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„Man hat mich allein gelassen“

Alt-LH Luis Durnwalder

Alt-LH Luis Durnwalder spricht nach der Verurteilung in Trient von einem „politischen Urteil“. Er ist verbittert, kritisiert die Justiz und fühlt sich im Stich allein gelassen.

von Artur Oberhofer

Er selbst war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend. „Ich habe schon aufgrund der Prozessführung geahnt, dass nichts Gutes herauskommet“, so Alt-LH Luis Durnwalder. 

Der Vorsitzende Richter habe erklärt, dass er das Verfahren in einer Stunde abwickeln wolle. „Da hat man gemerkt, dass er das Urteil schon festgelegt hat“, so Durnwalder.

In einem Interview mit Hannes Peintner von Rai Südtirol am Samstagmorgen ging Luis Durnwalder mit der Justiz hart ins Gericht. Er sei „sehr enttäuscht“, dass nach zwei Freisprüchen in derselben Angelegenheit so ein Urteil herausgekommen sei. „Wenn drei Richter in der ersten und drei Richter in der zweiten Instanz sagen, dass alles in Ordnung war, dann ist es seltsam, dass das Kassationsgericht die Sache noch einmal irgendwo hin überweist, wohl in der Hoffnung, dass dort etwas anderes herauskommt.“ 

Das Urteil von Trient, so Luis Durnwalder gegenüber Rai Südtirol, sei „kein Ruhmesblatt für die Gerichtsbarkeit“. Auf die Frage, ob er der Meinung sei, dass es sich um ein politisches Urteil handle, sagt der Alt-LH: „Die Politik hat eine sehr große Rolle gespielt.“

Es sei erwiesen, dass er keinen Cent in die eigene Tasche gesteckt habe und dass der öffentlichen Hand kein Schaden entstanden sei. Der einzige Knackpunkt in Durnwalders Augen: Bei der Auszahlung seien formelle Fehler gemacht worden, seine Sekretärinnen hätten mit dem Geld, das er vorgestreckt habe, nicht die privaten Rechnungen bezahlen dürfen, sondern sie hätten ihm das Geld überweisen müssen. Der Alt-LH fragte sich: „Ist das wirklich das Problem? Einerseits geht die Justiz solchen Kleinkrämereien nach, andererseits wird zugeschaut, wie Milliardenbeiträge veruntreut werden.“ Also, so Durnwalder, könne man an nichts anderes denken als an ein politisches Urteil.

Er selbst habe den Repräsentationsfonds als LH 25 Jahre lang gleich verwaltet wie sein Vorgänger Silvius Magnago. „Wenn Magnago etwas gut hatte, dann hat er sich mit dem Guthaben etwas zahlen lassen, ich habe dasselbe getan.“ Auch die Landesräte und die Präsidiumsmitglieder hätten dies so gehandhabt. „Aber nur mir allein wird das zum Vorwurf gemacht, da darf mir niemand sagen, dass das ganz normal ist“, so Durnwalder im Rai Südtirol-Interview.

Der Alt-LH fühlt sich außerdem von seiner Partei im Stich gelassen. Er hätte sich „einen Aufschrei der Politik erwartet“. Die SVP habe zwar „einige Male Stellung genommen“ und der LH habe ihm am Freitag auch seine Solidarität ausgesprochen und versichert, er werde „auf den Tisch hauen“.

Dennoch, so Durnwalder, sei er „oft allein gelassen worden“. Er freue sich hingegen über das, was er erreicht habe. „Ich will mich nicht über den Neid der Anderen ärgern.“ Er habe ein reines Gewissen. „Ich habe immer im Interesse des Landes, der Mitbürger und der Vereine und Verbände gearbeitet, ich habe mir nichts vorzuwerfen, deswegen bin ich auch ruhig“, so Durnwalder.

Der Undank komme nicht von den Menschen im Lande. „Die Menschen stehen hinter mir.“ Der Undank komme von Leuten, die den Neid nicht verbergen könnten, so der Alt-LH.

Er werde nun über seine Anwälte Rekurs gegen das Urteil einlegen – „in der Hoffnung, dass endlich die Gerechtigkeit siegt“. Aber das, so Durnwalder polemisch, „sei in diesem Rechtsstaat nicht so selbstverständlich“.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

Kommentare (35)

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  • einereiner

    Mir tut er sooooo viel leid.
    Er hat immer so getan, als wäre es sein Geld. Nun soll er die Rechnung auch bezahlen.

