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Teure Therapien

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Insgesamt mehr als 130 Millionen Euro hat der öffentliche Gesundheitsdienst des Landes im vergangenen Jahr für Arzneimittel ausgegeben. Größter Kostenpunkt: Die Chemotherapien. 

von Lisi Lang

Die Kosten für den öffentlichen Gesundheitsdienst des Landes für den Ankauf von Arzneimitteln sind in den letzten fünf Jahren gewachsen. Insgesamt 130.688.830 Euro (siehe Kasten) sind im letzten Jahr für den Ankauf von Arzneimitteln angefallen – das sind immerhin rund vier Millionen Euro mehr als im Vorjahr und sogar 23 Millionen mehr als im Jahr 2013. Das geht aus einer Anfrage des freiheitlichen Landtagsabgeordneten Andreas Leiter Reber hervor. „Der Landeshauptmann hat den steigenden Medikamentenbedarf in einer Sitzung der Landesregierung thematisiert und daher wollten wir weitere Informationen zum Thema einholen“, so Leiter Reber.

Die Gründe, welche zu diesem steigenden Medikamentenbedarf führen, sind zahlreiche. „Zu den wichtigsten gehören die demographische Entwicklung mit einer ständig sich erhöhenden Lebenserwartung und die Zunahme der chronischen Krankheiten“, erklärt Gesundheitslandesrat Thomas Widmann die Zahlen. Es sei unumstritten, dass das Alter einen wesentlichen Einfluss auf den Gesundheitszustand und somit auch auf den Bedarf an Medikamenten habe. Aber auch neue Therapien oder die steigende Anzahl von Krebserkrankungen führen zu einem Kostenanstieg. „Eine weitere bedeutende Ursache liegt in der stets steigenden Anzahl von Krebserkrankungen und in der immer häufigeren Chronifizierung von Krebserkrankungen, welche aufgrund der neuen Therapien erreicht werden kann“, erläutert der Landesrat. „Zudem führt die Entwicklung von Medikamenten für Krankheiten, für die es bisher keine oder kaum Therapien gab, wie Hepatitis C oder die spinale Muskelatrophie, dazu, dass der Bedarf an Medikamenten und somit auch die Medikamentenkosten ständig steigen“, erläutert Widmann.

In Südtirol machen Mittel für Chemotherapien aktuell den größten Teil der Gesamtkosten aus. So wurden im Jahr 2018 insgesamt mehr als 32 Millionen Euro für antineoplastische und immunmodulierende Mittel ausgegeben. In dieser Kategorie wurde im Vergleich zum Vorjahr auch der höchste Kostenanstieg von mehr als fünf Millionen Euro verzeichnet. Dieser kann unter anderem auch auf die rasante Entwicklung von neuen Therapien für Tumorpatienten zurückgeführt werden.

Auch die verschiedenen Therapieren für Patienten, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, stehen mit Kosten von 16,8 Millionen Euro ganz oben in der Tabelle. Präparate, die für die Behandlung von Erkrankungen des Nervensystems wie beispielsweise Epilepsie, Parkinson oder anderen neurologischen Krankheiten verwendet werden, folgen mit rund 14 Millionen Euro auf Platz 3. Erst weiter hinten finden sich die Ausgaben für Impfstoffe, Erkrankungen der Atemwege, Hautkrankheiten oder systematische Hormonpräparate.

„Es handelt sich immer um Kosten, also um Therapien, die dem Patienten zu Gute kommen. Es geht darum, die Lebensqualität eines Patienten zu verbessern und wenn möglich eine Heilung zu erzielen“, unterstreicht Laura Schrott Fischnaller, Direktorin der Abteilung Gesundheit.

Die Landesregierung möchte in den nächsten Jahren Maßnahmen ergreifen, um einen weiteren Bedarfs- und Kostenanstieg zu verhindern. „Die Abteilung Gesundheit wird mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb Maßnahmen vereinbaren, um die Ausgaben im medikamentösen Bereich einzudämmen. Zu diesen Maßnahmen zählen unter anderem die Standardisierung von Therapien, die Erhebung der Angemessenheit der Verschreibungen und die Mehrverschreibung der Biosimilars, also von Generika“, erläutert der Gesundheitslandesrat.

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