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Explosive Parkplätze

In Prags legt eine Gruppe von Gastwirten ein „alternatives Verkehrskonzept“ vor. Demnach sollen die Parkmöglichkeiten am Pragser Wildsee erweitert werden. Dieser Vorschlag dürfte heute Abend für jede Menge Diskussionsstoff sorgen.

von Silke Hinterwaldner

Die Einladung ist unterschrieben mit: Gruppe Alternatives Verkehrskonzept – Zukunft Prags. Auch wenn es aus dem Schreiben nicht klar hervorgeht, ist doch leicht zu erraten, wer hinter diesem Vorschlag für ein Verkehrsprojekt im Pragsertal steckt – es ist jene Gruppe von Hoteliers und Gastwirten, die sich schon seit langem gegen eine Verkehrssperre im Tal wehrt, auch gerichtlich. Aber das Verwaltungsgericht hatte den Rekurs der Betreiber in Ploners Eggerhof, im Mösslhof, im Sonnleiten, am Moserhof, im Astrabel, im Gstatthof und im Romantik Hotel Santer abgewiesen.

Nun also folgt ein neuer Versuch, um die Bevölkerung von Prags, aber wohl auch die Entscheidungsträger, vom eingeschlagenen Weg abzubringen. Zur Erinnerung: Spätestens seit der TV-Serie „Un passo dal cielo“ ist der Pragser Wildsee zu einem Magnet für Touristen geworden. Jeden Sommer strömen mehr und mehr Gäste in das Pragsertal, um einen Blick auf den See werfen zu können.

Zunächst ließ man direkt am Pragser Wildsee einen neuen Parkplatz bauen, aber schnell war klar, dass dies nicht ausreichen wird. Im vergangenen Sommer schließlich hat die Landesregierung eine Verkehrssperre eingeführt. Das heißt: Über die Mittagsstunden durfte man im Hochsommer nur noch bis zum Parkplatz Schmieden fahren. Trotzdem herrschten zeitweise chaotische Zustände in Prags. Dazu kam der Protest der Gastwirte entlang der Strecke. Sie beklagten enorme Geschäftseinbußen und versuchen sich seitdem gegen diese Verkehrspolitik zu wehren.

Beim Land geht man den eingeschlagenen Weg weiter: Geplant ist für heuer ein neuer Auffangparkplatz auf dem ehemaligen Militärgelände in Welsberg. Von da ab genauso wie ab dem Parkplatz Schmieden sollen die Besucher nur per Bus weiterfahren dürfen. Zudem soll nicht nur die Straße zum Pragser Wildsee, sondern auch jene Richtung Altprags für den Verkehr gesperrt werden.

Während man also beim Land, in der Gemeinde und in Arbeitsgruppen weiter über eine Sperre der Straße nachdenkt, haben die gegnerischen Touristiker ihr eigenes Konzept ausgearbeitet. Dieses Konzept wird heute Abend um 20.00 Uhr im Vereinshaus von Prags allen Interessierten vorgestellt. Klar ist jetzt schon: Dieser Vorstoß wird für jede Menge Diskussionsstoff sorgen. „Wenn wir uns jetzt nicht dagegen wehren“, sagt ein Mann aus Prags, „dann befürchten wir, dass diese Idee womöglich umgesetzt würde. Das wäre für uns fatal.“ Für ihn ist klar, dass dieser „alternative Vorschlag“ nur noch weiteren Verkehr in das Tal hineinziehen würde und dass damit Prags immer weniger lebenswert sei. Im Tal selbst hat die Diskussion um das Verkehrsproblem im Hochsommer längst die Bevölkerung gespalten: Die einen wollen Profit aus der neuen Art von Tourismus schlagen, die anderen wollen ihre Ruhe haben. Eine einvernehmliche Lösung scheint nicht leicht zu finden zu sein.

