen die Bahn für den Gütertransport nutzen. Bei den Speditionsunternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten sind es sogar zwei Drittel.

Das Interesse an einem eigenen Güterterminal in Südtirol fällt jedoch verhalten aus: Nur ein Fünftel der Speditionsunternehmen würde die Leistungen eines Südtiroler Güterterminals in Anspruch nehmen. Bei Betrieben mit 50 und mehr Beschäftigten würde dies gar nur eines von zehn Unternehmen tun. Als möglichen Standort sprechen sich etwa zwei Drittel der Befürworter für den Raum Bozen oder südlicher aus, während ein Drittel der Befürworter eine nördlichere Variante im Wipptal oder Raum Brixen bevorzugen würden.

Aus den Ergebnissen lassen sich – immer laut WIFO  folgende Schlussfolgerungen ableiten:

„In Südtirol erfolgt der Großteil des Warenaustausches mit umliegenden Regionen und nur ein relativ kleiner Teil mit Gebieten, die mehr als 300 km von Südtirol entfernt sind. Ein ausreichendes Warenaufkommen mit weiter entfernten Destinationen scheint in Südtirol demnach nicht gegeben zu sein. Zusätzlich sehen die Speditionsunternehmen des Landes einen Güterverkehrsterminal kritisch. Hinzu kommen unklare Präferenzen für einen möglichen Standort des Terminals.“

Aufgrund dieser Überlegungen sei das Potenzial für einen eigenen Güterverkehrsterminal unter den derzeitigen Rahmenbedingungen in Südtirol nicht gegeben. Angesichts der zunehmenden Einschränkungen für den Warenverkehr auf der Straße sei es allerdings notwendig darüber zu diskutieren, wie der Warenaustausch für die Südtiroler Wirtschaft auch in Zukunft gewährleistet werden kann, so das WIFO.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (5)

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  • leser

    Wenn man das dann genauer interpretiert ist der BBT für die fische ausser strabag steckt milliarden ein
    Und ein paar SVP nahe soldaten haben einen super job

  • sigmundkripp

    So ein Güterterminal bzw. intermodaler Verladebahnhof könnte eine regionale Aufgabe sein: Mit Trient zusammen, etwa dort im Norden der Stadt.

  • george

    Die Aussagen in diesem Artikel sind in sich völlig einander widersprüchlich. Aus dieser Analyse hört man eine Reihe von Ausreden heraus, die eigentlich nur versuchen ja nichts in die Verlegung der Transporte von der Straße auf die Schiene tun zu müssen. Das schöne Gerede vom BBT und von Schienentransport der Güter rutscht bei all diesen Herren in Sonntagsreden heraus und bleibt rein eine leere Floskel, solange sie nicht durch eine andere Politik gezwungen werden, wirklich eine andere Transportform zu betreiben und unsere engen Täler und Bewohner dort vor all diesen tagtäglichen gesundheitsschädlichen Überbelastungen zu schonen bzw. die Folgekosten daraus zahlen müssen.

  • andreas

    @george
    Wo siehst du einen Widerspruch?
    Laut Artikel wäre es für täglich ca. 750 LKW Ladungen interessant.
    Ab welcher Menge ist ein Güterverkehrsterminal sinnvoll bzw. rentabel?

    So wie ich dich kenne, weißt du das aber auch nicht.

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