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Das Versprechen

Der Impf-Krieg spitzt sich zu: Südtirols Spitzenpolitiker hatten stets versichert, dass keine Kinder aus dem Kindergarten ausgeschlossen werden. Dieses Versprechen können sie nicht halten. Und: Im Herbst befürchtet man in Kindergärten und Kitas dramatische Situationen. 

von Silke Hinterwaldner

In dieser Situation kann sogar ein eloquenter Politiker wie Philipp Achammer in Erklärungsnot geraten. Am 13. April um 9.17 Uhr twitterte er folgenden Satz: „Es wird mit mir als Landesrat keine Ausschlüsse im Kindergarten geben.“

Jetzt aber, nur 15 Monate später, ist genau das eingetreten. In ihre Sitzung am Dienstag musste die Landesregierung beschließen, dass jene Kinder, die nicht alle vorgeschriebenen zehn Pflichtimpfungen oder zumindest einen vorgemerkten Termin für das Impfgespräch haben, aus Kindergarten und Kita ausgeschlossen werden.

„Wir haben keinen Spielraum mehr“, sagt Bildungslandesrat Achammer, „sobald der Punkt erreicht ist, an dem alle Versuche gescheitert sind, muss man ehrlich sein und den Menschen sagen, was los ist.“ Aber alles, was in der Vergangenheit versprochen, unternommen und diskutiert wurde, seien durchaus nicht nur leere Worte gewesen, sondern ein aufrichtiges Bemühen, einen Ausweg aus der vertrackten Situation zu finden.

Dabei, das haben sowohl Landeshauptmann Arno Kompatscher als auch Landesrat Achammer stets betont, war es stets die Stoßrichtung, die Durchimpfungsraten zu erhöhen. Nur die Mittel und Wege, um eine höhere Rate zu erreichen, waren Gegenstand der Diskussion. In Südtirol wollte man mit Überzeugungsarbeit skeptische Eltern davon überzeugen ihre Kinder auch etwa gegen Mumps, Masern und Röteln zu impfen, unter anderem mit der automatischen Vormerkung für alle Kinder. Aber weder Überzeugungsarbeit noch automatische Vormerkung haben zu einem durchschlagenden Erfolg geführt.

Allein in den deutschsprachigen Kindergärten sind 878 Kinder immer noch nicht in Ordnung. Das bedeutet: in einem durchschnittlich großen Kindergarten mit 50 Kindern müssten nach heutigen Stand drei bis vier Kinder ausgeschlossen werden.

Dazu kommt: Jene Eltern, die einen Termin für die Impfung ihrer Kinder vormerken, ihn dann aber nicht wahrnehmen, fallen bei dieser Rechnung noch durch den Rost. Sie sind formell in Ordnung, so lange der Termin steht.

Das bedeutet: Ihre Kinder können im Herbst Kindergarten und Kita besuchen, aber sobald der Termin nicht wahrgenommen wird, müssen sie mitten im Kindergartenjahr ausgeschlossen werden (auch wenn davon auszugehen ist, dass diese Prozedur einiges an Zeit in Anspruch nehmen wird).

Direkt an der Front müssen jene Frauen arbeiten, denen der Impfstatus der Kinder relativ egal sein dürfte: die Kindergärtnerinnen und Kinderbetreuerinnen. Sie sind es, die sich in direktem Kontakt mit den Eltern befinden und wohl immer und immer wieder erklären müssen, warum die Kinder ohne Impfung nicht mehr herkommen dürfen.

Mit Schrecken denken heute schon viele von ihnen darüber nach, wie der Start in das Kindergartenjahr wohl heuer verlaufen wird. Zu erwarten sind vielerorts dramatische Situationen, Aktionen von erklärten Impfgegnern und Streit oder politische Aktionen an der Eingangstür zum Kindergarten.

„Eine sehr problematische Situation“, sagt auch Landesrat Achammer.   Aber Südtirol sind die Hände gebunden, auch die Autonomie gibt dem Land hier nicht mehr Spielraum als anderen Regionen. Bis zuletzt hatte man lediglich die Hoffnung, dass die Regierung in Rom bei dieser Diskussion doch noch zu einem Kompromiss bereit sein könnte: nur eine Impfung zur Pflicht zu machen oder auf drastische Maßnahmen wie den Ausschluss doch noch zu verzichten.

„Ich bin erklärter Impf-Befürworter“, sagt Philipp Achammer, „wir müssen die Durchimpfungsraten erhöhen.“ Aber die Art uns Weise wie die Politik in Rom das durchsetzen will, gefällt ihm nach wie vor nicht.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (21)

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  • jennewein

    In einer demokratie ist es halt so dass für alle gleiche rechte und gleiche pflichten gelten.
    Die impfgegner leben auf kosten der andern das kann es nicht sein.
    Würden alle nicht impfen dann wären wir was krankheiten anbelangt wieder im mittelalter.

    • yannis

      der Lachammer hat eben schon im April 2018 zur Wahl im Herbst desselben Jahres des Jahres im „Teich“ der Impfgegner zu fischen begonnen, wieviele davon wohl angebissen haben ??

    • yannis

      Ach und ganz nebenbei, was ist schlimmer ein Impfgegener oder ein Politiker der notorisch lügt ?

