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„Das Gutachten ignorieren wir“

Der Glasturm (Foto: Cgriplan Tscholl)

Der Gemeinderat Welschnofen genehmigt mehrheitlich – mit zehn zu vier Stimmen – die Bauleitplanänderung für den Glasturm bei der Kölner Hütte. Das negative Gutachten der UNESCO-Stiftung zählt für die Verwaltung nicht.

Von Thomas Vikoler

Der Publikumsandrang ist diesmal – anders als bei der Gemeinderatssitzung/Bürgerversammlung im Februar – gering. Vielleicht auch deshalb, weil die Mehrheitsverhältnisse zum ominösen Glasturm LaurinsKristall von der Bevölkerung von Welschnofen als eindeutig betrachtet werden.

Und das sind sie am Ende auch: Zehn der 14 anwesenden Räte stimmen für den Antrag auf Bauleitplanänderung, eingebracht von der privaten Liftgesellschaft Latemar-Karersee. Allerdings gibt es zwei Gegenstimmen aus der SVP-Fraktion, sie kommen, den Wortmeldungen nach, von den Räte Gabi Messner und Ferdinand Pardeller. Die oppositionelle Bürgerliste spricht sich ebenfalls gegen die Bauleitplanänderung aus, die Gegenstimmen kommen von Elvira Tschager und Valentin Wiedenhofer. Thomas Pardeller, der wegen seiner Position vom Ortsausschuss heftig attackierte LVH-Direktor, istberufsbedingt abwesend.

SVP-Bürgermeister Markus Dejori verteidigt hingegen das Vorhaben der Liftgesellschaft mit dem Glasturm bei der Kölner Hütte mit bekannter Entschiedenheit. Und tätigt eine bemerkenswerte Aussage: „Das Gutachten ignorieren wir“. Auch weil es zu spät eingelangt sei. Im Vorfeld der Abstimmung am Mittwochabend im Welschnofner Gemeinderat hatte es der Bürgermeister als „Altpapier“ bezeichnet.

Gemeint ist das „ergänzende Gutachten“ des wissenschaftlichen Beirats der UNESCO-Stiftung, das Anfang der Woche in der Gemeinde Welschnofeneingelangt ist. Die abstimmenden Gemeinderäte hatten davon – außer über die Lektüre der TAGESZEITUNG – keine Kenntnis.

Zur Erinnerung: Das erweiterte UNESCO-Gutachten, das von den Welschnofner Gemeindeverwaltern faktisch ignoriert wird, ersetzt in gewisser Weise das Gutachten der Landesraumordnungskommission. Diese hatte die Bauleitplan-Änderung mit Verweis auf das einzuholende UNESCO-Gutachten an die Gemeindeverwaltung weitergeleitet. Am 6. Februar ging bei der Gemeinde ein fünfseitiges Gutachten der Welterbe-Stiftung ein, dieAntragsteller nahmen daraufhin einige Änderungen vor: Der Glasturm wurde teilweise unter Erde gesetzt und ist nunmehr dreizehn statt 18 Meter hoch. Außerdem wurde die landeseigene Kölner Hütte in das Gesamtkonzept integriert.

SVP-Gemeinderätin Gabi Messner bezeichnete dies in ihrer Stellungnahme im Gemeinderat wörtlich als „Farce“: „Die Kölner Hütte gehört dem Land, deshalb kann nicht von einem Privaten ein Teilabriss vorgesehen werden. Im vorliegenden Projekt fehlt aber ein konkretes, vom Eigentümer abgesegnetes Konzept für die Neugestaltung der Hütte“. Messner hält eine umgebaute und sanierte Kölner Hütte für eine größere Attraktion als einen Glasturm.

Mit diesem wird sich nach dem Votum des Welschnofner Gemeinderats in einigen Wochen die Landesregierung befassen müssen. Sie hat das letzte Wort und wird – anders als die Verwalter in Welschnofen – das ergänzende UNESCO-Gutachten vom 20. Mai nicht ignorieren können. Schließlich ist Südtirol eine der Mitgliedsprovinzen der Stiftung. Das Gutachten ist eindeutig negativ, der Glasturm wird als „Fremdkörper“ bezeichnet.

Marcella Morandini, Geschäftsführerin der Stiftung Dolomiten UNESCO, erklärt, die Hintergründe zum zweiten Gutachten: „Bereits das erste Gutachten war negativ, aber offenbar nicht klar genug formuliert. Auf der Grundlage des neu erstellten Gesamtkonzepts hat es der wissenschaftliche Beirat erweitert und seine Einschätzung präzisiert“.

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