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Ein Stück Mond

Mondgestein im Naturmuseum

In einer Ausstellung zum Mond kann natürlich ein Stück Mond nicht fehlen. Und tatsächlich: Ab heute thront in der Ausstellung „Mondwärts“ nicht nur Mondgestein, das in Form von Meteoriten auf die Erde gefallen ist, sondern auch ein Teil der 1971 bei der Mission Apollo 15 eingesammelten Gesteinsproben.

Insgesamt 382 kg Mondgestein brachten die Astronauten der sechs bemannten Apollo-Missionen, die auf dem Mond gelandet sind, mit auf die Erde. Ein kleiner Teil davon ist ab heute und bis Februar in einer Vitrine der neuen Wechselausstellung „Mondwärts“ im Naturmuseum Südtirol in Bozen zu sehen: Es ist der rund 93 Gramm schwere Stein „15015,78“, der 1971 bei der Mission Apollo 15 zusammen mit weiteren Gesteinsproben eingesammelt und auf die Erde gebracht wurde.

Apollo 15 war die erste dedizierte wissenschaftliche Mission, wofür die Astronauten (ursprünglich Kampfpiloten) auch geologisch ausgebildet worden waren. Die Besatzung dieser Mission bestand aus drei Männern, darunter Kommandant David Scott. Die Landung erfolgte am 30. Juli 1971 und dauerte vier Tage, im Laufe derer es die Astronauten schafften, verschiedene Bodenproben zu entnehmen (gegen Ende seines Aufenthalts demonstrierte Scott vor laufender Kamera, dass im Vakuum des Mondes ein Hammer und eine Feder gleich schnell fallen). Die Mondfähre verließ die Oberfläche am 2. August, fünf Tage danach wasserte Apollo 15 sicher im Pazifik. Mondgestein der Apollo-Missionen ist im alleinigen Besitz der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und unverkäuflich. Man findet Mondgestein sonst noch in Form von Mondmeteoriten auf der Erde (ein solcher, eine Leihgabe des Naturhistorischen Museums Wien, ist auch in der Mondausstellung ausgestellt), der Nachteil dabei ist aber, dass man nicht genau weiß, von welcher Stelle des Mondes sie genau herkommen; das ist bei vor Ort aufgesammeltem Material hingegen festzustellen und daher für die Forschung besser geeignet. Das Mondgestein lagert also in Houston (USA), im Johnson Space Center der NASA, das dem Naturmuseum die Leihgabe schließlich auch genehmigte.

Museumsdirektor und Astronom David Gruber hat das Mondgestein vor einigen Tagen persönlich von dort nach Bozen gebracht und heute zusammen mit seinem Stellvertreter und Geologen Benno Baumgarten sowie Landeshauptmann Arno Kompatscher vorgestellt und in die Ausstellung eingebaut. Die Mondgesteinsprobe 15015,78 Auf dem Mond gibt es im Wesentlichen nur drei Gesteine: Basalte (Lava), Anorthosite (entsprechendes Tiefengestein, Plutonit) und Basaltbrekzien (die häufigsten Gesteine auf der Mondoberfläche). Die Mondoberfläche ist außerdem mit Staub bedeckt, dem sogenannten Regolith. Der Staub besteht aus Basaltmehl, mit kleinen Steinchen und Glassplittern. Mondgestein ist etwa so alt wie die Erde, aber im Gegensatz zur Erde ist der Mond seit 4,5 Milliarden Jahren geologisch inaktiv. Die Gesteinsprobe im Naturmuseum stellt eine Regolith-Brekzie dar: Diese entsteht, wenn das staubige Material bei einem Meteoriteneinschlag durch die dabei erzeugte Hitze teils aufgeschmolzen, teils mit anderem Material zu einem Gestein verbacken wird. Außerdem enthält es zahlreiche winzige Glasperlen, Splitter und Schlieren. Vom Aussehen sind Mondbasalte den basaltischen Laven der Seiser Alm nicht ganz unähnlich, allerdings sind die Mondgesteine arm an leichten, flüchtigen Elementen und frei von wasserführenden Mineralien (Heulandit, Natrolith usw.), die für die Seiser Alm typisch sind. Die auf dem Mond umherliegenden Gesteinstrümmer sind allerdings von der Strahlung des Sonnenwindes, der seit Milliarden von Jahren auf sie einwirkt, stark beansprucht und oberflächlich verändert.

Die Ausstellung „Mondwärts“ präsentiert die erste bemannte Mondlandung vor 50 Jahren, die sechs Apollo-Expeditionen und den Mond selbst. Sie läuft bis 2. Juni 2020 und ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung finden mehrere Vorträge und Mond-Beobachtungen mit Teleskopen statt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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