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„Geruch von Ausbeutung“

Bei zwei Flashmobs prangern Schülerinnen und Schüler in Bozen und Meran die unmenschliche Kleiderproduktion in Asien an.

Die weltweite Sensibilisierungswoche „Fashion-Revolution“ erreichte am Dienstag in Südtirol ihren Höhepunkt. Eine Moderevolution ist notwendig, betonten Schülerinnen und Schüler des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums von Meran und des Realgymnasiums und der Fachschule für Bauwesen von Bozen.

Bei Flashmobs veranschaulichten sie die Kurzlebigkeit von Bekleidung und den geringen Wert, den wir Kleidern zugestehen. Die Meraner Schüler*innen gingen dafür mitten in der Stadt auf die Straße, die Bozner Schüler*innen sensibilisierten im Schulhof.

Zwanzig Schüler*innen der 3B des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums von Meran brachten eine Reihe von T-Shirts auf einem Kleiderständer in die Sparkassenstraße, probierten sie wahllos aus und warfen sie achtlos zu Boden. Lässige Musik untermalte die Aktion und klang plötzlich dramatischer, als Jugendliche die Geschichten von Näher*innen vortrugen, wie sie in Bangladesch und Indien täglich und millionenfach vorkommen: „Labels erzählen nicht die ganze Geschichte“, betonten sie.

Im Realgymnasium und in der Fachschule für Bauwesen in Bozen trugen die Schülerinnen und Schüler während der Pause selbstgemachte Stirnbänder, drehten ihre T-Shirts um und trugen deren Innenseiten nach außen. Im Anschluss zeigten sie einen Kurzfilm über die unmenschliche Kleiderproduktion in Asien. „Wir alle tragen Kleider, von denen wir nicht wissen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurden“, erklärten sie ihren Schulkolleg*innen.

„Fast Fashion“ töte, betonten die Südtiroler Schüler*innen bei ihren Aktionen. Das habe der Einsturz des Fabriksgebäudes Rana Plaza in Bangladesch vor sechs Jahren gezeigt. Am 24. April 2013 wurden dabei 1.127 Menschen getötet und 2.438 verletzt.

Es war der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte von Bangladesch: In dem achtgeschossigen Gebäude Rana Plaza waren Textilarbeiterinnen beschäftigt, die Kleider für den europäischen und amerikanischen Markt nähten. Weltweit brandeten in der Folge Diskussionen über die Kleiderproduktion und die Arbeitsbedingungen von Produzent*innen in asiatischen Ländern auf. Viel wurde versprochen, kaum etwas eingehalten. Modegiganten bringen weiterhin Billigkleidung auf den Markt.
„Wir alle können etwas dagegen tun“, betont Brigitte Gritsch von den Südtiroler Weltläden. Bevor wir kaufen, sollte jede und jeder für sich überlegen, ob man das Kleidungsstück wirklich brauche, dass Mode Menschen ausbeute und jedes neue Kleidungsstück Auswirkungen auf das Ökosystem habe. Unter anderem werden in den Südtiroler Weltläden hochwertige und

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (1)

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  • drago

    Und wieviel von den Kleidern, die die Schüler tragen, wurden in Asien hergestellt? Vielleicht wäre es sinnvoller, als mit einem Kleiderständer voll Kleider auf die Straße zu gehen, bei der eigenen Kleider- und Schuhauswahl anzufangen.

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