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„Verbot ist keine Lösung“

Zeno Oberkofler, Co-Sprecher der young greens southtyrol, spricht sich gegen ein Alkoholverbot im Stadtzentrum aus – und fordert ein jugendfreundliches Bozen.

Von Wasim Jaoui

Für nächste Woche wird ein Beschlussantrag seitens des PD dem Bozner Gemeinderat vorgelegt, welcher ein Verbot des Alkoholkonsums in den Nachtstunden vorsieht.

Angesichts der Beschwerden mehrerer Anwohner und Geschäftsinhaber wegen der nächtlichen Ruhestörung durch Alkoholkonsumenten, hauptsächlich rund um den Obstmarkt in der Altstadt, wurde ein Eingreifen der Stadtverwaltung gefordert. Infolgedessen ist eine Änderung der Stadtpolizeiordnung mit der Einführung eines Alkoholverbotes vorgesehen. Somit wäre der Bürgermeister ermächtigt, per Verordnung den Konsum und Besitz von Alkohol punktuell zu verbieten. Der Besitz von alkoholischen Getränken soll ebenfalls während dieser Zeit verboten werden. Bei einem Verstoß gegen die Regeln droht eine Bußgeldstrafe von 50 bis 500 Euro.

Die young greens southtyrol laufen gegen den Plan Sturm. Die Jugendbewegung der Grünen sieht den Beschlussantrag als Schritt in die falsche Richtung, welcher nicht die gewünschten Effekte erreichen wird. „Wenn Bozen wirklich eine Universitätsstadt sein will, die sich um die jungen Menschen kümmert, muss sie lebendig und offen sein“, verlangt Zeno Oberkofler, Co-Sprecher der young greens southyrol.

Die Jungen Grünen erhoffen sich Unterstützung von anderen Jugendorganisationen und politischen Kräften. Diese sollten ihre Gemeinderäte dazu bewegen, gegen diesen Beschlussantrag zu stimmen und sich für sich für eine jugendgerechte Stadt aussprechen.

Tageszeitung: Herr Oberkofler, denken Sie, der Beschlussantrag wird vom Gemeinderat angenommen?

Zeno Oberkofler: Ich hoffe natürlich, dass noch darüber diskutiert wird. Die Grüne Fraktion wird aller Voraussicht nach dagegen stimmen. Wir haben mit unserem Statement nochmals versucht sicherzustellen, dass der Beschlussantrag nicht durchkommt. Die Jugendorganisation des PD hat sich vor kurzem ebenfalls für eine lebendige Jugendkultur in Bozen ausgesprochen. Daher hoffen wir, dass sie die Gemeinderäte des PD überzeugen können. Ich glaube, der Prohibitionismus wird dieses Problem nicht lösen, daher bin ich der Meinung, dass der Beschlussantrag zu keiner Lösung führen wird

Was sind Ihre Vorschläge, um Bozen jugendfreundlicher zu machen?

Ich möchte klarstellen, dass es beim Alkoholverbot nicht nur um die Jugend geht. Ein Alkoholverbot im Zentrum würde auch Erwachsene während des Feierabends treffen. Es wird so dargestellt, dass am Abend alle betrunken sind und großen Lärm machen, dies entspricht aber nicht der Realität. Tatsächlich ist es so, dass sich viele Menschen in Lokalen treffen und sich austauschen. Unser Vorschlag ist es daher, mehr Angebote in verschiedenen Stadtteilen von Bozen zu schaffen. Zudem sollte das Nachtleben und die Organisation von Events gefördert werden, zurzeit steht man diesbezüglich vor hohen bürokratischen Hürden. Bestes Beispiel dafür ist das Konzert der Universitätsparty, wo erst in letzter Minute eine Absage gekommen ist. Diesbezüglich müsste man viel verbessern. Außerdem fordern wir die Einführung einer Gleitzeit. In Bozen ist es so, dass um 1 Uhr die Nacht jeder die Lokale verlassen muss. Alle zur selben Uhrzeit. Infolgedessen befinden sich viele Leute zum selben Zeitpunkt auf der Straße. Wenn man hingegen eine Gleitzeit einführen würde, indem jedes Lokal selber entscheiden kann wann es schließt, dann wäre dies viel dynamischer und könnte eine weitere Lösung sein. Allgemein ist die Jugendkultur in Südtirol im Hintergrund gestellt worden. Daher sollte man schauen, die Jugendkultur zu fördern. Solche Verbote und Maßnahmen gehen natürlich in die falsche Richtung.

Welchen konkreten Richtungswechsel fordern Sie von der Politik?

Man sollte bei der Lösung des Problems die Sichtweise der Jugendlichen miteinbeziehen, durch eine lebendige Diskussion. Wenn man eine Universität hat, dann muss die Stadt auch jugendfreundlich sein. Mit der Errichtung der Universität hatte man eigentlich schon eine Richtungsentscheidung getroffen, deshalb muss man jetzt auch dazu stehen und ein lebendiges und jugendfreundliches Nachtleben ermöglichen.

 

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Kommentare (3)

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  • snakeplisskien

    Die „Gleitzeit“ gibt es längst schon:

    a) Der Betreiber kann in der Zeit zwischen 06.00 Uhr und 01.00 seine Betriebszeiten selbst festlegen, die allerdings auszuhängen sind. Er kann deshalb ja auch früher schleßen.

    b) Bei einer (selbst festgelegten) Sperrzeit um 01.00 Uhr kann den Gästen eine halbe Stunde zum Verlassen des Lokales einberäumt werden, quasi zum Austrinken. Ab 01.00 Uhr darf allerdings keine Verabreichung mehr erfolgen.

    c) Der Betreiber kann aber auch entscheiden, die Verabreichung bereits höchstens 1 Stunde vor Eintreffen der Sperrstunde einzustellen, um die Einhaltung der Sperrstunde gewährleisten zu können.

  • checker

    Dass es nicht nur um das Stadtzentrum geht, wird immer wieder klar, wenn man sich auch die Speerstunden in der Industriezone ansieht. Dort will man ebenfalls am besten gar nichts haben (Aktuell muss man fairerweise sagen, klappt es) und das nächste Verbot ist immer schon um die Ecke, sei es aus Neid, sei es aus Schrebergartenmentalität.

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