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Mit den Flügeln der Utopie

 

Am Donnerstag (6. Juni) eröffnet die norwegische Künstlerin Margrethe Kolstad Brekke den zweiten Teil der von Lottozero betreuten Ausstellungsreihe im Atelierhaus des Museion. Im Jahr des 500. Todestags von Leonardo da Vinci erinnert die norwegische Künstlerin an das Genie aus der Toskana, und lädt ein über das Fliegen in der Menschheitsgeschichte neu nachzudenken.

Das von den Boznerinnen Arianna und Tessa Moroder in Prato gegründete Zentrum für Kunst, Design und Textilkultur Lottozero präsentiert 2019 im Atelierhaus drei von Alessandra Tempesti kuratierte ortsspezifische Projekte. How to Implement Utopia: Das Projekt von Margrethe Kolstad Brekke ist eine Einladung, über das Fliegen in der Menschheitsgeschichte neu nachzudenken. Als Symbol für die Eroberung der Lüfte und damit für eine verwirklichte Utopie wird der Flugdrachen in der Arbeit der Künstlerin zum Träger eines neuen utopischen Denkansatzes zu hochaktuellen Themen wie Klimawandel und erneuerbare Energiequellen. Mit dem Flugdrachen verbinden sich Recherchen über diese Themen, insbesondere über Flugwindkraftwerke (Airborne Wind Energy), die Windenergie mit Anlagen erzeugen, die nicht auf Türmen montiert sind, sondern wie Dronen oder Drachen in großen Höhen schweben. Im Jahr des 500. Todestags von Leonardo da Vinci erinnert die norwegische Künstlerin auch an das Genie aus der Toskana, das unter mehreren Flugmaschinen auch eines der allerersten Modelle des Flugdrachens entwarf. Gleichzeitig wird die subtile Ambivalenz des Mythos vom Fliegen hinterfragt, zwischen humanistischem Geist und jener alten Hybris, deren aktuelle Konsequenz möglicherweise die ökologische Krise des 21. Jahrhunderts darstellt.

In diesem Sinn führte das Projekt in Bozen zur Realisierung von zwei Flugdrachen: Ein Exemplar ist im Atelierhaus ausgestellt. Das zweite, als fliegende Skulptur und öffentliches Kunstwerk konzipierte Gerät wird in den Sommermonaten von der Flugschule Garda Flying Paradise am Gardasee genutzt. Die Flugdrachen wurden in technischer Zusammenarbeit mit Icaro 2000 – dem aus Italien stammenden Marktführer und europaweit wichtigsten Produzenten für Flugdrachen – hergestellt. In ihrer Intervention hat Margrethe Brekke die Fluggeräte mit einer Kombination aus handgemalten ornamentalen Motiven auf Dacron Polyester-Segeltuch dekoriert. Dabei kamen 17 Farben zum Einsatz, die den 17 Zielen der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ entsprechen. Dieses Dokument wurde 2016 von den Vereinten Nationen mit einem Aktionsplan vorgelegt, der Ziele von großer Wichtigkeit für die Menschheit und den Planeten formuliert, die in den kommenden 15 Jahren erreicht werden sollten. Die abstrakte Positionierung der Künstlerin verweist auf die Arbeiten von Bruno Munari und die simultanen Kreise von Sonia und Robert Delaunay vom Beginn des 20. Jahrhunderts und wird dann zu einem chiffrierten Manifest des Zeitgenössischen.

„Die von der Künstlerin poetisch auf die chromatische Farbpalette des Flugdrachens übertragene Agenda 2030 kann man als Instrument verstehen, um ein realisierbares utopisches Ziel zu erreichen, indem man die Utopie vor allem als Methode und weniger als Ziel versteht und daher als Grundlage einer konstruktiven Imagination“, erklärt die Kuratorin des Projekts, Alessandra Tempesti. Lottozero lädt zur Vertiefung der Arbeit von Margrethe Kolstad Brekke ein: Am kommenden Freitag (7. Juni) um 17 Uhr führen die Kuratorin Alessandra Tempesti und die Biologin Sara Casagrande im Atelierhaus – in englischer Sprache – ein Gespräch mit der Künstlerin. Der Eintritt ist frei.

Termin: Eröffnung am 6. Juni um 17.00 Uhr im Museion

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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