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Weibliche Verstärkung

Die Südtiroler Grünen haben eine zweite Südtiroler Kandidatur auf der Liste Europa Verde erwirkt und freuen sich darüber, dass sich die bekannte Jugendarbeiterin Judith Kienzl dazu bereit erklärt hat.

Kienzl ist 35 Jahre alt und lebt derzeit am Ritten.

Sie ist aktives Mitglied der young greens southtyrol, hat bereits bei verschiedenen Wahlen auf Gemeinde- und Landesebene für die Verdi Grüne Vërckandidiert, war Mitglied im Grünen Rat.

Das Einmischen und Mitreden liege ihr am Herzen.

Judith Kienzl schreibt in einem (langen) Brief an die WählerInnen:

„Ich bin Judith Kienzl, 35 Jahre alt, Mutter eines 5-jährigen Sohnes und mit unserem zweiten Kind schwanger. Ich kandidiere auf der Liste der Grünen für die Europawahl 2019. Als ich um diese Kandidatur gebeten wurde, habe ich zunächst abgewinkt.

Nein, für mich ist gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Das soll jemand anders machen! Aber dann wurde mir klar, dass es den richtigen Zeitpunkt nicht gibt und warum nicht gerade ich? „Mischt euch ein, empört euch!“ sagte Stéphane Hessel in seiner gleichnamigen Streitschrift. Ich bin davon überzeugt, dass es Menschen braucht, die Zivilcourage zeigen und für ihre Werte einstehen. Demokratie funktioniert nur, wenn wir nicht nur Rechte einfordern, sondern auch bereit sind, ganzheitlich Verantwortung zu übernehmen, für uns und in der Gesellschaft. Ich möchte meinen Teil beitragen zu einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Gestaltung von Gesellschaft und Umwelt.

Ich bin die weibliche Verstärkung für die Südtiroler Grünen auf der Liste „Verde Europa“, für die ich zusammen mit Norbert Lantschner kandidiere. Ich denke, dass es wichtig ist, den Wählerinnen und Wählern eine echte Wahl zu bieten und das ist dieses Mal der Fall. Es gibt mehrere Südtiroler KandidatInnen auf unterschiedlichen Listen, das finde ich gut.

Warum Grün? Weil die Grünen für die Veränderung stehen, die mir am Herzen liegt. Sie stehen dafür, Europa nicht aufzugeben, sondern es zu dem zu machen, was ursprünglich versprochen war: Eine Union, die nicht von egoistischen Interessen, sondern von gemeinsamer Verantwortung geprägt ist. Eine Union, die nicht für finanzielle Gewinne für wenige, sondern für wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt für alle steht. Eine Union, die beim Schutz von Mensch und Erde eine Vorreiterrolle einnimmt.

Vor Kurzem habe ich eine junge Frau kennengelernt, die mit 20 Jahren den elterlichen Bauernhof übernommen hat. Jung, engagiert, voller Ideen und ohne Grenzen im Kopf hat sie sich gemeinsam mit ihrem Partner dafür entschieden, eine seltene, vom Aussterben bedrohte Schafrasse auf dem Hof zu züchten. In Österreich haben die beiden ein tolles, innovatives Projekt gefunden, das Bauern beim Erhalt dieser Rasse unterstützt. Aber können sie an dem Projekt teilnehmen? Nein! Sie müssen ihre Böcke zum Metzger bringen anstatt sie ins Austauschprogramm für die Weiterzucht zu geben, weil derzeit die Grenze für Tierhandel geschlossen ist. Vermutlich gab es Gründe für diese Grenzschließung. Ich aber würde mich über ein Europa freuen, das jungen motivierten Menschen Möglichkeiten, nicht Grenzen aufzeigt!

Judith Kienzl

Auf der Facebook-Seite vom Haus der Solidarität in Brixen habe ich von einem kleinen Mädchen gelesen, das nachts Alpträume vom Krieg hatte und davon geplagt aufwachte. Die Mutter konnte es mit den Worten: „Wir sind in der EU. Hier herrscht Frieden. Alle halten zusammen“ wieder beruhigen. Das Mädchen schlief beruhigt wieder ein: „Zum Glück sind wir in der EU!“. Das ist meine Vision von Europa. Ein Europa, das unseren Kindern Sicherheit und Frieden bietet. Nicht ein Europa das in 1.000 Klein- und Kleinststaaten zerfällt, die sich wegen Banalitäten und Egoismen bekämpfen.

