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Bademeister gesucht

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In Südtirols Schwimmbädern herrscht Bademeister-Mangel. Warum der Job, der Leben retten kann, unattraktiv ist.

von Eva Maria Gapp

„Wir haben in Südtirol einen Bademeister-Mangel. Immer weniger sind bereit, diesen Beruf auszuüben. Das führt dazu, dass viele Schwimmbäder unterbesetzt sind“, sagt der Bademeisterausbilder Thomas Thurner. Was mittlerweile sogar zur Folge hat, dass „einige Schwimmbäder nicht die vorgesehene Mindestanzahl an Bademeistern haben“, so Thurner. Trotzdem hätten sie geöffnet. Gesetzlich ist aber genau geregelt, wie viel Bademeister in einem Schwimmbad sein müssen: Bei einer Wasserfläche der Becken von 50 bis 400 Quadratmeter braucht es einen Bademeister, ab 400 dann zwei und ab 1.000 ist für jede zusätzliche Wasserfläche bis zu 500 Quadratmeter jeweils ein weiterer Bademeister vorgeschrieben. Genau diese Anzahl würden laut Thurner aber einige Schwimmbäder nicht einhalten, da sie keine Bademeister finden können. Das sei nicht nur gefährlich, sondern berge auch ein hohes Risiko für alle Beteiligten. „Wenn es so weiter geht, kann es sein, dass die öffentlichen Schwimmbäder auf Grund der mangelnden Bademeister den Badebetrieb nicht ordnungsgemäß oder überhaupt nicht gewährleisten können“, sagt er. Denn schon sehr oft hätten ihm die Betreiber der Schwimmbäder angerufen, dass sie verzweifelt nach Bademeistern suchen würden. „Viele wussten nicht mehr weiter“, sagt er.

Auch Samuel Vedani, erfahrener Bademeister sowie Rettungsschwimmausbilder, kennt das Problem: „Die Schwimmbäder tun sich seit Jahren schwer, Bademeister zu finden. Es sind zwar viele, die die Ausbildung gemacht haben, aber nur sehr wenige Südtiroler üben den Beruf auch wirklich aus.“ Nur werde dies viel zu wenig thematisiert. „Es wird immer nur gesagt, es gibt genug Bademeister in Südtirol, aber niemand sieht sich an, ob diese auch effektiv arbeiten. Wenn von den 700 Bademeistern in Südtirol nur 100 arbeiten, bringt das auch redlich wenig“, sagt er. Um dem entgegenzuwirken werden immer öfters auch Bademeister aus Süditalien eingesetzt, um die Südtiroler Schwimmbäder zu unterstützen und die Sicherheit zu gewährleisten.

Doch warum wollen so wenig Südtiroler als Bademeister arbeiten? Ist der Beruf nicht mehr attraktiv genug? Laut Thurner und Vedani gibt es nicht einen einzigen Grund, warum ein Mangel vorherrscht. Vielmehr sind es mehrere Aspekte, die einen Einfluss haben könnten: Zum einen verdienen Bademeister laut nationalem Kollektivvertrag 1.000 Euro. „Das ist für viele zu wenig“, so Thurner. Einige würden sicherlich auch mehr verdienen, da aufgrund von Erfahrung der Gehalt steigt, aber das sei nicht die Regel. Zudem haben Bademeister eine große Verantwortung, die viele abschreckt: „Letztlich sind wir für die Sicherheit der Badegäste zuständig. Das unterschätzen viele. Als Bademeister muss man mehr tun als nur am Beckenrand zu stehen und aufzupassen“, sagt Vedani.

Ähnlich sieht es auch die Bademeisterin Maya Laimer: „Das Leben eines Menschen hängt in unseren Händen. Damit können viele vielleicht nicht umgehen und sehen sich darüber nicht hinaus“, sagt sie. Zudem sei der Beruf kein Honigschlecken, wie viele glauben würden: „Wir Bademeister stehen nicht den ganzen Tag herum und machen nichts. Es kann vorkommen, dass wir Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen retten müssen“, sagt sie. Zudem müsse man als Bademeister ständig konzentriert sein und man dürfe auch nicht den Blick vom Wasser lassen. Auch das ständige Stehen sei durchaus anstrengend. Und wenn jemand etwa von einem Insekt gestochen wird, muss man als Bademeister zur Hilfe eilen. Der Beruf des Bademeisters sei somit sehr vielfältig und anspruchsvoll.

Was sich zudem verändert hat, ist, dass laut Vedani die Badegäste heutzutage fordernder sind: „Früher war es so, dass man immer auf den Bademeister gehört hat. Heutzutage ist das etwas anders“, sagt er und macht ein Beispiel: „Wenn man als Bademeister ein Kind ermahnt und es eigentlich den Fehler einsieht, passiert es aber häufig, dass die Mutter zu einem kommt und alles in Frage stellt. Mir ist schon öfters passiert, dass die Mutter dann ganz zornig gesagt hat, dass ihr Kind ja überhaupt nichts getan hat“, sagt er. Deshalb sei es verständlich, dass dann viele Bademeister sagen: „Ich habe keine Lust der Dummkopf zu sein. Ich will mich nicht beschimpfen lassen“, sagt er. Zudem fehle oft auch die Flexibilität von den Badegästen. Auf der anderen Seite gebe es aber auch Bademeister, die selbst oft unangebracht reagieren würden. Ein weiterer Faktor ist, dass vielen auch die Bademeisterausbildung zu teuer ist: „400 Euro kostet derzeit die Bademeisterausbildung. Das ist auch nicht ganz billig“, sagt Thurner. Vor allem die Jungen könnten sich das oft nicht leisten. Genau diese Gruppe würde den Beruf aber am ehesten ausüben.

Nichtsdestotrotz könnte sich Laimer keinen anderen Beruf vorstellen: „Mir war von Anfang an bewusst, dass ich eine hohe Verantwortung übernehmen werde. Das hat mich aber angespornt und nicht abgeschreckt. Denn ich weiß, dass ich Menschen helfen darf“, sagt sie.

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