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„Gesellig und schmissig“

Jürgen Wirth Anderlan und Elmar Thaler (Fotos: SSB)

Was sich im Südtiroler Schützenbund mit der Wahl von Jürgen Wirth Anderlan zum neuen Landeskommandanten wirklich ändern wird.

von Artur Oberhofer

Elmar Thaler selbst hält seinen Nachfolger für einen „geselligen, schmissigen und tatenfreudigen Typen“ und ist glücklich darüber, dass die Stabübergabe im Schützenbund „in vollster Harmonie“ erfolgt sei. Und der Neue, Jürgen Wirth Anderlan, kündigt an, er wolle Thalers Linie fortsetzen.

Stellt sich jetzt die Frage: In welche Richtung werden Südtirols Federhutträger unter dem Kommando des 48-jährigen Kalterers marschieren? Wird der Schützenbund den harten, zumal auch provokatorischen Kurs, den er unter dem Landeskommandanten Elmar Thaler gefahren ist, fortsetzen?

An der politischen Stoßrichtung dürfte sich nicht viel ändern. So wie sein Vorgänger Elmar Thaler gilt auch Jürgen Wirth Anderlan als ein Mann der Süd-Tiroler Freiheit. Allerdings trauen Insider dem Neuen zu, dass es ihm gelingt, mehr Überparteilichkeit in den Bund zu bringen.

Unter Elmar Thaler, so monieren insbesondere SVP- und blaue Schützen, habe der Schützenbund eine klare Schlagseite bekommen, der SSB sei zu einer Vorfeldorganisation der Süd-Tiroler Freiheit geworden. Als Beispiel wird die Symbiose zwischen Schützenbund und STF in Sachen Doppelpass genannt.

Und innerhalb des Schützenbundes gab es in den vergangenen zehn Jahren keine richtige Dialektik, keine offen ausgetragenen Richtungskämpfe. „Kritische Leute hat man nicht gern gehabt“, berichtet ein Insider, „Schulterklopfer hat man lieber gesehen.“ Die Harmonie sei nicht gelebt, sondern nur zelebriert worden.

Zwar konzedieren auch Elmar Thalers Kritiker, dass der alte LK ungemein viel gearbeitet und auch viele Aktionen gestartet habe. Doch hätten der Thaler und dessen Mistreiter vielfach „politisch zu ungeduldig und zu stümperhaft reagiert“.

Da mit Elmar Thaler auch dessen engste Mitstreiter Efrem Oberlechner (Medienarbeit) und Margareth Lun (Kulturreferentin) aus der Bundesleitung ausscheiden, rechnen Insider damit, dass sich der SSB unter dem neuen Landeskommandanten breiter aufstellen könnte.

Ein den Freiheitlichen nahestehender Schütze sagt: „Es täte den Bund gut, wenn er sich auch thematisch neu orientieren könnte, etwa in den Bereichen Schule, Bildung und Umwelt.“

Zwar gilt auch Jürgen Wirth Anderlan als streng wertekonservativer (Volkstums-)Politiker, er trete aber – zumindest nach außen hin – moderner auf, als sein Vorgänger. Und Wirth Anderlan sei – das freut insbesondere die Nicht-STF-ler in den Reihen des Schützenbundes – nicht so sehr auf die Ein-Tirol-Idee fixiert, sondern er könne sich auch andere Selbstbestimmungsmodelle für Südtirol vorstellen.

Eine Unbekannte bei Jürgen Wirth Anderlan, dem Bauern, der im Winter als Skilehrer arbeitet, ist sein Durchhaltevermögen. Die, die ihn ganz gut kennen, berichten, er sei voller Tatendrang, ein absoluter Macher-Typ, er delegiere aber manchmal zu wenig. „Wenn er jetzt noch lernt, im Team zu agieren“, so sagt ein Unterlandler SVP-Schütze, „dann kann er ein guter Landeskommandant werden, denn Charisma hat der Jürgen.“

 

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