Ich war lange in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und habe dort viele engagierte, motivierte, kreative junge Menschen kennengelernt. Gerald Hüther, ein von mir sehr geschätzter Hirnforscher, sagt, dass diese jungen Menschen drei Dinge brauchen: Aufgaben an denen sie wachsen können, Vorbilder an denen sie sich orientieren können und Gemeinschaften in denen sie sich aufgehoben fühlen. Meine Vision von Europa ist so eine Gemeinschaft, in der sich junge Menschen aufgehoben fühlen, in der alle Menschen gleichwertig mit ihren jeweiligen Potentialen, Fähigkeiten und Fertigkeiten teilhaben- und an deren Gestaltung achtsam mitwirken können. Ich bin davon überzeugt, dass die Herausforderungen der Zukunft mit und von jungen Menschen gemeistert werden müssen.

Ich bin aktives Mitglied der young greens southtyrol, habe bereits bei verschiedenen Wahlen auf Gemeinde- und Landesebene für die Verdi Grüne Vërckandidiert, war Mitglied im Grünen Rat. Das Einmischen und Mitreden liegt mir am Herzen. Und besonders liegt es mir am Herzen, die Interessen zukünftiger Generationen bei politischen Diskussionen mitzudenken. Wir befinden uns in einem globalen Notstand, in einer ökonomischen, ökologischen und sozialen Krise. Die Auswirkungen werden, wie wir alle wissen, unsere Kinder am meisten zu spüren bekommen. Die Jugend kann mit Bewusstsein für die Situation, mit Mut, die Normalität in Frage zu stellen und mit dem Willen zur Veränderung Motor des Wandels sein. Aber auch bei den derzeitigen politischen EntscheidungsträgerInnen braucht es den Weitblick, die nachfolgenden Generationen mit zu bedenken und Politik für eine urenkeltaugliche Zukunft zu machen!

Seit einem Jahr besuche ich an der Winterschule Ulten eine Ausbildung zur Permakultur-Fachkraft. Viele meinen, ich lerne etwas übers „Gartln“. Natürlich, das auch! Aber Permakultur ist nicht nur unser persönliches, lustvolles Werkeln im eigenen Garten. Die Denkansätze und Lösungsvorschläge, die Permakultur bietet, sind für mich von hoher politischer Relevanz. Es geht darum, zukunftsfähige, also ökologisch, sozial und ökonomisch verträgliche Systeme aufzubauen. Landwirtschaftliche und Soziale. Diese 3 ethischen Grundsätze sind meiner Meinung nach auch für ein Europa der Zukunft unverzichtbar: für die Erde sorgen, für die Menschen sorgen, Überschüsse gerecht teilen;

Ein besonderes persönliches Anliegen ist mir auch der Erhalt der Arten- und Sortenvielfalt sowie der Schutz von altem, samenfestem Saatgut. Ich bin Mitglied beim Verein „Sortengarten Südtirol“, der auf dem Gebiet wertvolle Arbeit leistet. Hier braucht es unbedingt mehr politische Rückendeckung, um den großen Konzernen – wie z.B. Monsanto – die Stirn bieten zu können. Dieses wertvolle Kulturgut muss erhalten und für alle zugänglich bleiben.

Für dies stehe ich und für dies stehe ich ein.“

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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Kommentare (6)

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  • tiroler

    Die SVP vereint sich mit Mussolini.
    Aber die Südtiroler Oppositionsparteien sind sich uneins wie immer. Anstatt sich gemeinsam auf einen Kandidaten(in) zu konzentrieren kocht jeder sein Magersüppchen. Holzeisen wäre für alle wählbar und hätte Chancen, Dorfmann abzulösen!
    Alle kritisieren die SVP, sind aber selber nicht imstande, über den Tellerrand zu blicken und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

  • paul1

    Sorry, wenn ich unhöflich bin, aber was macht eine Gärtnerin und Sozialarbeiterin in Brüssel???

    • yannis

      Die Antwort ist einfach, Sessel wärmen und dabei kräftig wie eine Made im Speck abgreifen.

    • drago

      Gar nichts, da sie gar nicht dahin kommen (oder wollen). Unterstützungskandidaten tun genau das: sie versuchen den Hauptkandidaten zu unterstützen.

    • felixvonwohlgemuth

      @paul1 – ..nicht unhöflich, aber arrogant und einfältig. Muss sich jemand erst durch die Eingeweide diverser Verbände gearbeitet haben, damit er/sie politisch aktiv werden kann?
      Oder glaubst du etwa, dass ein nur ein „studierter“ Politiker ein guter Politiker sein kann?
      Ich kenne Tagelöhner die mehr auf dem Kasten haben, als mancher selbstverliebter Akademiker!

  • drago

    Der Idealismus der Dame ist unterstützenswert, selbst wenn sie aktives Mitglied des jungen grünen Gemüses ist/war. Aber die derzeitigen Südtiroler Grünen sind leider für mich nicht wählbar (Foppa non si stoppa, leider). So wird’s wohl die Holzeisen werden in der Wahlkabine.

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