  • tiroler

    Luis, alle die nach dir kamen, können dir nicht das Wasser reichen. Neid und Missgunst der Faulen ist dir sicher. Tatsache ist, dass alles nur mehr dahinplätschert seit du nicht mehr am Ruder bist.
    Aber du wirst sehen, dass du noch freigesprochen wirst

  • klberger66

    Er hat sich Jahrzehnte wie ein Monarch benommen, den Bezug zur Realität verloren, und nebenbei verdient wie ein Kaiser. Zudem hat ihn niemand dazu aufgefordert, diesen Sonderfonds führen zu müssen – es war seine majestätische Entscheidung. Und offensichtlich ungesetzlich. Dann ist alles Klagen und Jammern wohl fehl am Platz.

  • semperoper

    Wie kann man von jemandem Solidarität erwarten, dessen Autorität man seit Jahren untergräbt? Außerdem wäre Durnwalder ein klares Aufbegehren von Kompatscher gar nicht recht, dann könnte er nämlich seine Diffamierungskampagne gegen ihn nicht mehr weiterführen.

  • ostern

    Er hat so viel für die Bauern getan. Diese sollten ihn unterstützen. Von den Arbeitnehmern wird er wohl kaum Untertützung,
    (wenigstens moralische) bekommen.

    • einereiner

      @ostern
      Durnwalder hat es immer verstanden, die Bauern klein zu halten. Sizilien hat bei der EU jede Weide und jedes Waldstück als landwirtschafliche Fläche angegeben. Durnwalder und Berger haben alle Wälder, alle Weiden und alle Almen Südtirols herausgestrichen und so den Bauern viele viele Millionen gekostet. Jedes andere Land bekommt für die Bauern 250-300 Euro pro ha. Südtirol nur 100 und für die Almen und Wälder gar nichts.

      • ostern

        @einereiner
        Habe wirklich nichts gegen die Bauern, aber so wie sie in
        Südtirol unterstützt werden gibt es mit Sicherheit kein Land.
        Da kannst du mal die österreichischen Bauern fragen. Angefangen
        bei den Steuern die sie zahlen bzw. NICHT zahlen bis Beiträge
        und sogar den Bergbauern wurden INPS Beiträge bezahlt.
        Überlegen bevor du schreibst, den so einen Blödsinn glaubt
        dir niemand, nicht einmal die Bauern selber. Für die Bauern
        in Süddtirol ist das Wort Steuer ein „Fremdwort“. Frag mal was sie
        an IRPEF (Einkommensteuer ) zahlen?

        • einereiner

          @ostern
          du hast kein Wissen, deswegen halt den Mund und hör zu:
          80% der Bauern sind im Pauschalsystem , so wie viele kleine italienische Firmen auch. Und im Pauschalsystem zahlt man die Steuern nicht über die IRPEF sondern über die Mehrwertsteuer.
          Solange du das nicht kapierst, halte bei diesem Thema den Mund, du blamierst dich nur bis auf die Knochen.

          • ermelin

            So ein Kasperle…..

          • kurt

            @einereiner
            Aber dein Wissen beruht auch nur auf die Bauern Schlauheiten,bist selber einer und verteidigst dich was auch richtig ist aber auch einseitig wie deine Meinung zu Durnwalder beweist und der sollte etwas gegen die Bauern gehabt haben oder haben und wenn, sind die Bauern selber Schuld weil sie nie genug haben.
            Man ist ja auch lange nicht der Blamierte wenn man nicht das vermeintliche „Bauern-Wissen“ hat.

          • einereiner

            @kurt
            was willst du mit deinem Kommentar sagen?

  • yannis

    Natürlich lassen sie ihn jetzt allein, nicht zuletzt jene, die um 6:00 Morgens zu ihn plärren gingen, weil sie z.B. von der örtlichen Fraktionsverwaltung NUR das Bauholz genehmig bekamen was dem Hof entsprechend für den NEUbau des Stadels absolut ausgereicht hätte und nicht für die doppelte Größe die die per Finte angepachteten Wiesen scheinbar benötigt wurden.
    Die Prügel aus Bozen an die Fraktions-Eigenverwaltung kamen dann postwendend und dem Luis waren wieder ein paar Stimmen mehr sicher.

