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Französisches Doppel

 

Tropismes von Olivier Dubois (Foto: Francois Stemmer)

Olivier Dubois verfrachtet die “Göttliche Komödie” in die Disco und Rachid Ouramdane feiert den einsamen Helden.

Am 15. Juli (21.00 Uhr) zeigt Tanz Bozen gleich zwei Aufführungen französischer Choreografen in italienischer Erstaufführung: Olivier Dubois, Tänzer, einzigartiger Choreograf und exzentrischer Geist, debütiert mit seinem jüngsten Werk „Tropismes“, ein Stück, das an Dantes „Göttlicher Komödie“ angelehnt ist. Die Bühne verwandelt sich in einen Dancefloor für acht Tänzer. Zum kraftvoll pulsierenden Sound mixt der DJ François Caffenne live auf der Bühne Aufnahmen der Nasa (Klänge aus dem Sonnensystem) zu Rock, Twist, Elektronik und Disco-Musik. Im Rahmen der Outdoor-Veranstaltungen zeigt der Gastkurator Rachid Ouramdane Skull*Cult, ein Solo, das den einsamen Helden gewidmet ist. Tropismes ist nach Les Mémoires d’un seigneur und 7 x Rien – beides Werke, die bei Tanz Bozen bereits zu sehen waren – die dritte Arbeit, die der Choreograf Olivier Dubois um Dantes Göttliche Komödie herum entwickelt. Tropismus bezeichnet die Bewegung auf einen Reiz hin oder die Neigung zu etwas. Im Fall von Dubois ist es der Wunsch nach Leben. Acht Tänzer – vier Frauen und vier Männer – bringen zum kraftvoll pulsierenden Sound von DJ François Caffenne ein unbändiges Lebensgefühl auf die Bühne. Auf der Tanzfläche folgen einander vier Bilder, die jeweils von einem bestimmten musikalischen Ambiente geprägt sind. Die Bewegungen gleichen sich an: Das mechanische Marschieren wird weicher, geht über in gegenseitiges Liebkosen bis hin zu psychedelischem Rock in hoher Lautstärke. Der Vorsatz Dubois‘ ist es, „gegen den Griff der Zeit anzutanzen“ und eine konstante, intensive hypnotische Energie hervorzurufen, die sich aus der choreografischen Partitur speist. Die Bewegungen der Tänzer sind dabei einfach. Sie reagieren auf Impulse, warten, sind wachsam und begierig. Die Körper der Tänzerbilden einen lebendigen Organismus. „Es ist das Brodeln erwachender Zellen. Sie erzeugen die Wut, die notwendig ist, um gegen unser Verschwinden zu kämpfen“, erklärt Olivier Dubois. Tropismes rüttelt den Betrachter wach, verführt und fesselt ihn. Dubois schafft es, Dante in die Welt des Clubbings zu verfrachten und ein Inferno zu entfachen. Das Solo Skull*Cult wurde von Christian Rizzo für und mit Rachid Ouramdane entwickelt. In Skull*Cult entfaltet sich die Metapher des einsamen Helden. Das Stück zeigt Rachid Ouramdane eingehüllt in einen schwarzen Biker-Anzug mit Motorradhelm auf dem Kopf. Niemals frontal dem Publikum zugewandt bewegt sich sein Körper scheinbar schwebend in einem Spiel aus Verrenkungen und Stunts: eine faszinierende und kontemplative Performance. Christian Rizzo, Choreograf und Direktor des ICI – Centre chorégraphique national de Montpellier/Occitanie und Rachid Ouramdane, Choreograf, Tänzer und künstlerischer Co-Direktor des CCN2 – Centre chorégraphique national de Grenoble, sind langjährige Freunde. Skull*Cult ist neben anderen ikonischen Soli von Rizzo, die zwischen dem Performativen und dem Visuellen angesiedelt sind, wie etwa 100% Polyester, objet dansant (à définir) in der französischen Choreografieszene weithin anerkannt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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