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Die Zweifel

Ein Gutachten soll klären, ob die Messerattacke im Sinicher WoBi-Kondominium potentiell tödlich hätte enden können. Virginia Lai sitzt weiter in Trient in U-Haft.

Es war an einem Sonntagvormittag gegen 10.00 Ende April, als sich im Gang eines Kondominiums in der Damiano-Chiesa-Straße in Meran/Sinich Unerwartetes ereignete. Eine Messerattacke, verübt von einer 27-jährigen Frau, Virginia Lai. Sie sitzt weiterhin im Frauengefängnis von Trient in U-Haft.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihr derzeit einen Mordversuch vor, sie hatte auf einen jungen Mann aus der Nachbarwohnung – der 19-jährige Merzak Bourdone – eingestochen. Das Opfer musste im Bozner Spital operiert werden, schwebte aber nie in Lebensgefahr. Inzwischen ist der gebürtige Algerier weitgehend genesen.

Das vermeintliche Motiv für die Attacke: Ein gestohlener Fußabstreifer. Ihr Sohn habe sich darüber im Appartement, wo Virginia Lai wohnte, beschwert.

Laut der Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft folgte ein kurze verbale Auseinandersetzung: Der männliche Bewohner der Nachbarswohnung stritt jegliche Schuld am Verschwinden der Fußmatte ab.

Dann griff ein weiterer Akteur in den Streit ein: Ein Anwalt, der von seinem im Hof geparkten Auto zurückkehrte. Er trat in gewisser Weise als Schlichter in der verbalen Auseinandersetzung zwischen dem Paar aus der Nachbarwohnung und dem 19-jährigen Merzak Bourdoune, einem gebürtigen Algerier, auf.

Und offenbar gelang es ihm, die Gemüter zu beruhigen.

Dann, plötzlich, die Messerattacke seitens der Frau aus der Nachbarwohnung. Mit einem Küchenmesser mit einer 20 Zentimeterlangen Klinge traf sie damit Bourdoune am Rücken. Genauer, auf dem rechten Lungenflügel. Die Wunde war nicht weniger als sieben Zentimeter tief.

Dennoch gibt es Zweifel, ob Virginia Lai mit Mordabsicht zustach. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft ein gerichtsmedizinisches Gutachten in Auftrag gegeben, um diese Frage zu klären. Untersucht werden dabei Einstechwinkel, Tiefe und Gefährlichkeit des Messerstichs und etwaige Bewegungen des Opfers. Alles mit Hilfe der Original-Tatwaffe, die nach der Attacke und der Verhaftung der Täterin beschlagnahmt wurde. Sie war verschmiert mit dem Blut des Opfers.

Vom Ergebnis des Messer-Tests wird es abhängen, ob die Staatsanwaltschaft weiterhin auf der Tathypothese des Mordversuchs besteht oder letztlich gegen Virginia Lai Anklage wegen schwerer Körperverletzung erhebt.

Es kommt häufig vor, dass der ursprüngliche Vorwurf eines Mordversuchs im Laufe eines Strafverfahrens auf Körperverletzung herabgestuft wird. In diesem Fall ist die Sachlage offenbar etwas komplex. Deshalb das Gutachten.

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