    • kurt

      @yannis
      RICHTIG;nur die meisten wissen diese Machenschaften nicht und der Luis ist für ihnen ein Heiliger !!!!!.
      Von wegen allein gelassen ,als wenn er sich je einmal etwas hat sagen lassen !!!.

  • sabine

    Nur um es mal vorab zu klären: war selber nie in der Sprechstunde bei Luis Durnwalder, bin nicht eine, die „betteln“ geht.
    Aber ich stehe voll hinter dem Luis, er hat Großes geleistet, dafür gebührt im Dank, und wir haben die moralische Pflicht, unseren ehemaligen LH moralisch voll zu unterstützen.

  • prof

    Auch ich werde den Luis moralisch unterstützen,bezw. eventuell im Gefängnis besuchen und die Watt-Karten mitnehmen,aber soweit wird es nicht kommen.

  • franz1

    @ sabine,

    noch einmal sage ich, der Luis wurde fürstlich Entlohnt, die 5Uhr Sprechstunde wußte er genau warum die ihm so gut TUT!
    Aber als „NichtParteiKartlBesitzer“ warst du für ihm eine Art „Aussätziger“ wie im alten Testament!
    Lei wolln des die meistn nicht mehr wissen.

  • florianegger

    Kommen jetzt alle vor Gericht, die mit öffentlichen Beiträgen ihr Häuschen errichtet haben und erst im Laufe der Folgejahre das Geld zurückgezahlt haben? Bei diesem Prozess geht wohl mehr um persönliche Befindlichkeiten, als um den effektiven Tatbestand. Durnwalder hat es nicht verdient, wie ein reudiger Fuchs behandelt zu werden

  • huggy

    Ich fühle mich von solchen Politikern allein gelassen.

  • andreas

    Durnwalder soll wie ein Mann zu seinen Fehlern stehen. Mit der Annahme, dass das Volk hinter ihm steht, liegt er falsch.

  • morgenstern

    Von der Politik allein gelassen fühlen heißt für mich, die Partei hätte mit einem „Aufschrei“ versuchen sollen die Justiz zu beeinflussen.
    Ich kotz im Strahl..

  • tomtomgo

    Vor man Durnwalder verurteilt weil er etwas getan hat (und zwar im Interesse des Landes und der Bürger) sollte man Kompatscher verurteilten fürs nix tun!!!!

  • ralf

    Durnwalder hat sicher viel großartiges geleistet.
    Aber privates und das Amt des Landeshauptmannes sollte man schon im Stande sein zu trennen.

    Irgendwie zeigt der Fall auch die Arroganz der Politik. Früher waren die Zeiten sicher anders. Aber nun gibt es keinen Sonderfonds mehr, Politikiker trauen sich nicht mehr Fahtspesen abzurechnen aus Angst vor den Gerichten.

    Hier soll sicher ein Exempel statuiert werden. Aber wer von den Normalsterblichen könnte so mit öffentlichem Geld herumpaktlen.

    Ich würde das ganze Geld vom Sonderfonds von der SVP zurückfordern, denn das Geld war die Beste Parteiwerbung überhaupt. Denn wer wusste früher schon, dass diese Geschenke etc. mit öffentlichem Geld finanziert wurden.
    Ich bin mir sicher, dass 90% glaubten der ach so barmherzige Durwalder bzw. SVP schenken mir was und wenn das keine illegale Wahlwerbung ist…..

  • bergsteiger

    Genauso sehe ich das auch! Undank ist der Welten Lohn! Neid ganz schlimm! er hat ja laut Staatsanwalt nichts unterschlagen, also was solls!

  • george

    Ach ihr „Durrwaldplärrer“! Ihr werdet schon früher auch bei ihm schon um 6 Uhr in der Früh geplärrt haben.

  • jennewein

    Er hat hald viel freunderlwirtschaft
    Betrieben seine kollegen durften fast alles machen. Das ist eigentlich die gerechte strafe.
    Wenn ich nur so an stocker klaus und pircher denke

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