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Die erfundene Vergewaltigung

Der erfundene Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens hat für viel Diskussionsstoff gesorgt. Eine Analyse von Herausgeber Arnold Tribus.

Als die Gerichtsbehörde bekanntgab, dass die Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens im Gebüsch der Bozner Talferpromenade nahe der gelben Brücke bei der Eurac eine reine Erfindung der Schülerin war, war das Entsetzen in der Stadt groß.

Hatte doch die ganze Stadt den Aussagen des Mädchens geglaubt, es bedauert und in allen möglichen Formen ihren Unmut, ihren Zorn zum Ausdruck gebracht.

Die Empörung beschränkte sich ja nicht nur auf unsere Stadt, das ganze Land war im heiligen Zorn gegen zwei Schwarze, so hatte man uns das ja erzählt, ganz einfach schwarze Personen, schwarze Teufel, schwarze Unmenschen, ob die denn aus Afrika kamen oder aus Asien, daran konnte sich die traumatisierte junge Frau ja nicht mehr erinnern. Auch die Nation trauerte und weinte ob dieses unsäglichen Vorfalles.

Der Herr Innenminister depeschierte und versprach, man werde diesen Unmenschen finden und der gerechten Strafe zuführen. Man werde sie einsperren, lebenslang. Und er wollte auch zwanzig Polizisten nach Bolzano schicken, um die Ermittlungspolizei zu verstärken. (Ob die dann auch gekommen sind, entzieht sich meiner Kenntnis). Und nach so einem dramatischen Fall, der das Volk empört und entsetzt, wird auch immer die chemische Kastration ins Spiel gebracht, die die Lega ja wiederholt angekündigt hat, bisher aber scheiterte das Ansinnen an den 5 Sternen von Luigi Di Maio, die sich mit dieser Strafe nicht anfreunden können.

Obwohl man gar nichts in der Hand hatte, entwickelte sich in der Stadt ein justizialistischer Mob, der nach Strafe und Gerechtigkeit lechzte.

Die Presse hatte ein gefundenes Fressen und führte eine Kampagne gegen die Gewalt, und nachdem die Frau ja von schwarzen Ausländern als Täter gesprochen hatte, wobei nie ganz klar war, was die beiden getan haben, ob einer nur zugeschaut hat und behilflich war, das Mädchen ins Gebüsch zu zerren, wo dann  das Verbrachen begangen wurde, während der andere Schmiere stand. Die Schwarzen wurden von einer Zeitung als Nigerianer ausgemacht, es wurde sogar ein makabres Ritual erfunden, eine Teufelsmafia, man war sich sicher, dass diese Unmenschen da ihr Unwesen treiben und weiße Mädchen vergewaltigen müssen, das gehöre dazu.

Und weil die Volksseele kochte, wurde auch ein Zeuge aus dem Zylinder gezaubert, der gesehen haben wollte, was nie geschah. Es gab auch Kundgebungen, gut gemeinte, versteht sich, man wollte dem Mädchen zeigen, dass die Stadt solidarisch ist und Gewalt an Frauen auf das Schärfste verurteilt. Der Protest wurde dann aber von der Rechten ausgenutzt, um gegen Ausländer zu hetzen.

Der Fall war so tragisch, dass man dort ruhig rassistische Plakate zeigen und Ausländer-raus-Parolen skandieren durfte.

Warum ich erst heute darüber schreibe?

Eigentlich wollte ich wirklich nichts dazu sagen, weil ich mich nach der Bekanntgabe der Vergewaltigungslüge durch das vermeintliche Opfer auch geärgert habe, weil nun alle das arme Mädchen in Schutz genommen haben, ein Hilfeschrei sei das gewesen, man müsse das arme Kind verstehen, man dürfe keinesfalls den Stab über es brechen. Aber ich schreibe heute, weil gestern ein Schwarzer, ein potentieller Vergewaltiger also, bei mir war, der mir erzählt hat, was er und Seinesgleichen nach dem Vorfall mitgemacht haben.

Darüber schreibe niemand, meinte er.

Dass sich nach der vorgetäuschten Vergewaltigung Menschen mit dunkler Hautfarbe nicht mehr blicken lassen durften, ohne nicht angespuckt und angepöbelt zu werden. Hinter jedem Schwarzen wurde ja der Vergewaltiger vermutet, er könne es sein, wer weiß.

Und natürlich mussten sie auch Polizeikontrollen über sich ergehen lassen, was er aber verstehe, schließlich musste die Polizei doch den Täter ausfindig machen und der verschreckten Stadt vorführen. Nach langer Zeit entpuppte sich alles als Lüge.

Und wir sollen das arme Mädchen bedauern?

Si ritenga schiaffeggiata.

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