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Muschimund & Maulkorb

Dicke Luft bei den Blauen: Bezirksobfrau Heidi Sparber hat aus Zorn gegenüber der Freiheitlichen-Spitze die Facebook-Seite des Bezirks Wipptal gelöscht.

von Matthias Kofler

Heidi Sparber ist seit einigen Tagen nicht erreichbar – weder auf ihrem privaten Handy noch übers Bürotelefon. Bereits in der vergangenen Woche hat sie alle ihre politischen Facebook-Postings gelöscht und die Bezirksseite „Freiheitliche im Wipptal“ vom Netz genommen.

Wer die gesprächige und sich gern medial in Szene setzende Freiheitlichen-Bezirkskoordinatorin des Wipptals kennt, der weiß, dass hier etwas nicht stimmen kann.

In der Tat herrscht bei den Blauen (wieder einmal) dicke Luft. Heidi Sparber, die bei den Landtagswahlen 478 Stimmen und damit den zwölften Platz erreicht hat, ist sauer auf die Parteispitze, die der Bezirkssprecherin einen Maulkorb verpasst hat. Zukünftig darf sie in Aussendungen nur mehr die allgemeine Floskel „die Freiheitlichen sprechen sich für oder gegen etwas aus“ verwenden und Mails und Postings nicht mehr mit dem Titel „Bezirkskoordinatorin Sparber“ signieren. „Das war dann doch zu viel für die Heidi“, erklärt ein Vertrauter der Sterzingerin.

Der Grund für den Maulkorb: Heidi Sparber hat Obmann Andreas Leiter Reber und Generalsekretär Otto Mahlknecht mit unglücklichen Facebook-Meldungen mächtig in Verlegenheit gebracht. So bezeichnete sie in einem Kommentar das ehemalige Vorstandsmitglied Anna Vikoler als „Muschimund“ und kündigte großspurig an, bei den Gemeinderatswahlen in Sterzing im kommenden Jahr 5.000 Vorzugsstimmen zu ergattern. Sparber schrieb wörtlich: „Bei der heurigen Landtagswahl hat es nur für fast 500 Stimmen gereicht! Bei den kommenden Gemeinderatswahl werden es fast 5.000 Stimmen werden und bei den nächsten Landtagswahlen werden es fast 50.000 Stimmen werden!
Das ist mein politisches Ziel!
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich meine mir gesteckten Ziele erreiche!
Ihre/Eure Heidi Sparber – Bezirkskoordinatorin Wipptal der Freiheitlichen Partei.”

Mit dieser optimistischen Ankündigung ist die Bezirkskoordinatorin weit übers Ziel hinausgeschossen. Auf Verlangen der Parteizentrale musste Sparber den Post umgehend vom Netz nehmen.

Die Freiheitlichen sind nach den Skandalen der letzten Jahre ohnehin gebeutelt. In vielen Bezirken ist ihnen die Basis weggebrochen. Das Wipptal gehört zu den Problembezirken: Mit Ausnahme von Pfitsch gibt es dort keine blauen Gemeinderäte mehr. Daher empfindet die Parteispitze die Facebook-Postings der Bezirkskoordinatorin auch als völlig deplatziert.

F-Obmann Andreas Leiter Reber betont, dass die Vorgaben im Sinne der Parteistrukturreform seien. Es sei auch in anderen Parteien Usus, dass bei Themen, die landesweite Relevanz hätten, die Parteizentrale spreche. „Die Bezirkssprecher melden sich hingegen bei Bezirks-Themen zu Wort“, so Leiter Reber. Zudem erinnert er daran, dass Heidi Sparber von ihm persönlich vor gut zwei Jahren als Koordinatorin eingesetzt wurde. Dabei habe sie den Auftrag bekommen, den Aufbau des Bezirks zu managen und dann geordnete Bezirkswahlen durchführen zu lassen. In ein, zwei Monaten sollten daher ein Bezirksvorsitzender, dessen Stellvertreter und die Beiräte gewählt werden.

Der Obmann betont, dass sich Heidi Sparber in den letzten zwei Jahren „sehr bemüht“ habe. Doch offensichtlich hat sie die Aufforderung, nun Vorstands-Wahlen zu organisieren und somit möglicherweise als Bezirkssprecherin abtreten zu müssen, als Affront verstanden.

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