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Ensemble Polyharmonique & Concerto Melante

 

Das Vokalensemble „Polyharmonique“: Spezialisten für Vokalmusik der Renaissance- und Barockzeit (Foto: Christian Palm in der Dorfmühle Lehrberg)

Das Vokalensemble „Polyharmonique“ und das Barockensemble der Berliner Philharmoniker „Concerto Melante“ führen in der Freinademetzkirche Milland/Brixen unter der Leitung von Raimar Orlovski & Alexander Schneider Barockmusik auf höchstem Niveau auf.

Das Hauptwerk ist das zu Herzen gehende Oratorium „Natura et quatuor elementa ad Sepulcrum Christi“ von Antonio Cesta, das als Schatz in der Staatsbibliothek Berlin schlummerte. Als Erzherzog Ferdinand Karl von Österreich-Tirol im Jahr 1652 mit Antonio Cesti den aufsteigenden Stern am italienischen Opernhimmel an seinen Hof nach Innsbruck holte, gelang ihm ein Coup, der ihm hohes Prestige einbrachte und den Ruf der Tiroler Residenzstadt als Musikzentrum von europäischem Rang festigte. Ein weiteres Zeichen dieser kulturellen Blüte des höfischen Musiklebens in Innsbruck unter Ferdinand Karl und seiner nicht minder musikbegeisterten Frau Anna de’ Medici war der Bau des Innsbrucker Comedihauses 1652-1654. Dieses Opernhaus nach venezianischem Vorbild wurde natürlich mit einer Oper von Cesti erffnet, „La Cleopatra“.
In der Folgezeit lieferte der Italiener, der in Innsbruck als Kam- merkapellmeister angestellt war, nicht weniger als 8 Opern für Innsbruck. Als Ferdinand Karl 1662 starb, musste sein Nach- folger Sigismund Franz zwar Sparmaßnahmen ergreifen, aber Cesti blieb bis zum frühen Tod des letzten Habsburgers der Tiro- ler Linie 1665 im Amt. 1666 holte ihn Kaiser Leopold I. nach Wien und verlieh ihm den Titel eines „Intendente delle musiche teatra- li“. Für Wien komponierte er weitere Opern, unter anderem die Prunkoper zur ersten Hochzeit des Kaisers, „Il pomo d’oro“. Vermutlich schrieb er auch in und für Wien sein bislang unbeach- tet gebliebenes, in einer Handschrift der Staatsbibliothek Berlin überliefertes Passionsoratorium „Natura et quatuor elementa dolentia ad Sepulchrum Christi“. Die Berliner Handschrift wurde laut Angaben im Titel von Wolfgang Christoph Memminger dem „edlen Collegium musicum“ verehrt („Nob: Collegio Musico | ex liberalitate | Wol gangi Christophori Memmingeri | praesenta- ta“). Wir wissen nicht, welches Collegium musicum hier gemeint ist, aber bei der Person handelt es sich wohl um den Angehö- rigen des Regensburger Patriziergeschlechtes der Memminger (1638-1707), der 1670 als Regensburger Ratsherr resignierte und in kurfürstlich sächsische Dienste trat. Wie dem auch sei, Cestis Oratorium ist ein typisches Sepolcro in der Wiener Tra- dition, also ein Oratorium für die Karwoche, in dem allegorische Personen auftreten, in diesem Fall Aqua, das Wasser, Aura, die Luft, Natura, die Natur, Terra, die Erde und Ignis, das Feuer.
Dazu kommen Werke aus Tiroler Musikarchiven.
Polyharmonique ist ein Kollektiv von Gesangssolisten, welches sich unter Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis auf die Vokalmusik der Renaissance- und Barockzeit spezialisiert hat. Unter der Leitung des international gefragten Countertenors Alexander Schnei- der (primus inter pares) prägen höchste Ansprüche an die Klangkultur, eine inhaltsorientierte Textgestaltung sowie der emotionale Aspekt das Wirken von Polyharmonique. Neben der Pflege des bekannten Repertoires der Barockmusik widmet sich das Ensemble der Neuentdeckung von in Vergessenheit geratener „Alter Musik“.

Termin: Freitag, 10. Mai um 20.00 Uhr in der Freinademetzkirche Milland/Brixen Kartenvorverkauf: Tourismusbüro Brixen.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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