Und: Mittlerweile betreffen die Zunahme des Verkehrs und die entsprechenden Folgen nicht nur mehr die Pragser. Auch Welsberg muss jetzt darüber diskutieren und entlang der Pustertaler Straße gibt es rund um den Pragser Durchlass immer wieder Rückstau, weil so viele Gäste zum See wollen. Aber während die Pragser angeblich alle zur Diskussion heute Abend eingeladen sind, hat man auf die Welsberger und die Niederdorfer wohl vergessen.

Aber worum geht es eigentlich in diesem alternativen Verkehrskonzept? Die Eckpunkte sind schnell erklärt – und stehen im Widerspruch zu den bisherigen Vorgaben des Landes: Die Gruppe von Gastwirten möchte die Straßen zum See für den Verkehr offen lassen und direkt vor Ort neue Parkmöglichkeiten schaffen. Das heißt: Die drei bestehenden Parkplätze sollten erweitert werden. Zwei neue Parkplätze sollten dazukommen – einer in der Säge und einer gegenüber dem Reitstall. Die Bauarbeiten dafür würden die privaten Unternehmer durchführen, die Parkgebühren sollten deutlich erhöht werden und im Gegenzug sollte die Gemeinde Einnahmen von 500.000 bis 700.000 Euro erhalten. Das klingt auf den ersten Blick verlockend, schließlich könnte die Gemeinde viel Geld in Schule, Kindergarten, Spielplätze, Altersheime oder Gehsteige investieren.

Aber damit nicht genug. Der „alternative Vorschlag“ hat mehr zu bieten. Die Unternehmer wollen eine Umlaufbahn bauen mit Start bei den Kameriotwiesen zur Plätzwiese. Außerdem wollen sie den bestehenden Parkplatz für die Umlaufbahn  und den Skilift Prags verlegen. Die Skilifte sollten verlängert werden, um so deren Attraktivität zu steigern. Und: Zusätzlich zu den bestehenden Linienbussen werden in der Hauptsaison City-Busse eingesetzt, die im gesamten Tal zirkulieren. In der Einladung zum Diskussionsabend heißt es außerdem:

„Nicht akzeptiert und nicht zielführend für die Wirtschaft im Pragsertal ist die Errichtung eines Parkplatzes in Welsberg. Dadurch würde die lokale Wertschöpfung verloren gehen. Die vorhandenen Parkplätze sollen genutzt werden und durch die Errichtung von neuen Parkplätzen kann zudem Einkommen, das der lokalen Wirtschaft und der Bevölkerung zugutekommt, erzielt werden.“

Es ist jetzt schon klar, dass diese Vorschläge für kontroverse Diskussionen sorgen werden. Nicht vorhersagbar ist, ob die politischen Entscheidungsträger sich davon tatsächlich beeinflussen lassen.

 

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Kommentare (5)

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  • wisoiundnetderfranz

    Sie können nicht ohne…
    Sie können nicht mit…

    Vielleicht sollte man auf dem Kasernenareal in Welsberg einen riesigen Bildschirm aufstellen, der den ganzen Tag Live-Bilder vom See ausstrahlt… dann müsste man nicht bis zum See fahren, könnte im Auto sitzen bleiben, ein paar Solettis knabbern und dann glücklich wieder ins Hotel zurück fahren.

    • ollaweilleiselber

      @wisoiundnetderfranz
      Um Ihren Vorschlag zu perfektionieren müsste am Kasernenareal noch ein Drive-in-Restaurant und ein Souvenir-Shop errichtet werden, dann wäre das die perfekte Lösung.

  • yannis

    Und was sagen die „Friday’s for Future“ dazu ?

    Wohl eher nix, zumal sie ja auch nicht wissen dass ihr von ihren saudummen Vorfahren erfundenes ständiges „Online“ Gedaddel tausende Tonnen CO2 produziert.

  • alsobi

    Der pure Wahnsinn sag ich nur. Den Gastwirten und Hoteliers ist nichts heilig und wenn´s drum geht Geld zu scheffeln dann gehen sie über Leichen.

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