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Der Super-Kommissar

Die italienische Regierung macht den aus Südtirol vertriebenen General Thomas Schael zum „Alleinherrscher“ im Sanitätsbetrieb von Kalabrien. 

von Matthias Kofler

Giulia Grillo hat die Reißleine gezogen. Die italienische Gesundheitsministerin von der Fünf-Sterne-Bewegung hat mit sofortiger Wirkung die völlige Kontrolle über den haushoch verschuldeten Sanitätsbetrieb der Südregion Kalabrien übernommen. Ein bislang einmaliger Vorgang in Italien. Alle Entscheidungen treffen künftig die beiden von der Regierung eingesetzten Super-Kommissare Sandro Cotticelli und Thomas Schael. Ausgerechnet Schael: Der vor einem Dreivierteljahr bei der Südtiroler Landesregierung in Ungnade gefallene und (wohl aus Wahlkampfgründen) entlassene Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs wird in seiner neuen Funktion als Sanitätsmanager praktisch zum „Alleinherrscher“ des Gesundheitsbetriebs von Kalabrien.

Thomas Schael unterstreicht im Gespräch mit der Tageszeitung die Einmaligkeit der römischen Entscheidung: „Es ist das erste Mal, dass ein Techniker im Entscheidungsfindungsprozess so weit nach oben gehoben wurde. Ich übernehme damit alle Entscheidungsbefugnisse des Regionalpräsidenten“, erklärt der Ex-Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebs.

Vor Schael steht nun ein Berg von Arbeit. In Kürze wird der Super-Kommissar acht neue Generaldirektoren ernennen. Die alte Riege wird völlig ausgetauscht. Zudem muss der Fachmann aus Deutschland die Verluste des kalabrischen Gesundheitsbetriebs, die derzeit bei 180 Millionen Euro im Jahr liegen, schnellstmöglich in eine Null verwandeln. Dafür sei es notwendig, die Versorgung zu verbessern. Schael meint, dass dies zwar eine schwierige, aber machbare Aufgabe sei. Immerhin besteht Kalabrien – anders als Südtirol – aus insgesamt acht Betrieben, die gemeinsam einen Umsatz von jährlich 3,8 Milliarden Euro erzielen und zwei Millionen Bürger versorgen. Südtirols Sanitätsbetrieb müsse deutlich weniger Menschen versorgen. Aufgrund seiner Selbstfinanzierung sei der Südtiroler Betrieb mit einem Haushalt von 1,35 Milliarden Euro reich genug, um sich selbst zu versorgen. Hätte Südtirol hingegen eine normale Finanzierung wie die anderen Region, würde der Bozner Betrieb ein Minus von 400 Millionen Euro im Jahr einfahren, erklärt der Ex-General.

Die Geschehnisse im Südtiroler Sanitätsbetrieb verfolgt Schael nur noch am Rande. Er hat schließlich in Kalabrien alle Hände voll zu tun. „Mir macht die Arbeit Spaß. Und als Gesandter der Regierung kannst du viel freier agieren als in Südtirol“, sagt der ehemalige General.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)

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