    • hopasak

      Sry, aber bevor man so einen Schmäh von sich gibt, bitte vorher informieren.
      Es gibt Fakten, die eine andere Sprache sprechen.
      Eine Demokratie gibt Rechte und Pflichten vor, allerdings keine mutmaßlichen Zwänge zum persönlichen Bereichern der Pharmaindustrie und einiger weniger (mehrerer) Personen!
      Impfgegner leben auf Kosten der anderen … selten so eine dumme Aussage gehört!

      • flizzer

        hopasak: na dann schieß mal los mit deinen „Fakten“ (Kriterum: Keine Youtube-Videos, Verschwörungstheorien und irgendwelche Aluhut-Wunderheiler).

        Zwänge zur „persönlichen Bereicherung der Pharmaindustrie…“? Simple Frage zum Nachdenken: Was bringt der Pharmaindustrie mehr – gesunde Menschen oder kranke Menschen? und C) Globulijünger

        Ja was machen die Impfverweigerungsdeppen denn sonst – hier wurde sogar vergessen dass sie eine Gefahr für Menschen darstellen, die sich nicht impfen lassen können!

        Ich hoffe dass beim ersten Kindergartentag meiner Tochter kein Anti-Impf-Lappen vor der Eingangstür steht – ansonsten kann es sein dass sein Plakat im Rauch aufgeht…

        • hopasak

          Traurig, traurig … auch Sie, Herr/Frau Flizzer, können nur mit Beleidigungen.
          Gesunde oder kranke Menschen … Gegenfrage: Ist die Einnahme von Pharmaka eine Garantie zur Gesundheit, zum Allerheilmittel, …?
          Es gilt auch für Sie: zuerst informieren und dann schwafeln. Schönen Sommer!

          • flizzer

            Wo hab ich denn beleidigt?

            Naja, wenn Sie Statistiken lesen können, dann hilft die Impfung (oder einnahme von Pharmaka) bei Krankheiten etc. Garantie gibt es natürlich keine, wie auch sonst im Leben für nix – außer fürs Sterben.

            Ich warte aber noch immer auf die „Fakten“ und „Statistiken“ und und und….

            Ein laues Lüftchen starten lassen und dann gleich den Schwanz einziehen…

          • markp.

            @flizzer diese Ihre Worte hier sind Beleidigungen:

            -Impfverweigerungsdeppen
            -Anti-Impf-Lappen

            Man kann ja gerne eine andere Meinung haben, aber beleidigen muß nicht sein, wenn man ernst genommen werden will.

          • andreas

            @hopasak
            Durch Pharmaka wurde die durchschnittliche Lebenserwartung in den letzten ca. 50 Jahren signifikant erhöht, auch wenn diese nicht immer zu 100% wirken.
            Aber frag mal deinen Schamanen, nicht mal der wird das ernsthaft bestreiten. 🙂

        • cif

          @flizzer, ihnen ist schon klar, dass kranke Menschen der Pharmaindustrie mehr Gewinn bringen als gesunde Menschen. Warum sollte also Interesse bestehen , Impfdosen zu verkaufen?

        • hopasak

          Es wirken anscheinend die Pharmaka …

        • hopasak

          … ach, der andreas :-)))) der Alleswisser in jedem Bereich, der Profi schlechthin …
          Politik, Wirtschaft, Gesundheit, u. v. m.
          Bin erstaunt!

          • flizzer

            @marcP stimmt – das tut mir leid, aber bei dem Thema, tut mir leid, sind manche Menschen einfach DUMM! Und die meinen dann noch andere belehren zu müssen!

            @hopasak: noch immer fehlen die Fakten! Andreas hat mal den Anfang gemacht, die Antiimpfungsfakten fehlen noch.

        • hopasak

          Die Impfungen bestehen seit ca. 50 Jahren. Wie hat die Menschheit wohl vorher überlebt …?
          Ich nehme an, dass Sie geimpft sind und das in einer Regelmäßigkeit, denn nur dann wirken Impfungen, speziell im Erwachsenenalter!
          Impfen bedeutet nicht gleich gesund …
          Weshalb machen Sie sich Sorgen wegen der Impfgegner? Sie sind ja geschützt und geimpft …

  • kritiker

    Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass. Das denken die Südtiroler Politiker.

  • keinpolitiker

    Häää, haben Südtirols Politiker, oder besser gesagt, alle Politiker jemals ein Versprechen gehalten??????

    Diese Nachricht ist doch nichts Neues, abwohl ich auch der Meinung bin, es sollten alle geimpft werden.

  • annamaria

    Leere Versprechungen!
    Dann wird das Gesetz geändert um Impfungen zu reduzieren, können diese Kinder dann wieder in den Kindergarten?

  • yannis

    Und das Geile dabei, es gibt /.gab immer noch (41%) die diese VERSPRECHEN glauben, die können den Leuten das eine nach dem anderen hanebüchene Versprechen unterjubeln, SVP-Kriechertum ist nach wie weit verbreitet, so irgendwie unheilbar, schön wäre wenn’s dagegen eine Impfung gäbe.

  • kurt

    Allein die die Hoffnung stirbt zuletzt vielleicht gehen doch mal einigen Wahlschafen die Augen auf.
    Was da gelogen wird ,passt auf keine Kuhhaut und in der Mühlbacher und Vintler Gegend scheint man es mit der Wahrheit überhaupt nicht besonders zu haben !!!!.

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