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„Ich bin erschrocken“

Durnwalder und Achammer im Wahlkampf 2013

SVP-Obmann Philipp Achammer kann das Strafausmaß im Fall Luis Durnwalder nicht nachvollziehen – und erklärt sein Naheverhältnis zum Alt-LH.

TAGESZEITUNG Online: Herr Achammer, laut Luis Durnwalder sind Sie das einzige Mitglied in der Landesregierung, das immer und bedingungslos zum Alt-LH gehalten haben. Warum?

Philipp Achammer: Wir haben als SVP sehr wohl und mehrmals deutlich gemacht, dass wir bei den verschiedenen Gerichtsverfahren – ganz besonders in der Sonderfonds-Geschichte – absolut hinter unserm Alt-Landeshauptmann stehen. Darüber gibt es keinen Zweifel. Das, was im Moment passiert, verwundert nicht nur sehr viele Menschen, sondern ist schlichtweg ungerecht! Daher werden wir den Alt-LH bis zum Schluss verteidigen und unterstützen, wo es nur geht.

Sie halten das Urteil für ungerecht?

Ja, ein Urteil ist ein Urteil, aber man darf auch Zweifel an einem Urteil bzw. an den Etappen, die zu dem Urteil geführt haben, äußern. Im Fall Durnwalder wurde immer wieder betont – selbst vom ehemaligen Oberstaatsanwalt Guido Rispoli –, dass in keinerlei Weise öffentliche Mittel veruntreut worden seien, geschweige denn, dass öffentliches Geld in die private Tasche des Alt-LH geflossen sein könnte. Aus diesem Grund finde ich das Urteil nicht nur ungerecht, das Strafausmaß ist völlig ungerechtfertigt und überzogen. Ich bin regelrecht erschrocken über das Strafausmaß.

Der Aufschrei über die Durnwalder-Verurteilung war effektiv groß. Ist es wirklich ein politisches Urteil? Oder gar, wie die Alt-Mandatare sagen, ein Urteil gegen das Südtiroler Volk?

Ich maße mir diese Feststellung nicht an und will daher auch nicht von einem politischen Urteil sprechen. Für mich ist das Urteil ein Ausdruck von Ungerechtigkeit. Die Arbeit der Justiz und Urteile sind zu respektieren – deswegen muss man aber nicht jedes Urteil richtig finden, vor allem im Ausmaß. Und deswegen gibt es Berufungsverfahren.

Der Sonderfonds wurde über Jahrzehnte immer so verwaltet, ohne dass es eine Beanstandung gegeben hätte. Man hätte dies ja jährlich beanstanden können. Im Nachhinein heißt es sogar, es wäre für Durnwalder besser gewesen, wenn er über diese Ausgaben nicht penibel genau Buch geführt und die Zahlung nicht dokumentiert hätte. Außerdem wurde aufgezeigt, dass Durnwalder immer ein Guthaben gegenüber dem Sonderfonds hatte. Durnwalder hat das in keiner Weise verdient, denn er hat immer im Sinne der Menschen und des Landes gehandelt.

Haben Sie selbst Angst, irgendwann mal in die Fänge der Justiz zu geraten?

Man ist als Politiker immer sehr genau unter Beobachtung. Wir müssen korrekt und integer handeln. Man muss keine Angst vor der Justiz haben, wenn man mit sich selbst im reinen ist …

… Durnwalder war auch mit sich selbst im reinen? Ich möchte jetzt auch nicht dem Gericht ans Bein pinkeln, man wird in der Berufung sehen, wie die Sache ausgeht.

Umso mehr erschreckt mich dieses Urteil. Aber gerade wenn man mit sich selbst im reinen ist und weiß, dass man korrekt gehandelt hat, muss man sich verteidigen und wehren bis zum Schluss.

Sie pflegen eine sehr engen Kontakt zum Alt-LH, so dass es in Ihrer Partei heißt, dass Sie mit Durnwalder mehr kommunizieren als mit Arno Kompatscher.

(lacht) Ich muss schmunzeln auf diese Feststellung. Aber es ist richtig: Ich habe mit dem Alt-LH einen sehr korrekten und guten Kontakt, weil ich ihn als Person sehr schätze und seinen Lebensleistung für unser Land anerkenne. Daran kann und wird kein Urteil etwas ändern. Man sollte ihm daher dankbar sein.

Haben Sie den Eindruck, dass die Menschen im Lande hinter Durnwalder stehen?

Ja, absolut! Aber auch die Partei …

Diesen Eindruck hatte der Alt-LH nicht …

Ich kann seine Verbitterung verstehen, aber die Partei steht voll und ganz hinter ihm.

Interview: Artur Oberhofer

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (7)

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  • einereiner

    Beim Machen von schlechten Gesetzen liegt Italien weit vorne. Aber auch Südtirol hat unter Durnwalder (und immer noch unter seinem Nachfolger) viele dumme und schlechte Gesetze gemacht. Jetzt hat ein solches Gesetz einen Politiker erwischt. Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Es soll eine Mahnung für Politiker sein, einfache, klare und gute Gesetze zu machen.

  • asterix

    Ich bin erschrocken? Wenn schon hat er sich erschrocken, der Herr Achammer. Nicht: ich bin erschrocken, sondern: ich habe mich erschrocken, Herr Bildungslandesrat

  • george

    Wie lange wollt ihr denn noch auf diesem Sachverhalt herumreiten? Das Urteil ist gesprochen und wieso sollte es für L. Durnwalder nicht auch gelten wie für jeden anderen. Ungerecht oder auch nicht, er hat nun einmal auch öffentliches Geld für private Sachen benutzt, egal ob er es dann unter einem bestimmten Vorwand zurückgegeben hat oder nur unter anderen Umständen. Jedenfalls hat er Jahre lang den Sonderfond so benutzt und verwaltet, als ob er auch Teil seines Geldbeutels wäre. Zudem hat er bei Spenden an Organisationen und Einzelpersonen immer wieder so getan, als ob es von seinem Geldbeutel wäre. Solche „Vermischungen“ von öffentlichen Geldern und dem privaten Geldbeutel müssten eigentlich jedem einfachen Bürger klar sein, dass sie nicht rechtens sind, geschweige denn einem Landeshauptmann.

  • yannis

    Verdächtig schweigsam hier, die SVP-Schliafer/Schluzer.

  • framky3

    Wer hat denn eigentlich diesen Sonderfonds etabliert? Nicht gut, wenn man das eigene Reglement nicht einhält.
    Addendum: Ist man auf der Suche nach dem Wolf im Schafspelz (Judas) fündig geworden? Tipp: Sucht ihn im engeren Führungsstab, vor allem bei den Geschassten.
    Ich persönlich hasse Verrat in den eigenen Reihen.

  • morgenstern

    Diese Betroffenheits- Rhetorik, immer wieder Schwerstarbeit für meinen Magen.

  • pingoballino1955

    Ich bin erschrocken-dümmer gehts nimmer! Wusste gar nicht dass der Achammer so ein Schreckhafter ist!

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