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„Sie waren in mich verliebt“

Die Ermittler im Fall Harald Mössmer gehen davon aus, dass es weitere Opfer gibt. Derweil zweifelt sein Verteidiger, ob es sich juristisch überhaupt um sexuelle Gewalt handelt.

Von Thomas Vikoler

Der Besuch der Carabinieri Meran am vergangenen Donnerstag kam für Harald Mössmer offenbar völlig überraschend. Ein Blitz aus heiterem Himmel. Der Pranotherapeut aus Latsch wurde aufgrund eines Haftbefehls des Bozner Voruntersuchungsrichters Walter Pelino verhaftet.

Der Vorwurf: Sexuelle Gewalt gegen zwei Patientinnen.

Wenige Stunden nach seiner Verhaftung erhielt der 50-Jährige von seinem Anwalt Alessandro Tonon Besuch im Bozner Gefängnis.

Mössmer scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein, denn er gab an, die beiden jungen Frauen, mit denen er Wochenenden in Oberitalien verbrachte, seien in ihn verliebt gewesen. Und er habe sich dem nicht entziehen können.

Und was zwischen ihnen geschah, geschah außerhalb seiner Tätigkeit als Pranotherapeut, so die Argumentation des Verhafteten. Sein Anwalt stellt deshalb die von Richter Pelino vorgenommene juristische Einstufung von Mössmers Handlungen als sexuelle Gewalt nach Strafrechts-Artikel 609quater in Zweifel.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Tischler tatsächlich nicht vor, zwei Patientinnen im Alter von 16 bis 18 Jahren zum Sex gezwungen zu haben. Die sexuellen Handlungen zwischen ihm und den jungen Frauen seien einvernehmlich erfolgt. Sex eines Volljährigen mit einer Person über 16 Jahren fällt nicht zwangläufig unter das Strafrecht.

Doch weil die beiden minderjährigen Patientinnen Schutzbefohlene des Handauflegers waren, gehen Staatsanwaltschaft und Voruntersuchungsrichter davon aus, dass sie – wegen des zweifellos vorhandenen Autoritätsverhältnisses – Opfer sexuelle Gewalt sind. Gewissermaßen Verführung im Dienst, auch weil die beiden (mutmaßlichen) Opfer berichteten, sie seien während der Behandlungen in der Praxis vom Therapeuten begrapscht worden.

Die Verteidigung wendet hingegen ein, die sexuellen Handlungen hätten außerhalb der Praxis stattgefunden und fielen folglich nicht unter Strafrechts-Artikel 609quater.

Ob dies zutrifft, wird bald das Freiheitsgericht entscheiden, an das ein Antrag auf Enthaftung bzw. Hausarrest gestellt werden wird.

Setzt sich die Rechtsauffassung von Anklage und Voruntersuchungsrichter durch, könnte es dick kommen für den Pranotherapeuten, der sich auf seinem Türschild und im Internet als „Dr.“ ausgab (gegen ihn wird deshalb auch wegen unerlaubter Berufsausübung ermittelt).

Die Carabinieri der Sanitäts-Sondereinheit NAS haben umfangreiches Datenmaterial über die „Ausflüge“ des Handauflegers, selbst Vater zweier Kinder, gesammelt. Etwa über ein Wochenende mit einer 17-Jährigen in Mailand. Die junge Frau sei dort von ihrem Therapeuten mit Kleidern und High Heels ausgestattet worden. Laut Haftbefehl hat Mössmer seine Opfer mit Geschenken verführt, zu denen auch Handys gehörten.

Wie berichtet, haben die Ermittler in der Praxis des Therapeuten die Patientenkartei und anderes Material beschlagnahmt, um möglicherweise auf weitere Verdachtsfälle zu stoßen. Sie erwarten zudem, dass sich nach der Verhaftung weitere (Ex)Patientinnen bzw. deren Eltern bei den Behörden melden.

Der Fall Mössmer dürfte sich ausweiten.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (8)

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  • martasophia

    Selbst wenn sie in ihn verliebt waren, muss er der Vernünftige sein und darf die Verliebtheit der minderjährigen Mädchen nicht ausnützen. Wie feige, wenn er keine Verantwortung für sein Tun übernimmt, der Herr Doktor, wie er sich nennt.

  • tottele

    Ich muss sagen, dass wir erwachsen Menschen manchmal gar keine Ahnung haben wozu solche Jugendliche , also schon junge Frauen fâhig sind , ausserdem sind sie mit 16 Jahren in solchen Fällen ja sozusagen volljährig . Was ich noch nicht ganz verstehe ist dass ich auch nicht damit klar komme und mich hinterfrage warum Eltern einer 16 Jährigen nicht wissen wo und mit wem sich die Tochter abgibt . Wie gesagt ich habe da meine Zweifel und ausserdem ist es angeblich im Einverständnis BEIDER passiert .

  • vreni

    Wie schon einmal erwähnt rutscht bei manchen Männer (auch bei Frauen) das Hirn in die Hose und somit ist vernünftiges denken nicht mehr leicht möglich. Die Mädchen sind an der Sache auch nicht ganz unschuldig sonst würden Sie garantiert nicht mitfahren.Überheblichkeit Dr.Titel das wäre in Österreich gar nicht möglich. In Südtirol gibt es ja auch denn sogenannten Brenner Doktor ! !

  • yannis

    @tottele & vreni,

    gehe davon aus dass Ihr Frauen seid, und kann nur sagen dass ich Eure Meinung teile.
    manche so ne Weibchen sind nicht zu unterschätzen, da braucht es schon manchmal einen „starken“ Mann um denen zu widerstehen.

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