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Doing Deculturalization & Hirschfeld-Mack

 

Ketty La Rocca, Sana come il pane quotidiano, 1965, courtesy The Ketty La Rocca Estate

Die Gastkuratorin des Museion Ilse Lafer befasst sich mit den Schriften der italienischen Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin Carla Lonzi. Zum 100. Geburtstag des Bauhauseszeigt das Museion den Lichtspiel-Apparatdes Bauhaus-Künstlers Ludwig Hirschfeld-Mack

Ausgangspunkt vonDoing Deculturalizationsind die Schriften der italienischen Kunsthistorikerin und Kunstkritikerin Carla Lonzi(1931–1982), die das Verhältnis zwischen Feminismus und italienischer weiblicher Kunst wesentlich beeinflusst haben. Gezeigt werden mehr als 40 zeitgenössische und historische künstlerische Positionen – Archivbeständespielen dabei eine wichtige Rolle, insbesondere dasArchivio di Nuova Scrittura (ANS) aus der Sammlung Museion.

La deculturalizzazione per la quale optiamo è la nostra azione(Der Modus, den wir für unser Handeln gewählt haben, ist Entkulturalisierung) schrieb Carla Lonzi1970 in ihrem Buch Sputiamo su Hegel(Wir spucken auf Hegel). Sie meint damit einen radikalen Bruch oder die Herstellung einer „Leerstelle“innerhalb einer bisher ausschließlich männlich dominierten Kultur – und diese schließt auch die Kunst mit ein. Kennzeichen dieses Bruchs sind die Verweigerung gegenüber gesellschaftlichen Machtverhältnissen sowie die Absage andurch Leben, Arbeit und Sprache gesetzte Normen.

Die Gastkuratorin des Museion Ilse Lafer: Wir spucken auf Hegel. (Foto Luca Meneghel)

Doing Deculturalizationdreht sich um diesen radikalen Bruchoder die Leerstelle, die zum Prinzip der Ausstellung wird, sowohl auf der Ebene der ausgestellten Werkeals auch auf der Ebene des eigens für das Museion entwickeltenAusstellungsdesigns. Thematisiert werden soll der bisher international kaum diskutierte italienische Feminismus der 1970er Jahre und sein schwieriges Verhältnis zur Kunst. Zudem will die Ausstellung die Historisierung als auch Aktualisierungvon feministischer Kunstunter dem Vorzeichen der von Lonzi formulierten „Entkulturalisierung“ in den Blick rücken.

In den ausgestellten Arbeiten drückt sich diese „Verweigerung von Normen“ in der Dekonstruktion von Sprachezugunsten neuer Ausdrucksformen aus, die zwischen Wort und Bildsowie zwischen abstrakten Zeichen, non-verbalen Codesund alltäglichen Materialienangesiedelt sind. Hervorgehoben werden Künstlerinnen, die das Persönliche oder Biografische durchspielen(Berty Skuber) oder die das Verhältnis zwischen Körper und Sprachebefragen (Tomaso Binga). Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen wieBracha L. Ettingerund Chiara Fumaihinterfragen sprachliche Konventionen.

Dass „Entkulturalisierung“ ein nicht abschließbares Projektist und kontinuierliche Aktualisierungvoraussetzt, zeigen die Arbeiten von zeitgenössischen Künstlerinnen wie Claire Fontaine, Katarina Zdjelar oderSonia Khurana. Die Leere als wesentlicher Modus operandi dieses Projekts erhält ein vielfältiges Bild durch die Arbeiten von Marion Baruch, Gina Pane oder Marisa Merz.

Ludwig Hirschfeld-Mack: Farbenlichtspiele, Museion, Ausstellungsansicht. (Foto Luca Meneghel)

Vor diesem vielfältigen Hintergrund entwirft Doing Deculturalizationein spekulatives Szenario, eine Topografie der Assoziationen zwischen den Archivalien feministischer Bewegungen,feministisch orientierten Ausstellungsformaten (ghetto exhibitions) und Publikationen, historischen und aktuellen künstlerischen Positionen. Dabei wird die Beziehung zwischen Kunst undFeminismus auf eine Weise reflektiert, dass sich „Entkulturalisierung“ als produktives Denk- und Handlungsmodell erweist.

Das Projekt der Gastkuratorin Ilse Lafer fügt sich vollkommen in die Identität des Museion ein, die von Anfang an eine Sensibilität für weibliche Kunst gezeigt hat. Themen, die in Italien zur Zeit von großer Aktualität sind, werden mit einem neuen, anderen Blick gesehen und durch innovative Ausstellungsformate präsentiert: auch in dieser Hinsicht entspricht die Ausstellung dem Bestreben des Museion, eine dialogische Plattform des Zeitgenössischen zu sein.“ (Letizia Ragaglia, Direktorin Museion).

Parallell dazu präsentiert das Museion anlässlich des 100. Geburtstags des Bauhauses, Schule für Architektur, Kunst und Design (1919-2019),den Lichtspiel-Apparatdes Bauhaus-Künstlers Ludwig Hirschfeld-Mack (1893-1965).Das Werk, das in den Jahren 1923/24 entwickelt wurde, ist eines der frühesten Werke der modernen Kunstgeschichte, das elektrisches Licht und Bewegung verbindet.

 Termin: Eröffnung am 12. April um 19.00 Uhr im Museion.

Foto(s): © 123RF.com und/oder/mit © Archiv Die Neue Südtiroler Tageszeitung GmbH (sofern kein Hinweis vorhanden)
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