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Paulmichl & Boccherini

Sopranistin Stefanie Steger

Stefanie Steger, Sopran, Leonardo Carrieri, Orgelund das Amarida Ensemble führen beim Festival Musica Sacra eine Meditation von Herbert Paulmichl und  das Stabat Mater für Sopran und Streichquintett  von Luigi Boccherini auf

 Herbert Paulmichl, 1935 in Stilfs geboren. Komponist, Kapellmeister, Organist, Pädagoge. Erhielt von seinem Vater Leonhard Klavier- und Orgelunterricht, wurde in Brixen weiter ausgebildet, wo er auch 1956–59 die Theologische Hsch. besuchte. 1959–61 studierte er in Regensburg/D (bei Ferdinand Haberl), 1961–67 an der Münchner MHsch. Kirchenmusik, Orgel, Dirigieren und Komposition. Dirigierkurse u. a. bei H. Swarowsky. Er war Leiter der Kirchenmusikabteilung am Konservatorium Bozen, weiters Domkapellmeister und Domorganist in Bozen. Gründete und leitete das Bozner Jugendorchester; Konzerttätigkeit im In- und Ausland.

Herbert Paulmichl ist einer der wichtigsten lebenden Komponisten von Kirchenmusik im deutschen Sprachraum; sein Werk eröffnet neue Wege in der Orgel- und Chormusik und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er studierte Musik und Kirchenmusik in Regensburg und München, leitete die Abteilung für Kirchenmusik am Konservatorium in Bozen, ist heute Kapellmeister und Organist am Bozner Dom. Paulmichl gründete und leitete das Bozner Jugendorchester sowie das Ensemble Musica Rara. 1985 gewann er den Wettbewerb um die Kapellmeisterstelle am Salzburger Dom, trat die Stelle jedoch nicht an.

Für das Festival Musia Sacra komponierte Paulmichl die Orgel-Meditation über „Es ist ein Schnitter“ und „Hüt‘ dich! Freu dich! Schön’s Blümelein!“

 

Luige Boccherini: Stabat Mater

Die erste Version des Stabat Mater schrieb Boccherini 1781 auf Wunsch des Infanten Don Luis, im abgelegenen Arenas de San Pedro, wo beide im Exil lebten. Zwischen dem Komponisten und seinem Mäzen scheint eine hohe gefühlsmäßige wie auch religiöse Übereinstimmung geherrscht zu haben. Don Luis erwies der Madonna seine besondere Verehrung und trug sogar immer ein kleines Bild von ihr bei sich. Demütig bescheiden verzichtete er auch auf die Einbalsamierung, die für verstorbene Mitglieder der königlichen Familie üblich war. Boccherini aber ließ sich sogar in einer Franziskanerkutte begraben.

Sein Stabat Mater ist eine spürbar persönliche Komposition intimen und tröstenden Charakters. Das unterstreicht nicht zuletzt die kammermusikalische Besetzung: zwei Violinen, Viola, Violoncello (von Boccherini wohl selbst gespielt), Kontrabass und eine Sopranstimme (in Arenas sicher die seiner Ehefrau Clementina Pellicia). Diese kleine Besetzung ist später verschiedentlich um stärkerer dramatischer Effekte willen auf ein Orchester übertragen worden, sehr zu Unrecht, weil dem Werk dabei seine gerade im Schlichten und Einfachen liegende Schönheit geraubt wurde.

Boccherini vertonte den zwanzigstrophigen, dem Franziskaner Jacopone da Todi zugeschriebenen Text in elf unterschiedlich langen Teilen, die in der ersten Version für Solostimme und Streichquintett drei auch tonartlich verschiedenen Gedankenkreisen zuzuordnen sind. Im ersten assoziiert der Komponist mit f-Moll und c-Moll das Weinen und die Schmerzen Mariens am Fuße des Kreuzes sowie Christi Leiden. Im mittleren, aus b-Tonarten (As-Dur, Es-Dur, B-Dur, F-Dur) bestehenden Abschnitt tritt dann der als Sünder für die Passion mitverantwortliche Mensch ins Zentrum der Betrachtung. Hier trifft man, konform mit der italienischen Tradition von Scarlatti bis hin zu Pergolesi, auf geradezu opernhaft anmutende Arien: Eia mater z. B., ferner Virgo virginum und die wiegenliedartige Arie in F-Dur Fac, ut portem, bei der eine Erinnerung an die Pietà des Michelangelo die Feder geführt haben mag. Der Schlussabschnitt ist der persönlichste Teil und Höhepunkt des Werkes. Hier wird in besonders wirksam komprimierter Weise jeder Mensch zum Nachdenken über seinen Tod und das eigene jenseitige Schicksal aufgefordert. Fac me plagis erklingt sogar zu einer perfekten Fuge in c-Moll und verbindet sich mit der Bitte um Mariens Beistand am Jüngsten Tag. Und das f-Moll der Schlussstrophe·Quando corpus (Andante flebile ossia lamentoso, lacrimoso) scheint geradezu eisigen Grabeshauch einzufangen, ehe das F-Dur des Amen schwache Hoffnung aufschimmern lässt.

Leonardo Carrieri, Orgel, erwarb sein Diplom in Orgel und Cembalo Orgel am Konservatorium “ Bonporti” von Trient  und in Klavier am Konzervatorium von Mantova. Diplom in Musikdidaktik am Konservatorium in Bozen. Meisterkurse unter anderem mit Jean Guillou, G. Parodi und Andrè Ajdu  und Jesper Christensen. Verschiedene erste Preise bei Orgel – und Cembalowettbewerben (Anguillare Veneta, Olgiate Olona, Fano di Adriano  Borca di Cadore). Rege Konzerttätigkeit als Solist und in Ensembles in Italien und im Ausland; er ist Organist an der Kirche S. Marco in Rovereto und an der Pfarrkirche St. Vigil in Meran (Untermais).

 Amarida Quartett

Das Amarida Quartett – 1984 von Johanna Wassermann gegründet – hat seinen Namen von einem zauberhaften Wald der ladinischen Sagenwelt, wo eine Harfenspielerin –ähnlich der Lorelei- die Sinne der Wanderer verwirrt. Das Quartett setzt sich zum Teil aus Mitgliedern des Haydn Orchesters Bozen, die führende Positionen innehaben, zusammen. Neben bekannten klassischen Meisterwerken widmet sich das Ensemble der zeitgenössischen Musik und hat in Zusammenarbeit mit Komponisten zahlreiche, zum Teil ihm gewidmete Werke uraufgeführt

Das Amarida Quartett spielte u.a. beim Festival Geistlicher Musik, der Brixner Initiative Musik und Kirche, beim Konzertverein Bozen, den Gustav Mahler Musikwochen, bei Musicastello, Musica in Aulis, Forum Cultur Brixen, beim Festival Zeitgenössischer Musik, bei Musica Viva Vinschgau, Musik Sommer Pustertal, Festival MITO Milano und engagiert sich besonders im Bereich der Tiroler Musik, wovon zahlreiche Aufnahmen für Rundfunk und Fernsehen durch den Sender RAI Südtirol Zeugnis ablegen. Das Ensemble hat CDs mit Serenaden Südtiroler Komponisten ( J.B.Gänsbacher, Eduard Lucerna, Francesco Brazzo, Eduard Demetz) und die beiden Klavierquintette von Ludwig Thuille eingespielt.

Termin: Samstag, 4. Mai, Klausen, Pfarrkirche, 20.00 Uhr, Sonntag, 5. Mai, Terlan, Pfarrkirche, 20.00 Uhr

 

 

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