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„Lehmkopf“ von Walter Pichler

Klaus Thoman, Beate Palfrader, Elisabeth Thoman, Elfi Tripamer-Pichler, Wolfgang Meighörner und Günther Dankl (v.l.n.r.) (Foto: Land Tirol/Brandhuber)

Das Tiroler Landesmuseum Ferdinande hat im Dezember 2018 wertvolle Stücke der späteren Schaffenszeit von Walter Pichler erworben. Die Skulptur „Lehmkopf“ und die acht Zeichnungen wurden vom Land Tirol zugekauft und ergänzen nun die bereits präsentierte Leihgabe des Landes, „Unterirdisches Gebäude mit ausfahrbarem Kern“ aus 1963.

Anlässlich der Präsentation der Werke am Donnerstag, 25. April dankte Kulturlandesrätin Dr.in Beate Palfrader vor allem Elfi Tripamer-Pichler, der Witwe des Künstlers, dass sie das Schaffen Walter Pichlers der Öffentlichkeit zugänglich macht: „Ich freue mich sehr, dass die Kunstsammlung des Landes mit dem Ankauf der Skulptur „Lehmkopf“ von Walter Pichler und der damit in Zusammenhang stehenden acht Zeichnungen eine wertvolle Ergänzung und Erweiterung erfährt. Auf Initiative von Dr. Günther Dankl, dem Leiter der Modernen Galerie der Landesmuseen, und auf einstimmige Empfehlung der Kunstankaufsjury des Landes konnten die Werke doch noch erworben werden.“
Walter Pichler, 1936 im Südtiroler Deutschnofen geboren und 2012 in Wien verstorben, zählte zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern in Österreich. Nach seinem Studium in Wien und Paris entwickelte er ab 1959 ein plastisches Werk, das zwischen Architektur, Design und Skulptur angesiedelt war. 1963 stellte er gemeinsam mit Hans Hollein in der „Galerie nächst St. Stephan“ in Wien erstmals seine utopischen Architekturmodelle aus, ab 1966 entwickelte er die Werkgruppe der „Prototypen“. Als er 1972 in St. Martin an der Raab im südlichen Burgenland einen Bauernhof erwarb, änderte sich sein künstlerischer Weg grundlegend: Er begann, Häuser für seine Skulpturen zu adaptieren oder neu zu erbauen. Sie dienten als Herberge und boten Schutz, weshalb sie die ideale Umgebung für seine Skulpturen darstellten.
„Walter Pichler war dafür bekannt, eigene Häuser für seine Skulpturen zu schaffen und diese damit zu einem Teil des künstlerischen Werkes zu machen“, so PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen. Dr. Günther Dankl, Leiter der Modernen Galerie am Ferdinandeum, ergänzt: „Seine Arbeiten waren zum größten Teil unverkäuflich und verließen lediglich bei Ausstellungen den eigens für sie geschaffenen Ort.“ Als Materialien seiner plastischen Arbeiten verwendete der Künstler ab diesem Zeitpunkt fast ausschließlich Holz, Metall, Lehm, Glas und Bronze.

Intensive künstlerische Auseinandersetzung

Pichlers Skulpturen, Objekte sowie Installationen entstanden nach intensiver Beschäftigung, die sich meist über lange Zeiträume vollstreckte: Aus einer Fülle figürlicher Notationen, die oft in Bezug zu mehreren Werken standen, konkretisierte sich die jeweilige Gestalt. Sie wurde sorgfältig zeichnerisch vorbereitet und präzisiert sowie in plastischen Skizzen erprobt. Ausgangspunkt aller Arbeiten war die Zeichnung, die gemeinsam mit der Skulptur ein subtiles narratives Netzwerk umspannte. 1975 entstand „Die erste Schädeldecke“, für die Pichler von 1979 bis 1981 das „Haus für den Rumpf und die Schädeldecken“ errichtet hatte. In den folgenden Jahren setzte er sich in seinen Skulpturen immer wieder mit dem „Kopf“, dem „Schädel“ oder der „Behausung“ im weitesten Sinne auseinander. Im Rahmen der Ausstellung „Es ist doch der Kopf“ – von 29. Jänner bis 30. März 2008 im Ferdinandeum – zeigte er unter anderem die Skulptur „Lehmkopf“ (2007).

„Der ‚Lehmkopf‘ ist eine der wenigen Skulpturen, die nicht in Pichlers ‚Häuser für Skulpturen‘ integriert und an diese gebunden sind. Um das Werk und die dazu entstandenen Zeichnungen und Entwürfe für das Ferdinandeum anzukaufen, bin ich an den Künstler herangetreten. Wir haben damals bereits erste Gespräche geführt“, so Dr. Günther Dankl, Leiter der Modernen Galerie am Ferdinandeum. Seither arbeitete Pichler an einem Konzept für eine gemeinsame Präsentation der 1969 vom Land Tirol erworbenen Skulptur „Unterirdisches Gebäude mit ausfahrbarem Kern“ (1963) und des „Lehmkopfes“ (2007) im Ferdinandeum. Durch den Tod des Künstlers im Jahr 2012 konnte dieses Vorhaben nicht realisiert werden. Vergangenen Dezember wurde der „Lehmkopf“ gemeinsam mit acht dazu entstandenen Zeichnungen und Entwürfen aus dem Nachlass des Künstlers erworben und wird nun im Ferdinandeum ausgestellt.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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